Gigathlon

Hart im Nehmen

Mit dem Biss einer Verteidigerin kämpfte sich die ehemalige Fussball-Nationalspielerin Daniela Schwarz durch den Gigathlon. Die Winterthurerin wurde auf Anhieb Zweite.

Am Gigathlon in der schönen Gegend von Arosa/Davos  brachte Daniela Schwarz 312 Kilometer und 8750 Höhenmeter hinter sich.

Am Gigathlon in der schönen Gegend von Arosa/Davos brachte Daniela Schwarz 312 Kilometer und 8750 Höhenmeter hinter sich. Bild: PD

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Als Verteidigerin lernte sie im Fussball beides: Austeilen und Einstecken. Letzteres kam Daniela Schwarz (Bild) in der Endphase des endlosen Gigathlons entgegen. Nach mehr als 19 Stunden Wettkampfzeit stürzte sie, in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit, mit dem Bike. Ein lädiertes Auge wegen der gestauchten Brille, Prellungen und Schürfungen an Hüfte, Unterarm und Hand sind die Erinnerungen daran.Den Sturz steckte sie weg. Gleich anschliessend auf den letzten 13 Kilometern Laufstrecke habe sie die Verletzungen – «vor lauter Adrenalin» – noch nicht gespürt. «Aber vielleicht bin ich auch einfach hart im Nehmen», lächelt die 32-Jährige aus Hegi.

Und so lief Daniela Schwarz letztes Wochenende in Arosa nach 312 Kilometern und 8750 Höhenmetern in den Disziplinen Schwimmen, Velo, Bike, Laufen und Alpine Trailrun sowie 20:59:51 Stunden Renndauer als Zweite der Frauen durchs Ziel des Gigathlons, knapp zwei Stunden hinter der Seriensiegerin Nina Brenn. Nicht schlecht für eine Quereinsteigerin.

«Ich hatte in den letzten Tagen keine grosse Lust, mich viel zu bewegen...»

Daniela Schwarz

In der Woche darauf wirkten die Wettkampfbelastung sowie der Sturz, vor allem mit schmerzender Hüfte, noch etwas nach: «Ich hatte in den letzten Tagen keine grosse Lust, mich viel zu bewegen...»

Es war ihr zweiter Gigathlon. Den ersten hatte sie letztes Jahr zusammen mit Lu Decurtins als Couple bestritten. «Nicht zu vergleichen» seien die beiden Einsätze gewesen. «Als Couple kann man Vollgas geben, als Single muss man Einteilen können.» Beides ging auf: Im Couple schaute auf Anhieb Rang 5 heraus und beim Single-Debüt folgte nun dieser 2. Platz.

Nie in ein Tief geraten

«Vorgängig wusste ich nicht, ob ich auf diesem Niveau so lange durchhalten könnte.» Sie konnte es. «Ich versuchte auf meinen Körper zu hören. Zum Glück bin ich nie in ein Tief geraten.» Dabei durfte sie auch auf die Tipps und Erfahrung ihrer Schwester Barbara Schwarz, die 2012 und 2015 Gigathlon-Zweite wurde, zählen.

Vor allem sei sie überrascht gewesen, wie konstant sie geschwommen sei, bemerkt Daniela Schwarz. Denn erst seit anderthalb Jahren trainiert sie diese Teildisziplin des Triathlons. Inzwischen hat sie gemerkt: «Wenn ich locker schwimme, geht es am besten, dann brauche ich am wenigsten Kraft und verliere am wenigsten Zeit.» Auf dem Rad hält sie mit. Und auf der Laufstrecke spielt sie ihre Stärke aus – was nicht von ungefähr kommt.

Von Seuzach bis Oslo

23 Länderspiele hatte sie in sechs Jahren für die Schweizer Fussballerinnen bestritten. Am Tag vor der Heimreise von der WM 2015 in Kanada erklärte sie ihren Rücktritt, zugleich liess sie Ende jenes Jahres ihren Vertrag bei Valerenga Oslo auslaufen und verliess damit die Fussballbühne. Seit 2012 spielte sie in Norwegen, dem Land der Olympiasiegerinnen von 2000. Zuvor war sie für GC und den FC Schwerzenbach in der Nationalliga A angetreten.

Begonnen hatte Daniela Schwarz 1996 beim FC Seuzach im damals von Heinz Eisenring gegründeten Mädchenteam. In einer Mannschaft mit Jungs, was jede talentierte Fussballerin weiter bringen würde, spielte sie nie. «Leider», wie sie sagt. Ihre Eltern wollten das nicht. Dennoch entwickelte sich eine bemerkenswerte Karriere, die 2001 mit dem Wechsel zum FC Schwerzenbach lanciert wurde.

«Seit langem weiss ich: Nach dem Fussball werde ich Polizistin.»

Daniela Schwarz

Zu einzelnen Leuten aus ehemaligen Seuzacher Zeiten habe sie noch Kontakt, zum Klub an sich nicht mehr. Die regionale Fussballszene verfolge sie jedoch: Sie half bei der Rekrutierung von Spielerinnen mit, als vor gut zwei Jahren das Frauenteam des FC Winterthur gegründet wurde. Denn eine ihrer «alten» Seuzacher Weggefährtinnen ist Adrienne Krysl, die Trainerin der FCW-Frauen. «Jetzt bin ich dort nicht mehr aktiv», erklärt sie. Ihre Prioritäten setzt sie woanders, nicht mehr im Fussball, sondern im Ausdauersport und Beruf.

«Lust auf Anderes»

Gegen Ende der Karriere spürte sie, dass die «Lust auf Anderes als Fussball immer grösser wird». Zugleich wollte sie ihre Freizeit selbst gestalten. «Die Trainings jetzt sind zeitintensiver als im Fussball. Aber ich bin nicht mehr an Termine gebunden, sondern kann alles selbst einteilen. Da bleibt mehr Platz fürs Privatleben.» Vor dem Gigathlon trainierte sie bis zu 18 Stunden pro Woche, statt den üblichen 12 Stunden. Mitunter verbindet sie ein Radtraining mit ihrem Arbeitsweg zur Stadtpolizei Zürich, wo sie im zweiten Ausbildungsjahr steckt. Seit langem, seit ihrer Lehre als Polymechanikerin wusste sie: «Nach dem Fussball werde ich Polizistin.»

Duathlon war ihre erste Station im Ausdauersport. Dann reizte sie Triathlon. Wobei: «Schwimmen musste ich von Grund auf üben. Ab etwa hundert Metern hatte ich Atemprobleme…» Ende 2016 besuchte sie Schwimmkurse, danach gings immer besser.

Das nächste Projekt, das sie im Auge hat, ist indes ein Duathlon: Am 2. September der Powerman Zofingen. Es wäre ihr erster über die Langdistanz. «Ich habe mich noch nicht angemeldet», sagt sie. Doch klar scheint: Nächster Halt Zofingen. (Der Landbote)

Erstellt: 06.07.2018, 15:52 Uhr

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