Unihockey

Ein gewagtes Experiment

Nach einer radikalen Verjüngungskur steigen die Red Ants am kommenden Samstag mit dem unerfahrensten Kader ihrer Geschichte in die neue Saison. Der totale Umbruch im Sommer sorgt für viele offene Fragen.

Alexandra Fricks Führungsqualitäten werden für die Red Ants diese Saison besonders wertvoll sein.

Alexandra Fricks Führungsqualitäten werden für die Red Ants diese Saison besonders wertvoll sein. Bild: Damian Keller

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Aus dem Kader der letzten Saison sind nur noch drei Routiniers dabei – die Verteidigerinnen Marjut Mäkelä (31) und Jael Koller (29) sowie Stürmerin Alexandra Frick (28). Ohne dieses Trio stellen die Winterthurerinnen praktisch ein U21-Team, sind doch acht Spielerinnen 21 Jahre jung oder noch jünger. Zwischen diesen beiden Gruppierungen gibt es nicht viel – ganze 13 Feldspielerinnen stehen im offiziellen NLA-Kader, darunter lediglich sechs gelernte Stürmerinnen. Als Ergänzung sollen verschiedene Juniorinnen des U21-Teams zum Einsatz gelangen. Welche das am Wochenende im ersten Heimspiel gegen die Wizards Bern Burgdorf betreffen wird, mag Cheftrainer Lukas Eggli nicht verraten. Auch nicht, welche Verteidigerinnen allenfalls in der Offensive auflaufen werden. Sicher ist nur: Die Finnin Mäkelä, die auf der Centerposition spielen könnte, fällt derzeit mit einem gebrochenen Handgelenk aus. Erkenntnisse aus Testspielen gegen die Liga-Konkurrenz fehlen gänzlich, da ausschliesslich Trainingspartien gegen (männliche) Juniorenteams ausgetragen wurden, um bezüglich Tempo zuzulegen. Die Red Ants starten quasi im Blindflug in die Saison.

Kein Gütesiegel mehr

Die beiden ersten Blöcke, die im Frühling Meister Piranha im Playoff-Halbfinal zu fordern vermochten, sind beinahe komplett abhanden gekommen. Die Internationalen Scheidegger und Rossier zogen zu Piranha Chur, Bühler, Bengtsson und Torhüterin Fauser zu den Kloten-Dietlikon Jets, Cattaneo zurück zu den Wizards, Chalverat und Dahlin traten zurück. Auch die zweite Garde lichtete sich nach den Abgängen des Duos Bösch und Riner (Zug) und weiterer Ergänzungsspielerinnen.

An externen Zuzügen vermeldeten die Red Ants lediglich Torhüterin Livia Angehrn von Absteiger Waldkirch-St. Gallen und die U-19-Internationale Luzia Kessler (von Zug). Nach monatelangem Hin und Her zerschlug sich der Transfer der finnischen Stürmerin Juuli Hakkarainen, die in ihrer Heimat bleibt. Auch andere Gespräche verliefen im Sand – der Name Red Ants, früher ein Gütesiegel mit Ausstrahlkraft für nationale und internationale Topspielerinnen, hat seine Wirkung verloren.

«Wir wollen wieder ein Team, in dem Winterthur drin ist und nicht nur drauf steht.»Lukas Eggli,
Cheftrainer Red Ants

Lukas Eggli betont dennoch den positiven Aspekt. «Wir wollen wieder ein Team, in dem Winterthur drin ist und nicht nur drauf steht. Langfristig werden wir davon profitieren», sagt er. Fakt ist, dass mit den vermeintlich grossen Namen in den letzten drei Saisons, die unter dem Motto «zurück an die Spitze» standen, in der Qualifikation die bescheidenen Ränge 6 bis 4 erreicht wurden. Eine stärkere Orientierung am eigenen Nachwuchs ist ein begrüssenswerter Schritt. Die aktuelle Radikalkur birgt aber beträchtliche Gefahren – Experten zweifeln gar an der Playoff-Qualifikation.

Eine neue Kultur

«Wir haben einen steinigen und harzigen Weg vor uns. Wir werden viel Lehrgeld bezahlen müssen», gibt Eggli zu. Persönlich sehe er die Arbeit mit dem jungen und unverbrauchten Team aber als spannende Herausforderung. Das darf als Hinweis auf die abgewanderte ältere Generation verstanden werden, die schon von Egglis Vorgängern nicht immer leicht zu führen war.

Hinter den Routiniers sollen nun Nicole Mattle (20), Annika Dierks (21) oder Jasmin Krähenbühl (20) viel mehr Verantwortung tragen. Von einer neuen Kultur im Team spricht auch Sportchefin Irène Tschümperlin und lobt die Nachwuchsspielerinnen des U21-Coaches Stephan Mock. Es bleibt trotzdem die Frage, wer die Tore schiessen soll, um von den Abstiegsrängen fern zu bleiben. Eine komplett neue Situation für den Rekordmeister. (Der Landbote)

Erstellt: 12.09.2018, 19:08 Uhr

Red Ants 2018/19

Tor: Nummer 68 Livia Angehrn (Jg. 1995/neu von Waldirch-St. Gallen), 71 Nicol Heer (96).

Verteidigung: 16 Jasmin Krähenbühl (97). 17 Jael Koller (89). 21 Julia Dos Santos (96). 23 Selina Tanner (97). 26 Tabitha Koller (97). 28 Luzia Kessler (99/Zug United). 48 Marjut Mäkelä (87).

Sturm: 5 Stefanie Meister (96). 7 Melea Brunner (00/Nachwuchs). 9 Annika Dierks (97). 15 Nicole Mattle (98). 20 Alexandra Frick (90). 29 Sarina Merz (99).

Trainer: Lukas Eggli.

Abgänge: Géraldine Rossier , Margrit Scheidegger (beide Piranha Chur), Ellenor Bengtsson, Tanja Bühler , Martina Fauser (alle Kloten-Dietlikon Jets), Nadia Cattaneo (Wizards), Sabrina Bösch , Fabienne Riner (beide Zug United), Anna Huovinen (Hot Chilis), Katja Timmel (FB Riders), Viviane Bill (Waldkirch-St. Gallen), Seraina Zgraggen (Red Ants 1. Liga), CélineChalverat , Johanna Dahlin (beide Rücktritt).

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