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«Für London bin ich zuversichtlich»

Der sehbehinderte Sprinter Philipp Handler startet an der WM in London über 100 m und 200 m. Grössere Chancen rechnet sich der Embracher auf der kürzeren Strecke aus.

Seit Philipp Handler 80 Prozent arbeitet, wurden ihm Fördermittel gekürzt. Dafür steht er sportlich weniger unter Druck.
Seit Philipp Handler 80 Prozent arbeitet, wurden ihm Fördermittel gekürzt. Dafür steht er sportlich weniger unter Druck.
Swiss Paralympic

Einiges ist seit dieser Saison ­anders bei Philipp Handler. Nach Abschluss des Master-Studiums an der Uni Zürich (Wirtschaft) hat sich der 26-jährige zweifache Paralympics-Teilnehmer ent­schie­den, 80 Prozent zu arbeiten. «Bis Ende August bin ich bei der Rückversicherung Partner Re als Praktikant angestellt, ab 1. September als Analyst», erzählt der schnelle Zürcher Unterländer.Eine Neuausrichtung, die im Hinblick auf die Weltspiele 2020 in Tokio verbandsintern nicht nur Zustimmung auslöste, sondern unter anderem zur Kürzung von Fördermitteln führte. «Ich empfinde die Doppelbelastung nicht als negativ. Sie nimmt mir sportlich einigen Druck weg, ich kann eher abschalten, muss mich auf die Arbeit konzentrieren. Eine solche berufliche Chance musste ich nützen. Vom Sport werde ich nie leben können», erklärt der WM-Vierte von 2015.

«Eine solche berufliche Chance musste ich nützen. Vom Sport werde ich nie leben können»

Philipp Handler

Langsamer muss er wegen des neu strukturierten Alltags nicht zwangsläufig werden. «Problematisch würde es vielleicht», so Philipp Handler, «hätte ich während der Woche fix einen Tag frei. Das würde mich sportlich einschränken. Doch weil ich die 20 Prozent aufteilen, am Nachmittag früher gehen darf, trainiere ich kaum weniger, aber vor allem effizienter. Als Sprinter kann ich nicht stundenlang auf der Bahn trainieren. Sollte ich im Übrigen irgendwann erkennen, dass es so nicht geht, kann ich darauf reagieren.»

Fakt ist, Rio 2016 endete trotz Studenten-Status mit einer Enttäu­schung. Der zweifache Schweizer Rekordhalter (100 m: 11,11/200 m: 22,85) hatte die Final-Qua­lifikation wie 2012 in Lon­don verpasst. «Auch deshalb war es angezeigt, etwas zu ver­ändern. 2017 bin ich bisher zwar nicht an meine persönlichen Bestleistungen herangekommen, aber dafür gibt es Gründe. So war ich in der wichtigsten Selektions­phase verletzt.»

Verletzungspause

Eine am 23. Mai im Training zu­ge­zogene Oberschenkelzerrung verhinderte die Starts bei Weltklasse am See in Arbon und dem Weltcup-Meeting in Nottwil. Lange war nicht klar, ob der 1991 in New York geborene, spätere Junior des FC Embrach, der am Anfang sehen konnte, für die WM selektioniert würde. Am 4. Juli gab er in Olten sein Comeback (11,48). Über 200 m erzielte er in 23,26 Saisonbestleistung. «Die letzten Tests verliefen positiv. Es geht aufwärts. Ich bin schmerzfrei, spüre, dass die Form allmählich zurückkommt. Für London bin ich zuversichtlich.»

Über 100 m muss es für den letztjährigen EM-Dritten die Final-Qualifi­kation sein. Derzeit nimmt er im World Ranking mit den am Dienstag bei Spitzen-Leichtathletik Luzern gelaufenen 11,29 Platz neun ein. Schwie­riger dürfte es auf der längeren Strecke werden. Neun Athleten liefen 2017 schneller als 23,26. «Während Jahren wollte ich unbe­dingt unter elf Sekunden laufen, war zu stark auf dieses Ziel fokussiert, setzte mich selbst unter zusätzlichen Druck. Sollte es irgendwann klappen, umso besser. Aber ich konzentriere mich nicht mehr darauf», sagt Handler, dessen Einsätze in London am Dienstag mit dem 200-m-Rennen abgeschlossen sein werden.

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