Rad

Quereinsteiger und Velo-Enthusiast

Yves Covi hätte vielleicht im Fussball Karriere machen können. Am Sonntag wurde der 38-jährige Winterthurer Schweizer Strassenmeister bei den Masters.

Im Ziel: Yves Covi freut sich über seinen Sieg an der Schweizer Meisterschaft in Schneisingen.

Im Ziel: Yves Covi freut sich über seinen Sieg an der Schweizer Meisterschaft in Schneisingen. Bild: PD

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«Dass ich jetzt der schnellste Winterthurer Velofahrer bin, glaube ich auf jeden Fall», sagt Yves Covi halb im Ernst, halb scherzend. Schneller wäre höchstens Stefan Küng, der Thurgauer, der seit zwei Jahren in der Stadt lebt. Aber selbst gegen Küng traut sich Covi zu, mitzuhalten, zumindest auf den ersten 60, 70 Kilometern.

Während Küng am Samstag zur Tour de France startet, hat Covi seinen Saisonhöhepunkt bereits hinter sich: Am Sonntag wurde er in Schneisingen zum zweiten Mal nach 2015 Schweizer Strassenmeister in der Kategorie Masters, bei den über 30-Jährigen also. Nach einer starken Leistung seiner Mannschaft distanzierte er kurz vor dem Ziel seinen letzten Konkurrenten, den Baselbieter Emanuel Müller, und erschien solo auf der Zielgeraden. «Ich wusste, dass er, falls er mich am Berg nicht distanzieren kann, im Sprint mit seinen 60 Kilo keine Chance haben wird», sagte Covi, der 78 Kilogramm auf die Waage bringt.

Die Vergleiche im Internet

Dass sich ein Amateursportler wie Covi mit einem Profi wie Küng vergleicht, ist im Radsport mehr als nur eine Spielerei. Aufgrund von exakten Messungen, beispielsweise mit der Plattform www.strava.com, sind recht gute Einschätzungen von Konkurrenten auf denselben Streckenabschnitten möglich. Auch Vergleiche zwischen Profis und Amateuren oder Profis und Breitensportlern. Covi verzichtet zwar auf technische Hilfsmittel, um Puls, Wattzahlen oder Kilometerleistungen zu messen, und vertraut lieber auf sein Körpergefühl. Von seinen technisch versierteren Teamkollegen weiss er aber: An der Schweizer Meisterschaft war die Spitze der Master-Fahrer im knapp 3 Kilometer langen und 5,8 Prozent steilen «Baldinger», der das Rennen entschieden hat, gleich schnell (5:59 Minuten) oder gar schneller unterwegs als die Profis. Wobei man erwähnen muss: Der Anstieg wurde von den Master-Fahrern zweimal gemeistert, von den Profis achtmal, und das Master-Rennen ging insgesamt nur über 80 Kilometer statt 200 wie bei den Profis.

«Als Profi zu fahren, war gar nie ein Thema»Yves Covi

Dennoch weisen die «Hobbyfahrer» mit berechtigtem Stolz auf diese Zahlen hin, zeigen sie doch, wie hoch das Niveau ihrer Spitzenleute ist. Bei einem wie Covi, der in den letzten Jahren so viele Rennen gewonnen hat, fragt man sich natürlich: Warum ist der denn nicht selber Profi geworden? «Als Profi zu fahren, war gar nie ein Thema», antwortet er. Yves Covi war nämlich Fussballer, durchlief beim FC Winterthur die Juniorenabteilungen. Ob er im Fussball Karriere gemacht hätte, weiss man nicht. Zu früh kam er aus dem Tritt: Mit 18 verletzte er sich, mit 20 wurde er zum ersten Mal Vater. Da verschoben sichdie Prioritäten. Er spielte zwar nebenbei noch Fussball, fühlte sich dabei aber je länger, desto weniger wohl, körperlich und mental. «Ich suchte nach neuen Freiheiten und Abenteuern», fasst er dieses Kapitel zusammen.

Nie schlechter geworden

Zum Radsport kam der Pflegefachmann der Privatklinik Lindberg als Quereinsteiger. In Yves Covis Familie wurde immer schon Velo gefahren, «die Rennen habe ich im Fernsehen verfolgt». Also investierte er als 26-Jähriger 5000 Franken in ein Rennrad, «und das wollte ich amortisieren. Mit 30 war ich in den Rennen dann gut dabei», erinnert er sich. Das war auch der Zeitpunkt, als er mit seinem Bruder Alain das Team Steiner Bäckerei Wetzikon – Colnago gründete, was damals ein Novum in dieser Kategorie und mit dem einheitlichen Auftritt auch optisch auffällig war. Die Fahrer können seither ihr ambitioniertes Hobby zu sehr guten Konditionen ausüben, was sich auch sportlich auswirkte: In den neun Jahren, seit Yves Covi das Team leitet, konnte er seine Leistungsgrenzen stets um ein paar Prozentpunkte verschieben. Von nichts kommt aber auch nichts: 12 000 bis 15 000 Kilometer legt einer wie er jedes Jahr zurück, 350 bis 500 Kilometer in der Woche.

Etwas Druck wegnehmen

2017 bestritt Covi zwischen Mitte März und Anfang Juli rund 25 Rennen. 2018 waren es bisher nur acht, ein grosses kommt noch: Im September will er in Varese an der UCI-Granfondo-WM, einer Art «WM für jedermann», in die Top Ten fahren. «Vielleicht ist es meine letzte Saison auf diesem Niveau gewesen», deutet er an. «Es kann sein, dass ich etwas Druck wegnehme. Velo fahren werde ich aber mein Leben lang.» Und Herausforderungen auf zwei Rädern gibt es noch genug.

Erstellt: 06.07.2018, 15:59 Uhr

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