Diese Stute gibt es neunmal

Die Klone der preisgekrönten Stute Cuartetera sind genau so erfolgreich wie das Original. So entstehen die Labor-Pferde.

Neun Fohlen entstanden bisher: Adolfo Cambiaso auf der originalen Dolfina Cuartetera. (Foto Grupo44/Getty Images)

Neun Fohlen entstanden bisher: Adolfo Cambiaso auf der originalen Dolfina Cuartetera. (Foto Grupo44/Getty Images)

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Der Tod kommt selten am Anfang. Diesmal schon. Und er kam in der Verlängerung. Es lief der Final des Palermo Open in Buenos Aires, und Adolfo Cambiaso spürte sofort, was geschehen war. Cambiaso ist der grosse Star und ein Posterboy des Polosports, Argentinier wie fast alle anderen Spitzenspieler, und Aiken Cura war sein bestes Pferd. Und als in diesem Endspiel im Dezember 2006 das linke Vorderbein von Aiken Cura nachgab, da flehte Cambiaso: «Tut alles, um dieses Pferd zu retten.»

Eingeschläfert wurde der 11-jährige Hengst ein paar Wochen später dann doch, denn nach der Operation ergab sich eine Komplikation nach der anderen. Doch Aiken Cura lebte weiter: Sein Tod inspirierte Cambiaso, der mehr als 1000 Pferde besitzt, die Praxis des Klonens zu wagen. Er liess Hautzellen seines liebsten Pferdes einfrieren, 2009 wurde es mithilfe des amerikanischen Unternehmers Alan Meeker erfolgreich geklont. Diesen hatte die Idee, wie einst das Schaf Dolly Polopferde zu klonen, schon länger fasziniert. Bis zum Tod von Aiken Cura hatte ihm aber niemand Erbmasse zur Verfügung gestellt.

«Wenn du erst einmal ein so gutes Tier hast und du es klonen kannst, dann ist das einfach grossartig»Juan Martin Nero

Denn Klonen im Pferdesport ist umstritten. Nicht verboten, seitdem der internationale Pferdesportverband FEI 2013 entschied, es in allen Disziplinen zuzulassen – aber doch verpönt. «Uns Züchtern können Klone nicht gefallen», sagt der frühere Spitzenspieler Gonzalo Pieres senior der «Frankfurter Allgemeinen», und der Stallbesitzer erklärt: «Ein Klon ist ja das Gleiche, was wir schon gezüchtet haben, eine Kopie. Das Beste ist das Kreuzen, denn der Traum ist, dass die Kombination, die wir schaffen, funktioniert.»

Der Gentleman's Sport. (Video Youtube)

Aber Klonen ist recht einfach – und effizient. Laut FAZ schickt der Züchter Gewebe aus der Halsgegend ins Labor und kann den Klon wenig später abholen oder sich wieder zusenden lassen, um eine Leihmutter zu befruchten. Im Schnitt wird eine von vier trächtig. Zwischen 60'000 und 80'000 Dollar beträgt der Preis pro Klon – mit Mengenrabatt, wenn mehrere bestellt werden.

Im Polo werden ziemlich viele Pferde gebraucht. Das Spiel wird auf einem stattlichen Rasenfeld von 274x183 Meter Fläche betrieben, vier Spieler stellen eine Mannschaft – und auf Spitzenniveau darf jeder von ihnen bis zu zwölf Pferde pro Partie einsetzen. Meist sind es die speziell gezüchteten Polo Argentino. Der Sport ist für die Tiere eine grosse Anstrengung, weshalb in regelmässigen Abständen gewechselt wird. Der Bedarf an Pferden ist also gross, die Zucht und der Sport gehen seit Generationen Hand in Hand. Und Tiere, die regelmässig beim Polo eingesetzt werden, sind für die meist ohnehin schon reichen Besitzer Millionen wert.

