Der Rekord der «alten Säcke»

Die schnellsten Läufer der Welt, sie sind 85, 85, 87 - und der «Chef im Ring» gar schon 89.

Die alten Säcke haben sich gefunden und wollen Weltrekord laufen. (Bild: Julia Sellmann/Die Zeit/laif)

Die alten Säcke haben sich gefunden und wollen Weltrekord laufen. (Bild: Julia Sellmann/Die Zeit/laif)

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Edi schmerzt die Achilles­sehne, er schluckt oft Tabletten. Ein Läufer ist er eigentlich nicht, er spielte Fussball, Eishockey, er fährt noch Ski. Fred hat eine rechte Hand, die steif ist, er hatte kürzlich eine Thrombose und eine Lungenembolie. Armin ist ein Läufer, seit seiner Jugend, er rennt nur über lange Strecken. Herbert sieht auf einem Auge nicht mehr viel, erst spät hat er entdeckt, dass ihm das Laufen so viel Spass macht. Edi ist 87, Fred 85, Armin auch 85, Herbert ist der Älteste, Jahrgang 1929, sie nennen ihn den «Chef im Ring».

Die Namen auf den Sportseiten zurzeit sind Kambundji (und ihr grosser Lauf), Lewandowski (der Tor um Tor schiesst), Shaqiri (und das Theater um ihn). Aber die schönste Geschichte im Sport in diesen Tagen stand in der «Zeit», es ist eine lange Geschichte über «alte Säcke» wie sie sich selber nennen, die sich gefunden und ein Ziel haben: Weltrekord zu laufen, in der Staffel über 4-mal 400 Meter, in der Kategorie M85, die Läufer müssen zwischen 85 und 90 sein, wie Edi, Fred, Armin und Herbert.

Herbert, der Älteste, hat die schnellsten Beine, fast federnd sei sein Gang, fit sei er und stets fröhlich, und in Deutschland hat er fast keine Gegner. Er läuft 100, 200, 400, 800, 1500 Meter, und manchmal mache sich seine Frau Sorgen um ihren Herbert. Aber diesen Weltrekord, den vier Chinesen halten, will er. Fred, sein Kollege, Trainingspartner und auch Konkurrent, war sofort dabei, für die anderen beiden Plätze suchte Herbert im Internet nach alten, sehr alten Männern. Er kontaktierte Armin und Edi, er musste sie nicht gross überzeugen, der Anreiz ist zu gross.

Das Rennen findet in der Nähe von Venedig statt, es sind die Europameisterschaften der Senioren. Edi macht den Start, nach wenigen Metern humpelt er, die Wade schmerzt, er übergibt mit Rückstand auf die von Herbert errechneten Zwischenzeiten, die er auf seiner Hand notiert hat. 2:12 brauchte er für die Runde. Herbert aber, der Chef, ist schnell. Armin, der erstmals über 400 m läuft und noch nie einen Stab in der Hand hielt, übergibt an den Schlussläufer Fred. «Andiamo» schreit der Speaker. «Un grande applauso», Fred leidet, wird langsamer – aber im Ziel zeigt die Uhr: 7 Minuten 23 Sekunden, Weltrekord! 27 Sekunden schneller als die Chinesen.

Kambundji, Lewandowski, Shaqiri? Fred, Armin, Herbert und Edi!

Erstellt: 08.10.2019, 10:16 Uhr

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