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Benneteau reisst seinen Mund auf und attackiert Federer

Der Franzose stört sich an den Privilegien Federers und dessen Verstrickungen durch den Laver-Cup.

Zäher Start: Beide Spieler haben zu Beginn Mühe, ins Spiel zu finden.
Zäher Start: Beide Spieler haben zu Beginn Mühe, ins Spiel zu finden.
Tim Ireland, Keystone
Es harzt auf beiden Seiten: Weder Nishikori noch Federer spielen das Tennis, das sie eigentlich könnten.
Es harzt auf beiden Seiten: Weder Nishikori noch Federer spielen das Tennis, das sie eigentlich könnten.
Tim Ireland, Keystone
Und dann ist es entschieden: Kei Nishikori gewinnt das Auftaktspiel an den ATP-Finals in London gegen Roger Federer in zwei Sätzen 6:7 (4:7), 3:6.
Und dann ist es entschieden: Kei Nishikori gewinnt das Auftaktspiel an den ATP-Finals in London gegen Roger Federer in zwei Sätzen 6:7 (4:7), 3:6.
Kieran Galvin, Keystone
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Für alle, die es noch nicht gemerkt haben: Julien Benneteau ist zurückgetreten. Das ist der 36-jährige Franzose, der all seine zehn Finals auf der ATP-Tour verloren hat. Zum Ende seiner Karriere machte er nun noch auf sich aufmerksam, indem er in einer Sport-Talkshow auf Radio Monte Carlo («Les Grandes Gueules de Sport») Roger Federer harsch kritisierte – oder besser: dessen Privilegien und die Verstrickungen um ihn.

Dies, nachdem er zur Einstimmung zu einer Lobeshymne auf den Schweizer angesetzt hatte: «Roger ist eine Legende des Sports, eine Ikone. Nur bei ihm würden in Paris-Bercy selbst dann 15'000 Leute kommen, wenn sein Spiel auf zehn Uhr morgens angesetzt würde.» Dass Federer so viel Geld einspiele, sei sein Verdienst. «In Basel verbringt er eineinhalb Stunden auf dem Platz und danach noch zwei, drei Stunden mit Partnern und anderen Leuten. Die Samprases und Agassis taten das nicht.»

Tiley von Godsick bezahlt

Aber: Durch den Laver-Cup, der von «seiner» Managementagentur «Team8» (Federer ist Mitgründer) mitorganisiert wird, unter anderem mit Tennis Australia, seien inakzeptable Verflechtungen entstanden. Etwa, dass Craig Tiley, der Turnierdirektor des Australian Open, beim Laver-Cup zuständig sei für die Vermarktungs- und TV-Rechte. «Dieser Mann wird von Federers Agent (Tony Godsick) bezahlt. Und wie zufällig spielt Federer 12 seiner 14 Matchs in Melbourne um 19.30 Uhr.» Also dann, wenn es nicht mehr so heiss ist.

Zudem habe er vernommen, so Benneteau, dass Godsick dieses Jahr beim US Open Druck gemacht habe, dass Federer nicht im neuen Louis Armstrong Stadium spielen müsse. «Es ist normal, dass Federer Privilegen haben soll», so der Franzose. «Aber es geht etwas zu weit.» Ein Sprecher des US Open liess ausrichten, es sei sowieso immer klar gewesen, dass alle Matchs von Federer, Serena Williams und Rafael Nadal im Arthur Ashe Stadium stattfänden. Tiley hat sich noch nicht geäussert.

Der Laver-Cup ist Benneteau ohnehin ein Dorn im Auge: «Er hat keine sportliche Legitimation. Für die Selektion gibt es keine sportlichen Kriterien. Es werden keine ATP-Punkte verteilt. Es geht nur ums Geld. Nick Kyrgios bekommt 750'000 Dollar, um Matchs zu spielen, die nichts zählen. Das sind die Summen.»

Als bekannt worden sei, dass das neue Davis-Cup-Finalturnier im November stattfinde, habe sich Federer nicht dazu geäussert. Erst, als Gerard Piqué in Aussicht gestellt habe, den Davis-Cup künftig in den September vorzuverlegen und so den Laver-Cup zu konkurrenzieren, habe sich Federer gegen ihn gestellt.

Djokovic verteidigt Federer

Was die Spielansetzungen betrifft, so geniesst Federer sicher Privilegien. Allerdings füllt auch keiner die Stadien so wie er. «Die Leute wollen ihn auf dem Center Court spielen sehen, und zwar zur besten Zeit, um 19.30 Uhr in der Rod Laver Arena», sagt auch Novak Djokovic, in London darauf angesprochen. «Und Spieler wie Julien (Benneteau) profitieren davon, was er für den Sport getan hat.»

John Isner ging sogar noch weiter: «Für mich verkörpert Roger das Männertennis. Er verdient alles, was er bekommt, und noch viel mehr.» Leicht kritische Töne schlug Marin Cilic an, der wiederholte, dass er dagegen gewesen sei, dass das Dach für den diesjährigen Australian-Open-Final gegen Federer wegen der Hitze geschlossen werde.

Dass Federer nicht allmächtig ist, zeigte sich in Wimbledon, wo er für den Viertelfinal gegen Kevin Anderson auf Court 1 verbannt wurde – und prompt verlor. Dass er sich für den Laver-Cup starkmacht, ist verständlich. So wie Benneteau, dem designierten Fed-Cup-Captain Frankreichs, der offizielle Teamwettbewerb mehr am Herzen liegt.

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