Kunden auf der ganzen Welt

«Die Möglichkeit zu klonen sollte keinen Züchter beunruhigen. Vielmehr sollte sie genutzt werden, um die Zucht voranzutreiben und immer noch bessere Polopferde hervorzubringen», wiegelt Fermin Gutierrez ab. Gutierrez ist Geschäftsführer des Klonlabors Crestview Genetics, das Adolfo Cambiaso mit zwei Partnern in Lujan bei Buenos Aires aufgebaut hat und betreibt. Crestview Genetics klont nicht nur argentinische Pferde. Nach eigenen Angaben gehören Züchter aus den USA, Grossbritannien und dem arabischen Raum zu den Kunden, würden 30 bis 40 Pferde pro Jahr geklont. Auch Spring- und Rennpferde. Verboten bleibt Genmanipulation.

«Das Temperament, ihre Reaktionen, einfach alles. Es ist beeindruckend, wie ähnlich sie dem Original sind.»Adolfo Cambiaso

«Wenn du erst einmal ein so gutes Tier hast und du es klonen kannst, dann ist das einfach grossartig», sagt Juan Martin Nero, aktuell die Nummer 4 der Welt. Er hat kürzlich seine beste Stute, Chica, klonen lassen und hofft, deren Nachfahren künftig ebenfalls im Polo einsetzen zu können. Fohlen werden schon früh für den Sport ausgebildet.

Nummer 8 lebt nicht mehr

Adolfo Cambiaso ist schon einen Schritt weiter. Nach dem berühmten Aiken Cura hat er mit der Stute Dolfina Cuartetera ein weiteres seiner preisgekrönten Pferde geklont. Neun Fohlen entstanden bislang, wobei eines, die Nummer 8, unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Die Pferde tragen tatsächlich nur Nummern, denn wie Cambiaso einmal der NZZ erklärte: «Sie brauchen keinen eigenen Namen, sie sind Cuartetera.»

Adolfo Cambiaso, genannt Adolfito: Superstar und Posterboy. (Bild Getty Images)

2016 zeigte sich, dass Cambiaso mit seinem Konzept richtig liegen dürfte – allem Argwohn der Konkurrenz zum Trotz. Das traditionsreiche Palermo Open jenes Jahres bestritt er mit seinem Team La Dolfina ausschliesslich mit Cuartetera-Klonen. La Dolfina gewann, Cuartetera Nummer 6 wurde zum besten Pferd des Turniers gewählt, und Cambiaso schwärmte von seinen Klonen: «Das Temperament, ihre Reaktionen, einfach alles. Es ist beeindruckend, wie ähnlich sie dem Original sind.»

Erstellt: 19.08.2019, 16:38 Uhr

Das ist Polo

Was heute als «Sport der Könige» bezeichnet wird, hat seinen Ursprung bei der einfachen Bevölkerung im Mittleren Osten, im Iran vor allem. Über die Jahrhunderte hat er sich in Asien ausgebreitet und kam über Indien nach Grossbritannien. Britische Soldaten brachten den Sport um 1870 nach Argentinien, wo es viel Platz, gute Reiter und wendige Pferde gab.

Das Land ist heute klar führende Nation; in den Top 20 der Welt befinden sich 18 Argentinier, ein in Argentinier wohnhafter Uruguayer sowie mit Pablo Pieres ein für die USA startender Argentinier. Sein Onkel, Gonzalo Pieres senior, sagte der «Frankfurter Allgemeinen» zur Frage, ob Olympia ein Ziel sei für das Polo: «Argentinien ist so viel besser als der Rest der Welt, das würde momentan überhaupt keinen Sinn machen.»

Polo wird auf einer 300x200 Yards (274x183 m) grossen Rasenfläche mit je vier Reitern gespielt. Eine Partie ist unterteilt in vier bis acht Spielabschnitte (Chukkas) über je maximal 7,5 Minuten. Der Schläger, 120 bis 135 cm lang, muss mit der rechten Hand geführt werden. Ziel ist es, den Ball ins 7,2 m breite Tor zu schiessen. (wie)

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