Jungfrau-Marathon

Lauf ins unbeschreibliche Glück

Die Winterthurer Langstreckenläuferin Michela Segalada hat mit dem dritten Platz beim Jungfrau-Marathon ihren bis anhin grössten Erfolg errungen.

Blumen für die Siegerin: Die Zweite Michelle Maier, Martina Straehl und die Winterthurerin Michela Segalada als Dritte (v.l.).

Blumen für die Siegerin: Die Zweite Michelle Maier, Martina Straehl und die Winterthurerin Michela Segalada als Dritte (v.l.). Bild: Remy Steinegger

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Sie auf dem Podest, sie das «unbeschriebene Blatt», damit hatte sie nie geliebäugelt. Nie daran gedacht. Denn «ein Rang unter den besten Drei, das ist bei dieser Konkurrenz schlicht nicht möglich.» Nicht nur an Martina Strähl dachte sie, die ehemalige Berglauf-Weltmeisterin, die Schweizer Halbmarathon-Rekordhalterin und Marathon-EM-Siebte von diesem August. Auch auf prominente Spezialistinnen mit nachhaltigem Palmares aus dem In- und Ausland verwies sie. «Im Vergleich mit diesen Leuten bin ich ein Greenhorn», dachte Michela Segalada.Mag sein. Doch die 28-Jährige bewies auf den 42,195 km mit den 1839 Höhenmetern von Interlaken auf die Kleine Scheidegg, was in ihr steckt. Instinktiv klug lief sie. Zwar empfand sie den Rhythmus auf der ersten Streckenhälfte, dem flachen ersten Viertel und dem moderat ansteigenden Part bis Kilometer 25 als «horrend schnell“. Der Kontakt mit den direkten Konkurrentinnen – Strähl, die spätere Siegerin, war von Beginn an weggezogen – schätzte sie aber als zwingend ein.

Vom Publikum motiviert

Als richtig erwies sich die offensive Taktik. Als sie anfangs Steigung nach Wengen von ihrem dritten Zwischenrang erfuhr, beflügelte sie dies. Weitere Faktoren kamen hinzu, beispielsweise die «tobenden Zuschauer an den zahlreichen Publikumsmagneten» oder «die vielen Männer, die ich nun überholte». Oder «die Information über den Vorsprung auf die Nächstfolgende». Da sei gar nicht möglich, schoss ihr immer wieder durch den Kopf. Die Realität motivierte, beflügelte, sorgte für zusätzliche Energie.

Vollendet war «das Traumrennen» nach 3:33:11 Stunden. Verbunden damit: «der unbeschreiblich schöne dritte Rang». Alles ist aufgegangen, unendlich glücklich und dankbar schätzt sie sich. «Die Erfüllung eines Traums», nennt sie das Erlebte und Erreichte. Da spielten die Schmerzen in den Beinen, die Müdigkeit körperlich und mental, mit denen sie auf den letzten, anspruchsvollsten Kilometern zu kämpfen hatte, plötzlich keine Rolle mehr.

Dass sie in dieser Phase zuerst eine Position eingebüsst, später auf Kosten einer weiteren Konkurrentin wieder gutmachen konnte, trug zum Gefühlsstrudel bei. «Weiterkämpfen, Michela, und nie, nie, nie in den Wanderschritt wechseln», hatte sie sich ständig angetrieben. Und den ersten Lohn für die Anstrengung erhielt sie bereits auf den letzten Metern: einen unbeschreiblichen Empfang durch den Speaker und den begeisterten Applaus der vielen Zuschauer. «Einfach Wahnsinn», sagte sie und liess die Freudentränen weiterlaufen.

Überragende Bedeutung

In keinem Verhältnis sieht Michela Segalada diesen Jungfrau-Marathon-Sieg im Vergleich mit ihren vorherigen Erfolgen, etwa dem Sieg beim Glacier 3000 in Gstaad oder dem Eigertrail T51.mit Streckenrekord «Das waren Vorbereitungsrennen», sagt sie. Untermauert sieht sie den Wert durch die Prämie: 3000 Franken. «Eine unglaublicher Betrag», wie sie findet.

Und bestätigt erhalten hat die Aufsteigerin, dass «ein weiterer Schritt gelungen ist und die absolute Fokussierung sich ausgezahlt hat». Nun will sie ihre Fähigkeiten weiter gezielt schulen. Um auch international antreten zu können, ist sie, die Individualistin, der LV Winterthur beigetreten. Eine Lizenz hat sie gelöst. Immer wieder fragt sich die Autodidaktin aber auch: «Ist es wirklich möglich, dass ich noch besser werde?» In welche Richtung es gehen könnte, zeigte das Rennen von Martina Strähl auf: Über 18 Minuten war die Siegerin schneller. «Sie ist Weltklasse», sagt Michela Segalada. Auch da hat sie Recht. (Der Landbote)

Erstellt: 11.09.2018, 18:43 Uhr

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