Der epische Dreikampf spitzt sich zu

Am Australian Open kann Rafael Nadal im Kampf um die meisten Grand-Slam-Titel erstmals zu Roger Federer aufschliessen. Favorit ist aber ihr gemeinsamer Verfolger, Novak Djokovic.

Der epische Dreikampf geht in die nächste Runde: Rafael Nadal (links), Roger Federer (Mitte) und Novak Djokovic.

Der epische Dreikampf geht in die nächste Runde: Rafael Nadal (links), Roger Federer (Mitte) und Novak Djokovic. Bild: Keystone

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Es gab viele Jahre, in denen Roger Federer mehr Grand-Slam-Titel aufwies als Rafael Nadal und Novak Djokovic zusammen. Auch Ende 2012 war das noch der Fall. Er hatte damals 17 dieser Trophäen erobert, der Spanier elf und der Serbe fünf. Alles deutete zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass der Überflieger aus dem Baselbiet einst mit diesem Rekord abtreten würde, den vor ihm Pete Sampras mit 14 gehalten hatte.

Sieben Jahre später ist diese Gewissheit gewichen – obwohl er noch immer daran ist, alle Altersrekorde zu brechen und das Jahr seines 39. Geburtstags als Weltranglistendritter beginnt.

Der Vorsprung ist fast weg

Die Dimensionen, die ihr Dreikampf inzwischen angenommen hat, sind in der Geschichte des Profitennis' einmalig. «Wir halfen uns gegenseitig, bessere Spieler zu werden. Auf und neben dem Court», sagt Djokovic. «Die Intensität unserer Partien verlangt, dass wir immer unser Bestes geben, wenn wir nicht verlieren wollen. So haben wir uns gemeinsam in die Höhe getrieben und die Tennisgeschichte weitergeschrieben.» Djokovic verheimlicht nicht, dass er gewillt ist, ­Federers Rekorde zu brechen – und zwar möglichst alle.

Nach einer über vierjährigen Phase vergeblicher Bemühungen gewann Federer 2017/18 zwar drei weitere Grand-Slam-Tro­phäen, zwei in Melbourne, eine in Wimbledon, wo ihm vergangenes Jahr gegen Djokovic zwei Matchbälle bei eigenem Aufschlag nicht zum Sieg reichten.

«Wir hoffen, dass es nicht dieses Jahr ist, aber es ist unvermeidbar.»Novak Djokovic

Pech für ihn war: Nadal sammelte seit 2013 gleich acht und Djokovic sogar elf Major-Pokale. Der Vorsprung des 38-Jährigen gegenüber Nadal ist dadurch fast aufgebraucht – 20:19. Am Aus­tralian Open, das am Montag beginnt, kann er vom Linkshänder erstmals eingeholt werden. Und sollte dies dem Mallorquiner gelingen, wäre die Chance gross, dass er Federer schon in Roland Garros hinter sich lässt.

Doch auch Djokovic könnte noch dieses Jahr aufschliessen. Der Serbe müsste dazu aber gleich den Grand Slam schaffen, was seit Rod Laver 1969 keinem Mann gelungen ist – also nach dem Australian Open auch French Open, Wimbledon und US Open gewinnen. Der Dreikampf um den wichtigsten Rekord im Tennis geht 2020 in eine entscheidende Phase, und das Australian Open dürfte die Weichen stellen. Denn auch für Nadal und Djokovic tickt die Uhr. Der Spanier wird im Juni 34, der Serbe im Mai 33.

Demonstration am ATP-Cup

Die letzten sieben Major-Titel gingen alle an dieses Duo. Doch auch diese Serie wird einmal reissen, und die Gruppe der stärksten Verfolger um den letztjährigen US-Open-Finalisten ­Daniil Medwedew, den ATP-Finalsieger Stefanos Tsitsipas und den zweifachen Paris-Finalisten Dominic Thiem tritt immer selbstsicherer und stärker auf. «Wir hoffen, dass es nicht das Jahr ist, aber es ist unvermeidbar, dass irgendwann einer von ihnen ein Major-Turnier gewinnt», sagt Djokovic und schliesst auch den Deutschen Alexander Zverev in diese Gruppe ein.

Djokovic startet – entgegen der Weltrangliste, wo er die Nummer 2 ist – in Melbourne als Favorit, angesichts seiner Klasse und seiner Dominanz gegen Nadal auf Hartplätzen. Am Yarra-River wurde er vor zwölf Monaten mit seinem 7. Titel alleiniger Rekordhalter (vor Federer). Dass er in Form ist, demonstrierte er zu Jahresbeginn am ATP-Cup, wo er Serbien in Sydney zum Titel führte. Bereits zum achten Mal führen die Big 3 in Melbourne die Setzliste geschlossen an, und dabei gewann stets einer des Trios.

Nadals einziger Titel in Melbourne, den er in einem Fünfsätzer im Final gegen Federer errang, liegt aber schon elf Jahre zurück. Seither hat er vier Endspiele verloren, je eines gegen Federer (2017) und Stan Wawrinka (2014), die anderen gegen Djokovic (2012/19). Während es vor acht Jahren zum mit 5:53 Stunden längsten Grand-Slam-Final kam, überliess ihm der Serbe vor zwölf Monaten nur acht Games.

«Das war vielleicht meine beste Vorstellung überhaupt in einem Grand-Slam-Endspiel», sagt Djokovic im Rückblick. Verläuft das Turnier gemäss der Setzliste, muss er im Halbfinal einmal mehr Federer sowie im Final Nadal schlagen, um zum achten Mal zu triumphieren. Ein Szenario, das sich nicht nur er, sondern die gesamte Tenniswelt sehr gut vorstellen kann.

Erstellt: 16.01.2020, 18:04 Uhr

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