Wasserball

Frauen-Nati einer EM noch nie so nahe

Die ehemalige SC-Winterthur-Spielerin Athena Grandis ist mit mit Spandau 04 Deutsche Meisterin – und könnte sich erstmals mit der Schweiz für die EM qualifizieren.

Voller Einsatz: Die Winterthurerin Athena Grandis im EM-Barragespiel der Schweiz gegen Frankreich.

Voller Einsatz: Die Winterthurerin Athena Grandis im EM-Barragespiel der Schweiz gegen Frankreich. Bild: Stefan Kleiser

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Für Athena Grandis war klar: So konnte es nicht weitergehen. «Ich war an einem Tiefpunkt. Ich überlegte mir ernsthaft mit Wasserball aufzuhören.» Im Herbst 2016, nach dem Ende des Gymnasiums, war sie von Winterthur nach Berlin übersiedelt, um dort an der Universität der Künste visuelle Kommunikation zu studieren. Die Metropole bot alles – ausser ein Wasserball-Team, dem sich die Schweizer Nationalspielerin hätte anschliessen können. Der deutsche Vorzeige-Verein Spandau 04 führte lediglich eine Männer-Mannschaft.

«Ich habe abgecheckt, was in Neukölln los ist», erzählt sie. Doch im Berliner Aussenbezirk gab es auch bloss eine Mädchen-Equipe. «Der Trainer meinte, ich solle doch für einen anderen Club spielen», erinnert sich Grandis. Er vermittelte sie ins Bundesliga-Team Chemnitz. «Ich durfte in Neukölln bei den U-17-Jungs mittrainieren, und am Wochenende fuhr ich für die Spiele nach Chemnitz, drei Stunden mit dem Flixbus.» Zwei Saisons spielte Grandis 200 Kilometer von ihrem Wohnort.

Den Aufwand verdoppelt

Inzwischen ist alles anders. Im vergangenen November ist nach mehr als 30 Jahren wieder eine Frauen-Equipe von Spandau 04 in die Meisterschaft gestartet. Mit dabei: Athena Grandis. Im Juni wurde die Winterthurerin Deutsche Meisterin. Am 12. und 26. Oktober könnte es noch besser kommen. Mit ihren früheren Teamkolleginnen von Winterthur, Yvette van Westendorp und Noelle Nelson, spielt die 23-Jährige mit der Schweiz in der Barrage um ein Ticket für die EM-Endrunde von Januar in Budapest. Es wäre das erste Mal, dass die Schweizerinnen sich für das Finalturnier der besten zwölf Teams von Europa qualifizieren würden.

«Wir waren noch nie so nahe an der EM», berichtet Athena Grandis. Das letzte Match gegen Barrage-Gegner Israel ging zwar vor zwei Jahren 3:11 verloren. Doch damals stiegen die Schweizerinnen fast ohne Vorbereitung ins Becken. Seit einem Jahr trainieren sie täglich. Viele Spielerinnen haben den Aufwand verdoppelt. Die Einheiten mussten sie sich selbst organisieren, weil in den Clubs wenig oder noch nicht trainiert wird. Sie sei privilegiert, sagt Grandis. «Seit Ende August ist in Spandau wieder voller Trainingsbetrieb.» Mit acht bis neun Trainings die Woche.

«Jetzt ein sehr gutes Team»

«Jetzt sind wir ein sehr sehr gutes Team», urteilt die Flügelspielerin. In der ersten Runde der EM-Ausscheidung im April erspielten sich die Schweizerinnen Rang drei. «Das hätten wir nie erwartet. Gegen Rumänien und die Ukraine, gegen die wir vor zwei Jahren in der EM-Qualifikation noch mit einem und drei Toren verloren hatten, gewannen wir nun mit zwei und fünf Toren Unterschied.» Zwar sei Israel in der Barrage favorisiert, so Grandis über die Zehnplatzierten der letzten EM. «Aber wir haben 100 Prozent eine Chance.»

Mit dem Projekt des Nationalteams, das die Wasserballerinnen selbst angestossen haben, ist die Motivation zurückgekehrt. «Ich freue mich extrem auf die Spiele gegen Israel. Wir haben lang darauf hingearbeitet.» Sie sind auch deshalb speziell, weil Grandis von Oktober bis Februar in Jerusalem studierte. Und nach der Barrage? «Wir hoffen, dass die Kampagne ein Zeichen ist für die Nachwuchsspielerinnen: Dass du etwas erreichen kannst, wenn die viel Energie reinsteckst.» Auf sie selbst wartet Ende Monat schon das nächste Highlight: Mit Spandau startet Athena Grandis in der Euro League – am Heimturnier in Berlin.

Erstellt: 11.10.2019, 18:31 Uhr

Zur Schlüsselspielerin gereift

Vor sieben Jahren rückte Athena Grandis im Schwimmclub Winterthur in die erste Frauen-Equipe auf. Der damalige Trainer Stephan Müller hatte ein Auge auf sie geworfen, weil sie eine so schnelle Schwimmerin war. Die 23-Jährige lacht. Sie sei am linken Flügel pausenlos rauf und runter geschwommen, erinnert sie sich. «Bei Spandau oder in der Nationalmannschaftbin ich jetzt nicht mehr die Schnellste. Obwohl ich schneller geworden bin.» Grandis wird inzwischen am Halbflügel eingesetzt. «Ich bin nicht die, die 100 Tore schiesst», erklärt sie. Früher habe sie gedacht: «Baller ich mal aufs Tor, vielleicht geht er ja rein». Mit mehr Erfahrung schaue sie nun zuerst, ob eine Teamkollegin besser postiert sei. «In Winterthur war ich oft die junge Spielerin, hatte weniger Verantwortung.» Jetzt ist Athena Grandis eine Schlüsselspielerin im Aufbau – in Berlin und für die Schweiz. (skl)

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