Football

«Alles für den Traum vom College»

In Winterthur trafen sich knapp 50 junge Footballer aus ganz Europa mit demselben Traum: ein Platz in einem US-College-Team.

Schwitzen auf dem Deutweg an der ersten Combine in Europa.

Schwitzen auf dem Deutweg an der ersten Combine in Europa. Bild: Heinz Diener

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Die Ansagen von Coach Brandon Collier waren klar. «Wir haben Kontakte zum amerikanischen College und ihr habt das Potenzial dazu», sagte der ehemalige College-Spieler vor dem Start der Leistungstest zu den jungen Athleten und ergänzte: «Aber ihr müsst hart arbeiten.» Die rund 50 Athleten arbeiteten dann auch hart an diesem Nachmittag auf dem Deutweg. Sie absolvierten 40-Yard-Läufe, Schnelligkeits- und Sprungtests und mussten im Eins-gegen-eins gegeneinander antreten. Zum ersten Mal wurde eine solche Combine, wie sie in Amerika genannt wird, in Europa durchgeführt. Dabei wurden die gleichen Tests gemacht wie in den Staaten.

Federführend bei der Gründung der Organisation «Europe’s Elite» ist der Coach der Winterthur Warriors, Evan Harrington. Er hat das Testing auch nach Winterthur gebracht. Das Ziel der Organisation ist es, den talentierten europäischen Spielern eine Chance zu geben, ins US-College zu kommen. «Den meisten fehlen die Kontakte, das Potenzial ist unbestritten vorhanden», sagte Harrington.

Der Belgier Tibo Debaillie hat es bereits geschafft. Er ist mit dem Support von «Europe’s Elite» bei einem First-Division-College-Team untergekommen. «Die Frage ist: Wer ist der Nächste?», sagte Harrington. Die Combine in Winterthur ist dabei aber nur der erste Schritt. Wer Topleistungen bringt, darf sich Hoffnungen machen, an eine Combine in Amerika eingeladen zu werden.

«It’s all about the money»

Der Runningback-Coach Darius Willis erklärt, dass das System in Amerika komplett anders sei als in der Schweiz. «In der Schweiz sind Schule, Ausbildung und Arbeit das Wichtigste, Sport hat keinen Platz, es dreht sich alles nur ums Geld», so Willis. In Amerika liefen Ausbildung und Sport parallel, im College müsse man im Sport und in der Schule Leistung liefern. «Die Spieler, die hier sind, müssen das lernen», so der ehemalige NFL-Runningback.

Dass in dieser typisch amerikanischen Sportart in Europa Potenzial brachliegt, überrascht nicht. Noch sind wenige europäische Spieler in den amerikanischen Colleges oder in der National Football League (NFL) engagiert, aber der Sport entwickelt sich in Europa rasant. Willis ist sich sicher, dass es viele talentierte Spieler in Europa gibt.

Einer von ihnen ist der Serbe Stefan Majstorovic. Er hat bereits letztes Jahr in den USA Football gespielt. «Aber nur an der Highschool», relativiert der 18-Jährige. Er habe zwar Angebote von verschiedenen Colleges, aber nur aus unteren Ligen. «Mein Ziel ist es, bei einem First-Division-Team unterzukommen.» Andere Pläne hat sein kroatischer Kollege. «Ich will mich den europäischen Teams präsentieren, in Kroatien gibt es nur vier Teams», sagte er, bevor er zum nächsten 40-Yard-Sprint ansetzte. Viele Schweizer nutzen diese Gelegenheit hingegen für eine Trainingseinheit unter professioneller Leitung und zur Standortbestimmung.

Spieler aus sechs Ländern

Matthias Palko setzte sich mit zwei seiner Teamkollegen früh am Morgen in München ins Auto und fuhr für das Training fünf Stunden nach Winterthur. «Wir sind 21, für uns ist es die allerletzte Chance, aufs College zu kommen», sagte Palko. Der Slowake Lukáš Kreškóci hingegen reiste bereits am Samstag nach Zürich, um einen Tag später in Winterthur topfit zu sein. «Solche Chancen kriegt man nicht viele», sagt der Runningback aus Nitra.

Der 19-jährige Eric-Junior Hiernaux kam mit seinem 15-jährigen Bruder aus Belgien. «Ich will mich in erster Linie verbessern und dazulernen. Nächstes Jahr ans College zu gehen, wäre aber schon ein Traum.» Der Traum vom College hat auch der Teamkollege von Palko. Alles würde er dafür tun. «Verletzungen sehe ich als Herausforderungen», sagte der 19-Jährige. Auch Hirnerschütterungen habe er schon gehabt, die Spätfolgen seien ihm bekannt, aber der Traum vom College ist stärker.

Erstellt: 12.09.2016, 20:36 Uhr

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