Behindertensport

«Der Weltrekord beflügelt, ist aber auch zwiespältig»

Die unterschenkelamputierte Winterthurerin Abassia Rahmani hat bei den ParAthletics in Nottwil in 13,79 Sekunden einen Weltrekord über 100 m gelaufen.

Abassia Rahmani schenkt der 100-m-Distanz Priorität.

Abassia Rahmani schenkt der 100-m-Distanz Priorität. Bild: Keystone

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Abassia Rahmani, Sie sind mit einer Zeit von 13,79 Sekunden bei den ParAthletics in Nottwil einen Weltrekord für beidbeinig amputierte Athletinnen gelaufen. Ihre Gefühle?

Ein cooles Gefühl. Ich, Weltrekordhalterin. Das tönt grossartig. Der Rekord ist die Bestätigung, dass sich das Risiko gelohnt hat: mit nach Winterthur ziehen, Job aufgeben, auf den Sport setzen. Dieser Rekord beflügelt. Doch es schwingt auch Zwiespältiges mit.

Wie kommt denn das?

Ich bin letztes Jahr dreimal schneller gelaufen, allerdings an inoffiziellen Wettkämpfen in der Schweiz. Offizielle Weltrekorde zählen nur, wenn die internationalen Vorgaben erfüllt sind: also Zielfoto, Grössenüberprüfung, Dopingkontrolle. Zudem sind auf letztes Jahr hin die Höchstlängen der Prothesen gekürzt worden. Der Hintergrund ist simpel: Je länger diese sind, desto weniger Schritte müssen gelaufen werden. Ich zum Beispiel darf höchstens 170,5 cm gross sein. Früher galten weniger strenge Regeln, die Sprintprothesen waren länger und die Weltrekorde tiefer.

Auch Sie waren früher schon schneller?

Nein, ich war früher, mit den längeren Sprintprothesen, nicht schneller. Ich konnte als weltweit einzige Athletin die Differenz durch intensives Training wettmachen. Im Weltrekord widerspiegelt sich das.

Im Vergleich zum Saisonstart eine Woche zuvor steigerten Sie sich um gut sieben Zehntel. Was gelang besser?

Die Bedingungen differierten und der Start und die ersten Schritte waren deutlich besser.

Ein nahezu optimaler Lauf?

Nein. Ich bin fest davon überzeugt: Es ist noch mehr möglich Die Beschleunigungsphase war nicht perfekt. Da muss ich den Bodenkontakt direkter suchen und nachher stabiler werden mit dem Oberkörper.

Sie tönen recht distanziert. Nicht überrascht von diesem Rekord?

Nein, ich wusste, wir haben gut trainiert, diese Zeit habe ich in den Beinen. Das Glück aber ist dennoch riesig.

In welche zeitlichen Regionen wollen Sie vorstossen?

Eine schwierige Frage. Vor schwebt mir eine Zeit unter 13 Sekunden. Aber da denke ich langfristig, im Hinblick auf die Paralympics in Tokio im Herbst 2020. Welche Zwischenschritte bis dorthin dazukommen, lasse ich offen. Wir arbeiten hart weiter.

Sie sind 200-m-Europameisterin. Welcher Distanz schenken Sie Priorität?

Den 100 m. Die 200 m sind nicht mehr paralympisch und figurieren auch nicht im WM-Programm.

Sehen Sie sich nun als Goldanwärterin auf internationalem Level?

Das ist noch nicht realistisch. An der WM und den Paralympics laufe ich im 100m gegen Konkurrentinnen der anderen Kategorie, jene mit nur einer Prothese. Die Medaillen werden mit Zeiten unter 13 Sekunden realistisch. In diese Richtung arbeite ich mit meinem Trainer Georg Pfarrwaller.

Erstellt: 28.05.2019, 18:55 Uhr

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