Tour de Suisse

Profivertrag gerne – aber nicht um jeden Preis

Der Tösstaler Gian Friesecke hat an der Tour de Suisse die Gelegenheit, sich auf höchster Stufe zu präsentieren. Er könnte sogar mit einem Profivertrag liebäugeln. Doch will er dies überhaupt?

Mit seiner Grösse erinnert Gian Friesecke an den Holländer Tom Dumoulin oder den Ostschweizer Alex Zülle.

Mit seiner Grösse erinnert Gian Friesecke an den Holländer Tom Dumoulin oder den Ostschweizer Alex Zülle. Bild: Ronan Merot

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Dank einer Regeländerung des Rad-Weltverbandes UCI wird an der Tour de Suisse, die am Samstag beginnt, eine Auswahl des Schweizer Nationalteams an den Start gehen. Für diverse Athleten bietet sich auf World-Tour-Stufe die Gelegenheit, auf höchstem Niveau Erfahrungen zu sammeln und sich zu messen. «Es ist ein Sprungbrett für einen Profivertrag», sagt denn auch Marcello Albasini. «Die Tour de Suisse ist das perfekte Schaufenster. Es gilt, diese Chance zu nutzen», so der Sportliche Leiter des Swiss Cycling Teams.

«Ich will meinen Körper spüren, und wenn ich krank bin, dann verzichte ich auf Training und Wettkämpfe.»Gian Friesecke

Eines der vielversprechenden Schweizer Talente ist Gian Friesecke aus Schalchen (Gemeinde Wildberg). Der 24-Jährige von der Swiss Racing Academy will an der Schweizer Landesrundfahrt offensiv fahren und hofft, das eine oder andere Mal mit einer Spitzengruppe mitzugehen und etwas bewegen zu können.

Friesecke ist weniger der Mann für das Gesamtklassement, er hofft als starker Finisseur auf vereinzelte Topresultate. Er liebt harte (Ausscheidungs-)Rennen, auch Regen macht ihm nichts aus. Da er auch gerne und regelmässig Mountainbike fährt, ist er auch bei technisch schwierigen Abfahrten auf der Höhe. Mit seiner Grösse von 190 cm und 74 kg erinnert er an den Holländer Tom Dumoulin oder den Ostschweizer Alex Zülle, der die TdS 2002 gewann. Frieseckes bisher wertvollstes Ergebnis ist der 3. Platz an der gut besetzten Tour de Vendée im vergangenen Jahr.

«Es ist nicht alles im Leben»

Während die meisten Rennradfahrer von einem Profivertrag träumen, sieht es Friesecke etwas gelassener. «Ich fahre nicht, um einen Profivertrag zu erhalten. Es wäre natürlich schön, aber nicht das höchste Ziel.» Man müsse realistisch sein. «Nur wenige verdienen viel Geld damit, es ist nicht alles im Leben.» Es sei eine komische Welt im Radsport, es werde viel versprochen und wenig gehalten. «Da verzichte ich lieber auf Geld und habe dafür Spass am Sport.» Sein Ziel sei es, mit Freude an der Sache dabei zu sein und «immer alles zu geben». Es gebe aber auch Grenzen. So verzichtet Friesecke weitestgehend auf Medikamente, auch auf solche, die erlaubt wären, wie zum Beispiel Asthmaspray. «Ich will meinen Körper spüren, und wenn ich krank bin, dann verzichte ich auf Training und Wettkämpfe.» Den absoluten finanziellen Druck hat Friesecke nicht, wohnt er doch günstig auf dem Bauernhof der Eltern und arbeitet zumindest temporär als Systemtechniker bei der Software-Firma HR Campus in Dübendorf.

Riecher für Spitzengruppen

Über den früheren Nationaltrainer Danilo Hondo, der nach seiner Doping-Beichte entlassen wurde, sagt Friesecke: «Schade, ein guter Typ, aber diese Vergangenheit ist unentschuldbar.» Mit dem sportlichen Leiter Marcello Albasini verbindet ihn einiges. Sie waren im Vorjahr noch im österreichischen Team Vorarlberg. Mit dabei war auch Lukas Rüegg aus Madetswil, ein langjähriger Weggefährte Frieseckes. Alle drei wechselten auf diese Saison in die neu gegründete Swiss Racing Academy.

Albasini traut Friesecke an der Tour de Suisse einiges zu. «Er soll sich offensiv zeigen. Was dabei herauskommt, weiss man zwar nie, doch wenn es einmal klappt mit einer Fluchtgruppe, ist alles möglich.» Die Schweizer Rundfahrt soll für das Nationalteam kein Schaulaufen sein, erwartet werden gute Resultate.

Auch Mathias Reutimann, Teamkollege bei der Swiss Racing Academy, traut Friesecke ein Topresultat zu. «Er hat einen guten Riecher für Spitzengruppen», sagt der Wiesendanger (Gündlikon). Auch menschlich sei Friesecke «ein cooler Typ», der im Team ein Bindeglied sei und die anderen gut motivieren könne.

Zu Beginn oft abgehängt

Aufgewachsen im elterlichen Bauernhof mit drei jüngeren Geschwistern, kam Gian Friesecke verhältnismässig spät zum Radfahren. Reiten, Tennis, Mountainbike und Snowboard waren und sind zum Teil noch seine Hobbys. Durch den langen Schulweg (Wila, später Winterthur), den er stets mit dem Velo zurücklegte, hatte er schon seit Kindheit eine gute Ausdauer. Sein Götti nahm ihn regelmässig mit auf Touren.

Später schloss er sich dem VC Hittnau an. Die Erinnerungen an seine ersten Rennen sind jedoch nicht die besten: «Bei den U-17 wurde ich meist abgehängt.» Dennoch fand er immer mehr Spass an der Sache. Heute sagt er: «Der VC Hittnau war ein Glücksfall.» Damit meint er auch die Verbindung zu Kurt Bürgi, der noch heute sein Trainer ist. Er sieht viele Parallelen zwischen Bürgi und Albasini. Beide seien fordernd, aber offen und ehrlich. Wichtig ist ihm auch die Freundschaft mit Lukas Rüegg, mit dem er schon so oft trainiert hat und Rennen gefahren ist. ()

Erstellt: 13.06.2019, 18:12 Uhr

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