BMX

Bereit für den grossen Wurf

Der Winterthurer BMX-Fahrer David Graf zählt an EM und WM zu den ersten Anwärtern auf eine Medaille.

David Graf ist die Nummer 4
der Weltrangliste.

David Graf ist die Nummer 4 der Weltrangliste. Bild: Heinz Diener

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Der Juli ist der Monat der wichtigsten Rennen. Diesen Samstag steigt in Lettland die EM, zwei Wochen später folgt in Belgien die WM. Für David Graf ist klar: «Eine Medaille ist das Ziel.» Das gilt für beide Anlässe.

Der Winterthurer ist einer aus dem engeren Favoritenkreis. Die Form stimmt seit langem. Als derzeitige Nummer 4 der Weltrangliste hat er sich in der internationalen Spitze etabliert, in den letzten sieben Weltcuprennen stand er stets im Final. Der 3. Platz am 9. Juni in Frankreich war seine beste Ausbeute.

«Dieser Holländer»

Noch fehlt ihm der ganz grosse Wurf, der vielleicht aber nur eine Frage der Zeit ist. Denn das Potenzial hat er. «Dazu müsste ich endlich mal diesen Holländer schlagen», lächelt Graf. «Ich hoffe, dass das an der EM, spätestens aber an der WM klappt.» Niek Kimmann, «dieser Holländer», der Sieger der vergangenen vier Weltcuprennen, hatte sich zuletzt in Finals in der wegweisenden ersten Kurve jeweils gegen Graf durchgesetzt, worauf der Winterthurer im Feld zurück fiel. Die EM-Bahn in Valmiera ist eher auf Kimmann zugeschnitten, die WM-Piste in Zolder mit der kürzeren ersten Geraden kommt tendenziell Graf entgegen. 2015 hatte er in Belgien WM-Bronze erobert.

Holländer, die Franzosen, von denen sich drei in den Top 6 der Weltrangliste befinden, und Briten werden Graf die Spitzenplätze streitig machen. «Es hat einige, die schnell sind», bemerkt der 29-Jährige. Eine Europameisterschaft ist annähernd gleich stark besetzt wie ein Weltcup oder eine WM, an der vor allem mit den US-Bikern zu rechnen ist.

Punkte für Tokio

An den beiden Titelkämpfen werden neben Medaillen auch Punkte fürs Olympia-Ranking vergeben, EM und WM werden für diese Wertung höher gewichtet als Weltcuprennen. Momentan liegt die Schweiz hinter Frankreich, Holland und den USA auf dem 4. Platz, die Top-5-Nationen dürfen an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zwei Piloten stellen. Bisher war die Schweiz nur mit einem Fahrer vertreten gewesen, immer mit Winterthurern: 2008 und 2012 mit Roger Rinderknecht, 2016 mit Graf.

Im Olympia-Ranking könnten Kolumbien (momentan Platz 5) und Australien (6) demnächst Boden gutmachen, da sie in ihren eigenen kontinentalen Titelkämpfen leichter Punkte sammeln dürften als die Schweiz an einer EM.

Am Mittwoch reist das Schweizer BMX-Team nach Valmiera, am Donnerstag und Freitag sind Trainings angesetzt, am Samstag fällt die EM-Entscheidung. Vor zehn Jahren, als Junior, sei er schon dort gewesen, erinnert sich Graf. Jetzt stehe «eine komplett neue Bahn», auf der bisher fast ausschliesslich Letten gefahren seien. Benannt wurde die Anlage nach Maris Strombergs, dem Letten, der 2008 in Peking als erster BMX-Olympiasieger in die Geschichte eingegangen war und 2012 in London nachgedoppelt hatte.

Marquarts Comeback

Mit Graf bilden Routinier Renaud Blanc sowie Simon Marquart und Cédric Butti, zwei Clubkollegen von Powerbike Winterthur, das Schweizer Elite-Quartett für EM und WM. Für Butti und Blanc endete am Wochenende die Hauptprobe an der SM in Weinfelden, die Graf gewann, mit einem Sturz. Marquart liess jenes Rennen aus. Der 22-jährige Mönchaltorfer, der nach einem Abstecher nach Winterthur seit April in Aigle wohnt und trainiert, wird sein Comeback an der EM in Lettland geben. Am 10. Mai vor dem Weltcup in Holland hatte er sich im Training am Knie einen Riss der Gelenkkapsel und eine Zerrung des hinteren Kreuzbandes zugezogen. Inzwischen ist Marquart, der 2018 in Glasgow mit dem 4. EM-Rang überrascht hatte, wieder so weit, dass er sich einen Renneinsatz zutraut: «Die Trainingsleistungen stimmten», erklärt er.

In Aigle wird er in jedem Training von Fahrern aus Japan, Südafrika, Thailand, Belgien, Dänemark oder England gefordert. «In unserer Gruppe können wir Rennen simulieren. Dadurch sind die Trainings sehr intensiv und auf einem hohen Niveau», beschreibt Marquart. «Mal schauen, wo ich momentan stehe», blickt er auf die EM. Die Schweizer brauchen fürs Olympia-Ranking einen zweiten Fahrer neben Graf, der fähig ist, vorne mitzuhalten. Zuletzt besass Marquart diese Rolle.

Erstellt: 09.07.2019, 18:07 Uhr

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