Reiten

Mit dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Der Seuzacher Springreiter Werner Muff fliegt morgen an die Weltreiterspiele in den USA. Die Turbulenzen um seine Nicht- und dann doch noch Nomination hat er gutweg gesteckt.

Während des CSI Humlikon erfuhr Werner Muff, dass er für die Weltreiterspiele nominiert wurde.

Während des CSI Humlikon erfuhr Werner Muff, dass er für die Weltreiterspiele nominiert wurde. Bild: Angelika Nido Wälty

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Es gibt zurzeit nur ein Thema an den Weltreiterspielen in Tryon im US-Bundestaat North Carolina: Hurrikan Florence, der heute an der US-Ostküste auf Land treffen soll. Dessen Ausläufer bedrohen mit Gewittern, Sturmböen und heftigen Niederschlägen auch den bisher grössten Pferdesportanlass der Geschichte: in diesen Tagen ermitteln rund 800 Athleten aus über 70 Nationen mit ihren Pferden die Weltmeister in den acht Disziplinen Distanzreiten, Fahren, Vielseitigkeit, Reining, Voltige, Dressur, Para-Dressur und Springen.

Erfolgreich mit Daimler

Über die Wetterkapriolen vor Ort hat sich Werner Muff, der morgen Freitag in die USA fliegt, noch nicht viele Gedanken gemacht: «Ich vertraue darauf, dass es gut kommt». Das hat er auch getan, als er die letzten Wochen durch seinen eigenen gefühlsmässigen Wirbelsturm ging.

Der gebürtige Luzerner, der mit seiner Familie seit 2004 auf dem Heimenstein oberhalb von Seuzach lebt, hat mit dem 10-jährigen Daimler eines der weltbesten Pferde unter dem Sattel. Zusammen sorgen sie regelmässig für Spitzenresultate. Im Januar gewann Muff mit Daimler das Championat am CSI Basel und war Zweiter im Grand Prix. Sie trugen zum Sieg der Schweizer Equipe beim Nationenpreis-Auftakt in Samorin bei, ebenso zum 3. Rang in La Baule und dem 2. Rang am Heim-CSIO in St. Gallen.

Enttäuscht über Nicht-Nomination

Muff wähnte sich für die WM als gesetzt. Doch bei der Selektion bekam der Luzerner Paul Estermann den Vorzug. Dieser hatte im Direktvergleich in La Baule und Aachen etwas besser abgeschnitten. «Der Entscheid fiel sehr knapp aus», bestätigt Equipenchef Andy Kistler. Und er war pikant – zumal die Selektionskommission stets betonte, nicht nur sportliche Kriterien zu berücksichtigen. Denn Paul Estermann war nicht unbelastet. Gegen den 55-jährigen läuft eine Strafuntersuchung wegen Tierquälerei. Er soll seine Pferde Castlefield Eclipse und Lord Pepsi blutig geschlagen haben.

«Für mich als Sportler war die Nichtnominierung eine grosse Enttäuschung», sagte Werner Muff, der seine ganze Saisonplanung auf Tryon ausgerichtet hatte. Er hätte als Reservist mitfahren können, entschied sich aber in Absprache mit den Besitzern seines Pferdes dagegen. «Die lange Reise ist aufwändig und mit einem gewissen Risiko behaftet, dieses wollten wir für die Ersatzrolle nicht auf uns nehmen.» Ausserdem wäre er in seinem Ausbildungs- und Handelsstall, den er auf eigene Rechnung führt, während mehr als zwei Wochen ausgefallen.

«Mit allen Konsequenzen: Wenn ich ja gesagt habe, dann stehe ich voll dahinter.»Werner Muff

Also disponierte Muff um. Er gab Daimler, der sich vor Aachen einen leichten Infekt eingefangen hatte, Zeit sich auszukurieren. Dann setzte er ihn wieder Donaueschingen und Münster ein und plante weitere Turniere in Europa, als das Schicksal zuschlug. Paul Estermanns Lord Pepsi verletzte sich an der Sehne, der Reiter musste seinen Verzicht auf die WM-Teilnahme erklären.

Werner Muff erfuhr während des CSI Humlikon, das er nachnominiert wird - und sagte zu. «Mit allen Konsequenzen: Wenn ich ja gesagt habe, dann stehe ich voll dahinter», sagt Muff. Er habe keine Probleme damit, die jüngste Vergangenheit zu vergessen und sich nun ganz auf den Titelkampf zu konzentrieren: «Dieser wird schon Herausforderung genug!» Der WM-, EM- und olympiaerprobte Reiter kann dabei auf seine Routine und Erfahrung zählen. «Ich vertraue auf meine Fähigkeiten und mache in Tryon meine Sache so gut wie möglich.»

Olympia-Qualifikation als Ziel

Während sich sein Reiter noch mit Kofferpacken beschäftigt, ist Daimler in den USA angekommen. Er flog am Mittwoch zusammen mit Bianca, Clooney, Bacardi und Inonstop, den Pferden der weiteren Teammitglieder Steve Guerdat, Martin Fuchs, Janika Sprungers sowie Ersatzreiter Arthur Gustavo da Silva vom belgischen Lüttich in einer speziell ausgebauten Frachtmaschine nach North Carolina. Dort hat die Schweizer Equipe bei den Springprüfungen, die ab dem 19. September stattfinden, grosse Ambitionen. «Wir wollen sowohl in der Team- wie auch in der Einzelwertung um die Medaillen kämpfen», sagt Equipenchef Andy Kistler. Mit einer Klassierung unter den ersten sechs Teams wäre zudem die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokyo 2020 gesichert.

(Der Landbote)

Erstellt: 12.09.2018, 19:14 Uhr

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