Unihockey

Erfahren, fit, Aussenseiterinnen

Am Samstag beginnt für das Schweizer Nationalteam der Unihockeyanerinnen das Abenteuer Heim-WM. Drei Vertreterinnen der Red Ants gehen in der Romandie auf Medaillenjagd.

Primarlehrerin Margrit Scheidegger (links) hat eine spezielle Aufgabe gefasst.

Primarlehrerin Margrit Scheidegger (links) hat eine spezielle Aufgabe gefasst. Bild: Pavel Ruzicka

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Vor der letzten Heim-WM 2011 in St. Gallen wurde im Umfeld des Schweizer Frauen-Nationalteams laut vom Weltmeistertitel geträumt. Der so geschürte Erwartungsdruck entpuppte sich als hemmend und die Schweiz stand nach dem verlorenen Bronzespiel gegen Tschechien frustriert mit leeren Händen da.

Diesen Samstag steigt die Nati gegen Deutschland unter anderen Vorzeichen in die Heim-WM in Neuenburg. Von Gold spricht niemand – auf den Final wird leise gehofft. Seit der letzten WM in Bratislava bestritt die Truppe des Winterthurers Rolf Kern 13 Testspiele, nur eines davon – gegen die Slowakei – wurde nach regulärer Spielzeit gewonnen. Während es gegen Tschechien in fünf Begegnungen immerhin zwei Siege nach Penaltyschiessen zu verzeichnen gab, setzte es gegen Schweden die «üblichen» Niederlagen ab – der einzige Sieg über den achtfachen Weltmeister liegt bald 15 Jahre zurück.

«Die Extra-Meter werden sich auszahlen»Alexandra Frick

Finnland wurde in den letzten zwei Jahren in vier Duellen immerhin einmal ins Penaltyschiessen gezwungen. «Die Resultate sehen nicht gut aus», ist sich Red-Ants-Stürmerin Margrit Scheidegger bewusst, «aber wir haben seit der letzten WM trotzdem Fortschritte erzielt. Vor allem im Spiel mit Ball sind wir so gut wie noch nie.»

Total 1255 Länderspiele

Bei der Generalprobe anlässlich der Länderspiele in Prag im Oktober zeigten die Schweizerinnen tatsächlich auch starke Phasen. Zudem können sie viel Routine in die Waagschale werfen – mit total 1255 Länderspielen stellen sie das mit Abstand erfahrenste Team der Geschichte. Finnland etwa, am Sonntag der zweite Gruppengegner, hat weniger als halb so viele Länderspiele aufzuweisen. Mit einem Sieg in dieser Partie könnte wahrscheinlich ein Halbfinalduell mit Schweden vermieden werden. Das dritte Gruppenspiel gegen Polen muss – wie Deutschland zum Auftakt und der Viertelfinal – eine reine Formsache sein. Zu klar liegen die vier Top-Nationen vor dem Rest der Welt.

In den letzten Monaten traf sich das Nationalteam einmal wöchentlich in Winterthur zur «Sommer-Challenge» und feilte dort auch an der Physis. «Diese harten Trainings und Extra-Meter werden sich auszahlen», ist Alexandra Frick überzeugt. Die 29-Jährige kommt in Neuenburg zu ihrer dritten WM und belohnt sich damit für den persönlichen Aufwand – sie wechselte bei den Red Ants auf die Verteidiger-Position, um ihre Chancen in der Nati zu verbessern. «Ich war erst sicher, dass es mit der WM-Teilnahme klappt, als das definitive Aufgebot bekanntgegeben wurde», so Frick.

Scheideggers besondere Herausforderung

Für Teamkollegin Géraldine Rossier (31) wird Neuenburg der zweite Auftritt auf dem WM-Parkett sein. Die Bündnerin in Diensten der Red Ants versprüht Zuversicht: «Die zuletzt erzielten Tore in der Meisterschaft taten dem Selbstvertrauen gut. Ich fühle mich fit und freue mich auf die WM.» Auch Scheidegger gibt an, in diesem Jahr so viel wie noch nie trainert und das Pensum weiter erhöht zu haben. «Wir wissen, dass wir viel investiert haben und physisch bereit sind. Das wird auch im mentalen Bereich helfen», sagt die Stürmerin, die mit ihrer Linie den Auftrag fassen wird, den stärksten Block des Gegners zu beschäftigen und mit Kontertoren zu ärgern. An ihrer vierten WM dürfte Scheidegger in der Romandie auch neben dem Platz spezielle Aufgaben wahrnehmen.

Als Primarlehrerin wurde sie vom Team als designerte Interview-Partnerin für die welschen Journalisten auserkoren. «Das wird eine Challenge», sagt die 29-Jährige lachend, «im Bereich Sport fehlt mir das spezifische Vokabular.» Wenn das letzte Interview mit einer Medaille um den Hals stattfindet, dürfte das allen Beteiligten egal sein.

Erstellt: 04.12.2019, 18:14 Uhr

Frauen-WM in Neuchâtel

Die Gruppen

Gruppe A: Schweiz, Finnland, Deutschland, Polen

Gruppe B: Schweden, Tschechien, Slowakei, Lettland

Gruppe C: Norwegen, Dänemark, Estland, Japan

Gruppe D: Australien, Singapur, USA, Thailand

Die Spiele der Schweiz

7.12.2019, 15.15 Uhr: Schweiz – Deutschland
8.12.2019, 13.30 Uhr: Finnland – Schweiz
10.12.2019, 19.30 Uhr: Polen – Schweiz
12.12.2019, 19.00 Uhr: Viertelfinal
14.12.2019, 17.45 Uhr: Halbfinal
15.12.2019, Bronzespiel oder Final

Als Haupthalle dient die Patinoire du Littoral mit einem Fassungsvermögen von 4000 Fans. Die Hockeyarena wird für die WM in eine Unihockey-Halle verwandelt. Die Sporthalle “La Riveraine” dient als Zweithalle und bietet 700 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz.

Das Schweizer Kader

Tor: Monika Schmid (29 Jahre, Jets, 5. WM), Lara Heini (25, Pixbo, 2. WM)

Verteidigung: Brigitte Mischler (27, Wizards, 4. WM), Tanja Stella (31, Jets, 6. WM), Nadia Reinhard (25, Skorpion Emmental, 2. WM), Flurina Marti (28, Piranha, 5. WM), Lisa Liechti (25, Skorpion Emmental, 2. WM), Chiara Gredig (23, Piranha, 1. WM)

Sturm: Mirjam Hintermann (29, Wizards, 1. WM), Julia Suter (29, Jets, 3. WM), Andrea Gämperli (24, Malmö, 2. WM), Michelle Wiki (30, Jets, 5. WM), Isabelle Gerig (21, Jets, 2. WM), Margrit Scheidegger (29, Red Ants, 4. WM), Alexandra Frick (29, Red Ants, 3. WM), Corin Rüttimann (27, Piranha, 6. WM), Seraina Ulber (29, Piranha, 5. WM), Nathalie Spichiger (24, Skorpion Emmental, 2. WM), Katrin Zwinggi (30, Piranha, 4. WM), Géraldine Rossier (31, Red Ants, 2. WM)

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