Im Sog des Champions

Wenn am Sonntag in Südkorea die Schwimm-WM beginnt, tritt mit Jérémy Desplanches erstmals ein Schweizer Europameister an. Und ein Team, das in den Staffeln glänzen will.

Erfolgreich im Fahrplan: Der Schweizer Trumpf Jérémy Desplanches. (Bild: Getty Images/Manuel Blondeau)

Erfolgreich im Fahrplan: Der Schweizer Trumpf Jérémy Desplanches. (Bild: Getty Images/Manuel Blondeau)

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Es hat sich in den letzten zwei Jahren einiges getan in der Schweizer Schwimm-Elite. Für Olympia 2016 qualifizierten sich acht, für die WM 2017 in ­Budapest gerade noch fünf Schwimmerinnen und Schwimmer. Ein kleines, versprengtes Grüppchen, das später mit Martina van Berkel auch noch die Routinierteste verlor – sie trat zurück. Doch ­Jérémy ­Desplanches, Maria Ugolkowa, Niels Liess und Yannick Käser sind zwei Jahre später und an der WM in Gwangju, die morgen Sonntag beginnt, nicht einfach die Verbliebenen. Sie bilden den Kern eines jungen Teams, das (scheinbar) in Kürze auf ein Dutzend Athletinnen und Athleten angewachsen ist. Eines, das mit einigen Premieren antritt.

Mit dem Genfer Desplanches, der seit mehr als fünf Jahren in Nizza bei Erfolgstrainer Fabrice Pellerin schwimmt, startet erstmals überhaupt ein Europameister aus der Schweiz. Obwohl er erst 24-jährig ist, sind es bereits seine dritten Weltmeisterschaften bei der Elite. Und Des­planches hat viel gelernt in den letzten Jahren. Das Wichtigste: Lass dich nicht beeindrucken und glaub immer an deine Chance. Bereits 2017 schaffte der ­Lagenspezialist den Sprung in den 200-m-Final, doch da verlor er den Fokus und wurde – für ihn enttäuschend – Achter. Solches passierte ihm im EM-Final ­letztes Jahr nicht mehr. Dort schwamm Desplanches zu Gold und sagte hernach, vor allem mental sei er bereit gewesen.

Nische für kleine Nationen

Desplanches ist einer, der sich seine Karriere mit dem Trainer ziemlich genau zurechtgelegt hat und auch ziemlich genau im Fahrplan liegt. Erst eine EM-Medaille, dann der WM-Final und nächstes Jahr die Krönung an den Olympischen Spielen in Tokio. Dann will er nicht nur in den Final, sondern mindestens auf Platz 5 schwimmen. Dass an der Spitze dann vieles passieren kann, hat er 2018 in Glasgow ­erlebt. Er ist als Sechster der Jahresweltbestenliste angereist, sein Ziel WM-Medaille erscheint so zumindest auf dem Papier einigermassen realistisch.

Desplanches ist der Trumpf von Swiss Swimming. Mit Antonio Djakovic nimmt aber auch erstmals ein 16-jähriger Schweizer an einer Elite-WM teil – und Trumpf ist im Zusammenhang mit ihm kein falsches Attribut. Denn der Ustermer startet mit dem Schwung des Goldgewinns an der Junioren-EM in Kasan. Er reiste direkt nach Fuji (JAP) ins Camp mit dem Team, dorthin, wo sich die Schweizer auch in einem Jahr vor Olympia vorbereiten werden.

Bis zu acht Schweizer Staffeln

Und erstmals versuchen die Schweizer auch die Nische für die kleineren Nationen besser zu nutzen: die Staffeln, und dies vor allem hinsichtlich Tokio 2020. Vor vier Jahren rutschte die 4-mal-100-m-Frauenstaffel per Ranglistenplatzierung nach und wurde letztlich 14. Für Tokio qualifizieren sich die schnellsten zwölf Teams direkt, weitere vier Plätze werden erneut gemäss Weltrangliste vergeben. In Gwangju versuchen sich deshalb bis zu acht Schweizer Staffeln an den Olympialimiten, Mixed inbegriffen.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei nicht nur Des­planches, sondern auch Maria Ugolkowa. Auch sie tritt dank ihrem letztjährigen EM-Bronzegewinn mit gestärktem Selbstvertrauen an, als Lagenspezialistin ist die 30-Jährige fast überall einsetzbar. Chancen auf einen direkten Qualifikationsplatz räumt Leistungssportchef Markus Buck seinen Schwim­merinnen am ehesten über 4-mal 100 m und den Männern über 4-mal 200 m zu.

Erstellt: 20.07.2019, 13:52 Uhr

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