Federer: «Ich wollte zeigen, dass es mich berührt»

Roger Federer erklärt in Melbourne, was ihn veranlasst hat, die Klimaaktivisten um Greta Thunberg zu stärken.

Bild: Roman Pilipey/Keystone

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Eine Woche ist es her, seit Roger Federer mit einer schriftlichen Erklärung über Klimaaktivisten die Öffentlichkeit überraschte. Darin bekundete er Verständnis und sogar Sympathien für eine Gruppe aus der Schweiz, zu denen sich auch die Schwedin Greta Thunberg gesellt hatte – nachdem diese ihn persönlich angegriffen hatte. Unter dem Hashtag «RogerWakeupNow» hatten sie ihn aufgefordert, seine Partnerschaft mit der Credit Suisse aufzulösen. Sie werfen der Grossbank vor, mit Milliardeninvestitionen in Firmen, die fossile Energien fördern, die Umwelt zu schädigen und zur Klimaerwärmung beizutragen.

In seiner Medienkonferenz am Samstag wurde Federer am Australian Open (auf Schweizerdeutsch) erstmals gefragt, was ihn zu seinem Statement veranlasst habe. In diesem hiess es, als Vater von vier Kindern habe er «grossen Respekt und Bewunderung für die Jugendklimabewegung. Ich bin den jungen Klimaaktivisten dankbar, dass sie uns alle dazu zwingen, unser Verhalten zu überprüfen und nach innovativen Lösungen zu suchen. Wir sind es ihnen und uns selbst schuldig, zuzuhören.»

«Ich lebe nicht abgeschottet»

«Für mich war wichtig zu zeigen, dass ich auch von solchen Sachen höre und nicht total abgeschottet lebe», begann Federers lange Antwort. «Ich wollte zeigen, dass es mich berührt und ich es als wichtig empfinde, dass ich dazu Stellung nehme.» Und zwar nicht irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt in einem kurzen Satz: «Ich wollte etwas dazu sagen, während das Thema polarisiert. Weil ich glaube, dass es wichtig ist und dass viele Leute meiner Meinung sind, dass wir mehr machen können in Zukunft. Alle zusammen. Alle müssen am gleichen Strick ziehen.»

Er drückte sogar Bedauern aus, nicht mehr für die Umwelt und gegen die Klimaerwärmung tun zu können. «Als Tennisspieler bist du in einer Position, in der du nicht das ideale Sprachrohr sein kannst für diese Bewegung.» Dies wüssten aber auch jene, die ihn kritisierten. «Und so wichtig das Klima auch ist, so gibt es doch auch viele weitere wichtigen Themen auf der Erde.» Mit seiner Stiftung, die vor allem im südlichen Afrika für Jugendliche aktiv ist (und von der Credit Suisse schon mit vielen Millionen unterstützt wurde), sei er zwar in einem anderen Bereich tätig. Doch auch eine gute Ausbildung könne in Umweltfragen positive Auswirkungen haben.

Federer bekräftigte in Melbourne seine Absicht, das Gespräch zu suchen mit «wichtigen Leuten», wobei er diese nicht näher definierte, wohl aber auch an Leader der Bank dachte. «Ich habe andere Möglichkeiten, mit wichtigen Leuten zu sprechen, und das mache ich generell auch, über die verschiedensten Themen.» Er wisse, dass sein Wort Gehör finde. Und diese Möglichkeit wolle er in wichtigen Fragen nutzen.

Der 20-fache Grand-Slam-Sieger startet in Melbourne in der Nacht auf Montag gegen Steve Johnson (USA) in sein 21. Australian Open. Entsprechend hat sich sein Hauptfokus inzwischen ganz auf das Tennis verlagert. «Ich habe zwar schon oft gezeigt, dass ich während eines Turniers und sogar während einer Partie mit vielem umgehen kann. Aber wenn es einmal losgeht, muss ich mich bestmöglich auf die Matches konzentrieren.»

Greta Thunberg und ihre Mitkämpfer sollten also trotz allem nicht damit rechnen, ihn in den nächsten Tagen ans Telefon zu bekommen.


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Erstellt: 18.01.2020, 07:32 Uhr

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