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Tom Brady: Superstar, Club-Legende, einfach weg

Spektakel-Transfer in Corona-Zeiten: Der Quarterback verlässt seinen langjährigen Club New England. Sein neuer ist notorisch erfolglos.

Mehr als 20 Jahre spielte Tom Brady für die New England Patriots, gewann sechsmal die Superbowl. Besonders denkwürdig der Sieg 2017 gegen die Atlanta Falcons. (Video: Reuters)

Es ist der wohl spektakulärste Transfer im Football überhaupt. Tom Brady, Superstar und mit sechs Titeln der Superbowl-Rekordsieger, verlässt seinen langjährigen Club New England Patriots und heuert überraschend bei den Tampa Bay Buccaneers an. Der 42-Jährige vollzieht einen unüblichen Schritt: Normalerweise bleiben Stamm-Quarterbacks ihrem Verein eine Karriere lang treu.

Es gab in der Geschichte der National Football League (NFL) durchaus schon andere Transfers namhafter Spielmacher. Die berühmtesten sind Joe Namath, Joe Montana oder Peyton Manning. Der Unterschied: Brady wechselt freiwillig, nicht wegen einer Verletzung. Montana etwa, legendärer Quarterback der San Francisco 49ers, musste wegen einer Ellbogen-Blessur lange aussetzen. Ersatzmann Steve Young vertrat ihn derart gut, dass die 49ers Montana zu den Kansas City Chiefs ziehen liessen.

Die Fans hatten seinen Entscheid befürchtet

Brady dagegen hatte keinen Zwang zu wechseln: Die Patriots wollten unbedingt, dass die Clubikone ihre Karriere in New England beendet. Brady nicht. Er machte um seine Zukunft lange ein Geheimnis, öffentlich wie intern – nach Clubangaben suchte er während der Saisonpause nicht einmal das Gespräch mit Patriots-Besitzer Robert Kraft oder Cheftrainer Bill Belichick. Und tat am Montagabend auf seinem persönlichen Instagram-Account den Entscheid kund, den die Patriots-Fans befürchtet hatten: Dass er in Boston keinen neuen Vertrag unterschreibt.

Ein Bild aus gemeinsamen Tagen: Tom Brady und Patriots-Besitzer Robert Kraft. Bild: Keystone
Ein Bild aus gemeinsamen Tagen: Tom Brady und Patriots-Besitzer Robert Kraft. Bild: Keystone

24 Stunden später sickerte durch, wohin Brady wechseln wird: zu den Tampa Bay Buccaneers. Für 30 Millionen Dollar jährlich. Die «Bucs» sind keine sehr ruhmreiche Adresse in der NFL. 2003 wurden sie Superbowl-Sieger, aber sonst? Nur schon positive Sieg-Niederlage-Bilanzen sind rar, und letztmals hatte Tampa Bay das Playoff vor zwölf Jahren erreicht.

Was für ein Kontrast zum erfolgsverwöhnten Brady, der in 20 Saisons mit den Patriots 17-mal ins Playoff und 9-mal ins Endspiel kam und insgesamt fast dreimal mehr Playoffspiele bestritt (41) als sein neuer Club in dessen gesamter Vereinshistorie (15). Die Erfolglosigkeit der «Bucs» wirkt sich auf das Publikumsinteresse aus: Der Zuschauerschnitt bei Heimspielen ist der dritttiefste der ganzen Liga.

Ein Bild aus erfolgreichen Tagen: Die Buccaneers bejubeln einen Touchdown in der Superbowl 2003. Bild: Keystone
Ein Bild aus erfolgreichen Tagen: Die Buccaneers bejubeln einen Touchdown in der Superbowl 2003. Bild: Keystone

Der unerwartete Transfer sorgt für grosse Aufregung im Land und etwas Abwechslung in Zeiten von Corona – auch in den USA ruht fast der gesamte Sportbetrieb. Grosse Wellen schlug er natürlich vor allem in Tampa Bay, einer Touristenstadt an der Westküste von Florida. «Mutig, aufregend, gewagt – und vielleicht etwas verrückt», schrieb die «Tampa Bay Times» zum Schritt der Buccaneers. Brady hatte immer gesagt, er könne locker bis 45 spielen. Aber viele fragen sich: Hat er noch die Wurfkraft und Übersicht, um der Beste oder zumindest einer der Besten zu sein?

Die Fans der Buccaneers scheinen optimistisch, dass Brady ihr Team zu bislang selten erreichtem Ruhm führt. Die Website brach kurzzeitig zusammen, obwohl die «Bucs» selbst den Wechsel noch nicht offiziell bestätigt haben. Und auf dem Portal für die Saisonbilletts bildete sich eine lange virtuelle Warteschlange. Mehr als 3000 Fans bestellten noch am Dienstag eine neue Jahreskarte.

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