Kloten

Charme-Offensive der EHC-Bosse

Der EHC Kloten ist auf dem Weg zur «schwarzen Null», wie der neue Boss Hansueli Lehmann es nennt. Mit dem kleineren Budget ist der Ligaerhalt das erklärte Ziel.

Hansueli Lehmann, der neue Besitzer des EHC Kloten.

Hansueli Lehmann, der neue Besitzer des EHC Kloten. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die ganz grossen News konnte und wollte Hansueli Lehmann am Montagabend im Schluefwegsaal (noch) nicht preisgeben. «Ein neuer Sportchef wird noch in diesen Tagen präsentiert», meinte er. «Wer dann unser neuer Cheftrainer wird, werden wir noch sehen», meinte er. Ähnlich diplomatisch tönte es betreffend Teamzusammensetzung: «Ausländer haben wir bis jetzt noch keine unter Vertrag genommen.»Aber er habe mit allen Spielern geredet – nicht mit Agenten, wohlgemerkt.

«Ich rede nur mit den Spielern direkt», unterstrich Lehmann seine Entschlossenheit das Budget herunterzuschrauben, nachdem er von einem Anwesenden auf die Preistreiberei der letzten Jahre angesprochen wurde. «Wir haben bereits 6 Millionen weggespart», erklärte der neue Besitzer der Aktienmehrheit des EHC Kloten in seiner Zwischenbilanz zum Stand der Dinge am Schluefweg. Mit einem Budget von 20 Millionen Franken habe der Profieishockeyclub die letzte Saison bestritten und am Ende einen Verlust von 8 Millionen Franken in den Büchern gehabt. In diesem Zusammenhang wiederholte Lehmann sein Credo der finanziellen Zurückhaltung: «Jede Hausfrau weiss, dass man nicht mehr ausgeben kann, als man einnimmt.» Er jedenfalls werden kein Mäzen sein. Die Leute müssten nun erwachen, denn er werde Ende nächster Saison kein Geld aufwerfen, um ein Minus zu decken.

Im Saal, nicht im Stadion, am Schluefweg lauschten am Montagabend ein paar Dutzend Besucher – ein Grossteil davon Lokalpolitiker –, wie es um den neuen EHC Kloten steht.

Gewisse Verwirrungen

Zunächst gab es jedoch eine erste sportlich-politische Verwirrung zu klären. Denn auf der Einladung im lokalen «Klotener Stadtanzeiger» prangte nebst dem EHC-Logo auch die SVP-Sonne. «Sind wir nun bereits zum EHC SVP geworden?», hörte man im Vorfeld der Veranstaltung manche Fans frotzeln. «Ich wäre auch sofort zur SP oder zu den Grünen gegangen für einen Infoabend, wenn ich von denen eingeladen worden wäre», versuchte Hansueli Lehmann – selber SVP-Mitglied – zu beschwichtigen.

Die Präsidentin des ältesten offiziellen Klotener Fanclubs, Barbara Glas, fands dennoch nicht toll, dass die meisten Fans, geschweige denn Fanclubvertreter, nichts von dem öffentlichen Anlass erfuhren. SVP-Sektionspräsident und Ex-EHC-Spieler Kurt Hottinger bat um Verzeihung. Er habe wohl nicht bedacht, dass die beiden Logos auf der einzigen Einladung im Lokalblatt manche irritieren könnte.

«Wir sind im Nachwuchs die Nummer 2 hinter dem ‹Z› und vor Lausanne», erklärte dann EHC-Chefstratege Peter Lüthi den Anwesenden. Der gute Ruf der Juniorenbewegung müsse aber wieder aufpoliert werden. Mit Winterthur ist neu soeben ein vierter Verein ins überregionale Nachwuchsnetzwerk des EHC integriert worden. Ob man es unterstützen würde, wie schon oft zu hören war, dass die Liga den Abstieg abschaffen würde, wollte ein Anwesender von Lüthi wissen. Aus rein wirtschaftlichen Überlegungen müsste man wohl sofort dafür sein, lautete der erste Teil der Antwort. «Aber als Sportsmann finde ich das gefährlich», fügte er an. Immer nur um die «goldene Ananas» zu spielen, wenn es keinen Abstieg mehr gäbe, sei wohl auch nicht das Wahre.

Das «marode» Eisfeld

An allen Standorten brauche es gute Rahmenbedingungen, war zu hören. Lehmann mochte nun aber nicht mehr von «Forderungen» sprechen und überliess Stadtpräsident René Huber (SVP) das Wort. Die Stadt könne dem EHC keine Geschenke machen, aber man plane eine Aktion für die eigenen Einwohner. Für Klotener wolle man den Kauf einer Saisonkarte «angemessen subventionieren». Zum «Deckel» über dem Ausseneisfeld meinte Huber: «Wir müssen dort eh etwas tun, das Ausseneisfeld ist marode.» Und wenn man schon etwas tun müsse, dann würde eine Überdachung wohl Sinn machen – «allein schon aus ökologischen Gründen». Den Kühlschrank zu Hause würde ja auch niemand ­offen stehen lassen.

Erstellt: 31.05.2016, 20:51 Uhr

Artikel zum Thema

Investor rettet EHC Kloten – Trainerduo weg

Kloten / Zürich Nach 50 hektischen Tagen ist der EHC Kloten gerettet. Hans-Ulrich Lehmann, ein 57-jähriger Unternehmer aus Glattfelden, kaufte die AG der kanadischen Avenir-Gruppe ab. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles