Russland gibt erstmals Doping-Manipulation zu

In einem Brief an die Welt-Anti-Doping-Agentur hat die russische Regierung systematisches Doping eingestanden.

späte Einsicht: Der russische Sportminister Pawel Kolobkow während des Wada-Symposiums in Lausanne. (13. März 2017)

späte Einsicht: Der russische Sportminister Pawel Kolobkow während des Wada-Symposiums in Lausanne. (13. März 2017) Bild: Valentin Flauraud/Keystone

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In dem vom russischen Sportminister Pawel Kolobkow (48), dem sechsfachen Degen-Weltmeister und Einzel-Olympiasieger von 2000, sowie dem Chef des nationalen Olympischen und Paralympischen Komitees unterzeichneten Schreiben ist von «inakzeptablen Manipulationen im Anti-Doping-System» die Rede.

Wada-Chef Craig Reedie hatte diesen Brief bei der Wada-Versammlung in Montreal in der vergangenen Woche als den «ermutigendsten, den wie je erhielten» erwähnt. Russland will die Aufhebung der Sperre seiner nationalen Anti-Doping-Agentur (Rusada) durch die Wada erreichen.

Ein Schritt vorwärts

«Die schwere Krise, die den russischen Sport betrifft, wurde durch inakzeptable Manipulationen durch das russische Anti-Doping-System verursacht und durch die Untersuchungen unter Führung der Wada aufgedeckt», schrieben die höchsten Sportpolitiker Russlands in dem der französischen Sportzeitung «L'Equipe» vorliegenden Brief.

Sie betonen aber auch, dass die Russen mit den Ergebnissen des von der Wada in Auftrag gegebenen McLaren-Berichts nicht einverstanden seien. Der Bericht des gleichnamigen Chefermittlers Richard McLaren dokumentiert das staatliche orchestrierte Doping in Russland. «Darin sind unbewiesene Schlussfolgerungen enthalten», moniert Kolobkow. Diese könnten ausschliesslich durch ein Gericht und nach einer erschöpfenden Untersuchung bewiesen werden. Er verwies darauf, dass auch die russische Ermittlungsbehörde die Fälle untersuchten. Sollten Schuldige identifiziert werden, würden sie bestraft werden, so Kolobkow.

Mit dem Eingeständnis wurde ein wichtiger, von der Wada-Führung geforderter Punkt für eine Wiederanerkennung der Rusada erfüllt. Ein weiterer ist die Erlaubnis, dem Wada-Personal Zutritt ins Anti-Doping-Labor in Moskau zu gewähren, in dem u. a. im Zuge der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi in grossem Stil manipuliert worden war. Die Wada-Führung wird die neue Entwicklung am 14. Juni diskutieren. (fal/sda)

Erstellt: 25.05.2018, 16:24 Uhr

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