Langlauf

Kampf gegen das Vergessen

Seit er in Russland nicht mehr erwünscht war, ist Reto Burgermeister auf der Suche nach einem neuen Trainerjob. Ein Unterfangen, das für den Pfäffiker je länger desto schwieriger wird.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Reto Burgermeiser (Zweiter von links) mit der Schweizer Langlauf-Staffel.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Reto Burgermeiser (Zweiter von links) mit der Schweizer Langlauf-Staffel. Bild: Keystone

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Am Wochenende gastiert der Langlauf-Weltcup in Davos. Jahrelang war das für Reto Burgermeister ein Heimspiel. Während fünfeinhalb Jahren trainierte der in Davos lebende Pfäffiker Athleten aus Russland, bis im Sommer letzten Jahres sein Vertrag aufgelöst wurde. Seither sucht der 42-Jährige eine Anstellung als Trainer im Spitzensport – bisher vergeblich.Die Durststrecke dauert nun schon mehr als ein Jahr an, was die Jobsuche nicht einfacher macht. Das weiss auch Burgermeister. «Je länger man aus dem Geschehen ist, desto fraglicher wird es, ob die Leute noch an einen denken», sagt er.

Zwar besucht er periodisch Weltcuprennen, damit ihn die Szene nicht vergisst. An diesem Wochenende wird er aber nicht in Davos sein, sondern in der Lenzerheide – mit den IBU-Cup-Biathleten von Swiss-Ski. Dort kümmert er sich ums Material. Für fünf Monate wurde er vom nationalen Verband angestellt – «ich wollte einen fixen Job für diesen Winter», begründet Burgermeister. Und auch wenn es kein Trainerposten ist, kann er sich durchaus dafür begeistern. «Es macht Spass, ich hatte schon bei den Russen das Material unter meiner Obhut», sagt der Pfäffiker.

Der Flirt mit China

Aber eben: Es ist kein Trainerposten. Dass sich bisher für den ehemaligen Weltcupläufer nirgends eine Türe auftat, hängt auch mit dem Zeitpunkt zusammen: In einer Olympiasaison sind Rochaden auf Trainerpositionen unüblich. Man funktioniert im Vierjahreszyklus – «vielleicht gibt es nach dieser Saison deshalb irgendwo eine Möglichkeit», sagt Burgermeister. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde er in China unterkommen. «Es klang nach einem spannenden Projekt», sagt er. Ergeben hat sich allerdings nichts – erst sagten die Chinesen Termine ab, «dann stürmten sie wieder – am Ende habe ich es bleiben lassen», sagt er.

Vakanzen gab es zwar heuer auch bei Swiss-Ski. Als im letzten Frühling zwei Trainer aufhörten, wurde Burgermeister in den Medien als möglicher Kandidat gehandelt. Das war er aber nicht – Verhandlungen gab es laut dem Pfäffiker keine.

Ob dabei seine Vergangenheit als Trainer von russischen Athleten, die in die Doping-Affäre verwickelt sind, eine Rolle spielte? Burgermeister sagte vor einem Jahr, er befürchte einen Imageschaden und schwindende Jobchancen. Nun sagt er, er habe diese Begründung nur ein einziges Mal gehört. «Die Deutschen waren als einzige direkt.» Der Verband habe ihn verpflichten wollen, das nationale Olympische Komitee habe aber sein Veto eingelegt. «Daneben habe ich diesen Grund nie gehört, nicht einmal eine Anspielung darauf.»

Mit dem Skandal konfrontiert

Konfrontiert wird er mit dem Skandal dennoch immer wieder – er trainierte mit Alexander Legkow und Jewgeni Below zwei Athleten, die vom IOC im November lebenslang gesperrt wurden, weil sie in Sotschi gedopt gewesen sein sollen. «Mit solchen Dingen will ich nichts zu tun haben», betonte Burgermeister stets. «Es ist schade, dass diese Geschichte da ist. Es ist schade für den Sport.»

Und letztlich auch schade um seine Karriere als Langlauftrainer. «Am Ende muss ich sagen: Die Leistungen haben gestimmt, aber ich bin rausgefallen.»

Bikeguide, Lehrer, Techniker

Wenigstens für fünf Monate hat Burgermeister nun wieder einen fixen Job – was ihm einiges erleichtert. Zuvor hatte er sich mit diversen befristeten Engagements durchgeschlagen – etwa als Bikeguide in Südfrankreich, als Langlauflehrer, als Wachstechniker. Er könne sich so über Wasser halten, aber nichts auf die Seite legen, sagt er und gibt zu, dass ihn die Situation bisweilen durchaus beschäftigt.

«Dass ich keine Familie habe und nur für meine eigene Nase schauen muss, macht es einfacher», sagt er zwar. «Doch Fragen nach dem Wieso und Warum tauchen schon auf.» Und er spürt, dass ihm ein fester Job fehlt. «Etwas wo ich mich reinhängen und entfalten kann.» (Der Landbote)

Erstellt: 07.12.2017, 19:38 Uhr

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