Faustball

Von der Metropole auf den Bauernhof

Rodrigo Sprandel verstärkt in dieser Saison den NLA-Klub Elgg-Etttenhausen. Dank dem Angriffsspieler aus Brasilien hat das Team gute Chancen auf einen Platz unter den besten Vier.

Optimistisch für die Heimspiele am Samstag in Elgg: Rodrigo Sprandel (rechts) und sein Teamkollege Joël Fehr.

Optimistisch für die Heimspiele am Samstag in Elgg: Rodrigo Sprandel (rechts) und sein Teamkollege Joël Fehr. Bild: Urs Kindhauser

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Es ist ein ruhiger junger Mann, der vor einem sitzt, denkt man. Aber nein: «Ich bin ein emotionaler Typ und sehr impulsiv», sagt der Brasilianer Rodrigo Sprandel, Angriffsspieler bei der Faustball-Gemeinschaft Elgg-Ettenhausen. Sein Teamkollege, der Abwehrspieler Joël Fehr, bestätigt das und ergänzt: «Brasilianer sind eben emotionaler als wir Europäer. Für uns ist das gut, denn so hilft Rodrigo uns als Mannschaft weiter.»

Gute Kontakte nach Brasilien

Aber nicht nur der Charakter des 25-Jährigen ist es, der Elgg-Ettenhausen hilft, sondern auch seine spielerischen Qualitäten. Rodrigo Sprandel gilt als einer der international besten Angriffsspieler. Er ist mit ein Grund dafür, dass Elgg-Ettenhausen in der diesjährigen Feld-Saison der NLA wieder berechtigte Hoffnungen die Teilnahme am «Final-4»-Turnier zum Saisonschluss haben kann. Auf Rang 4 liegt Elgg-Ettenhausen im Moment, zwei Punkte vor Oberentfelden und Jona. Am Samstag kommt es auf dem Sportplatz Im See in Elgg zum Direktduell mit Oberentfelden. «Wenn wir dieses Spiel gewinnen, stehen unsere Chancen sehr gut», sagt Sprandel. Und wenn man sich mal für den Finalevent qualifziert hat, dann ist selbstredend der Gewinn einer Medaille das Ziel.

In einer breiteren Öffentlichkeit mögen die brasilianischen Fussballer bekannter sein als die Faustballer. In Elgg ist es freilich keineswegs ungewöhnlich, dass ein Brasilianer Faustball spielt. Brasilien gehört nebst Deutschland, der Schweiz und Österreich zu den Top 4 im Faustball, 1999 und 2003 war das Land Weltmeister. Und in Elgg wird schon seit vielen Jahren das internationales Turnier «Faustballweltklasse in Elgg» organisiert, auch mit brasilianischen Teams als Gästen. Von daher unterhält der Klub traditionell sehr gute Kontakte nach Brasilien. Sprandel war als 17-Jähriger zum ersten Mal in der Schweiz, danach in manchem Sommer für ein bis zwei Wochen. Vor sechs Monaten wurde es mit einem Engagement für Elgg-Ettenhausen konkret. Seit Mitte April ist er hier, angestellt vom Verein, und nach der Feldsaison kehrt er Mitte September nach Brasilien zurück.

Urgrossvater aus Deutschland

Sprandel kommt aus dem Klub Sogipa, der Sociedade Ginastica de Porto Alegre. Sogipa ist eine polysportive Vereinigung mit zehntausenden von Mitgliedern. Faustball aber spielen nur wenige von ihnen, überhaupt gibt es diesen Sport nur im Süden Brasiliens, wo er von deutschen Einwanderern eingeführt wurde. Auch Rodrigo Sprandel ist deutscher Herkunft. Sein Urgrossvater emigrierte einst nach Brasilien. Deutsch wird in der Familie mittlerweile nicht mehr geredet. Rodrigo Sprandel beherrscht die Sprache aber ziemlich gut, weil er auch schon einen Sommer in Österreich gespielt hat.

«In Brasilien haben wir nur eine Liga und total vielleicht 120 Spieler. Wenn wir mit dem Nationalteam unterwegs sind, zahlen wir alles selber.»Rodrigo Sprandel

Von Beruf ist Rodrigo Sprandel in Porto Alegre selbständiger Personal Trainer. Und so sieht er auch aus: 1,85 Meter gross und athletisch, ideale Masse für einen Angriffsspieler. Wobei seiner Meinung nach ein paar Zentimeter nach oben fehlen: «Für den Service muss ich immer springen. Wenn ich am Boden bleiben könnte, wäre ich stabiler.» Trotzdem ist er genau der Typ, den Elgg-Ettenhausen braucht. Der Klub hat in den letzten Jahren einige starke junge Abwehrspieler herausgebracht. Beispielsweise Joël Fehr und seinen älteren Bruder Nicolas. Nicolas hat bereits ein Schweizer Aufgebot für die Europameisterschaften Ende August in Deutschland in der Tasche, Joël kämpft noch darum.

Eine grosse Umstellung

Aber gute Angriffsspieler zu finden ist schwierig. Rodrigo Sprandel ist einer, zumal er und seine Mannschaft nach einer Eingewöhnungsphase immer besser in Fahrt gekommen ist. Die Umstellung war für den Brasilianer gross. In seiner Heimat lebt er in einer Metropole mit rund 1,5 Millionen Einwohnern, im beschaulichen Elgg auf dem Bauernhof Hohbühl bei der Familie Kupper, wo er auch ab und zu mit anpackt. Der Mann aus der Grossstadt weiss die hiesige Idylle zu schätzen: «Es ist sehr angenehm. Man kann nachts auf die Strasse gehen ohne Angst zu haben oder man kann auch mal die Haustüre offen lassen, ohne dass etwas passiert.»

Unterschiede gibt’s aber auch im Faustball: In Brasilien sind die Plätze oft schlechter als in der Schweiz, entsprechend müssen die Formationen anders gewählt werden. Nicht nur punkto Plätze ist die Schweiz ein grosses Vorbild für Brasiliens Faustballer: «Die Schweizer Liga ist sehr stark», schwärmt Sprandel. «In Brasilien haben wir überhaupt nur eine Liga und total vielleicht 120 Spieler. Und wenn wir mit der Nationalmannschaft unterwegs sind, bezahlen wir alles selber.»

Die WM 2019 in Winterthur

Mit dem Nationalteam wird Rodrigo Sprandel auch nächstes Jahr in die Schweiz kommen: Vom 11. bis 17. August findet die Weltmeisterschaft auf der Winterthurer Schützenwiese statt. Gut möglich, dass er dann auf den einen oder anderen seiner jetzigen Klubkollegen trifft.

Erstellt: 29.06.2018, 17:52 Uhr

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