Eine heisse Liebe von Dario Cologna erkaltet

Die Tour de Ski schien lange auf den Bündner zugeschnitten. Immer klarer zeigt sich nun: Die innige Verbundenheit dürfte enden. Es liegt nicht an der Prestigeserie.

Dario Cologna muss in der Zukunft vermehrt auf Schlüsseleinsätze hinzielen. (Bild: Freshfocus)

Dario Cologna muss in der Zukunft vermehrt auf Schlüsseleinsätze hinzielen. (Bild: Freshfocus)

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Man musste schon zwischen den Zeilen lesen, damit man die Aussage von Dario Cologna richtig einordnen konnte. «Mehr oder weniger zufrieden» sei er mit sich nach dieser Tour de Ski, sagte er in den Dolomiten. Das klingt ein bisschen nach Wischiwaschi. Im Prinzip aber ist es die diplomatische Variante von Cologna, eine lange, innige Beziehung infrage zu stellen: Cologna und die Tour de Ski.

Mit vier Triumphen – 2009, 2011, 2012 und 2018 – ist er der Rekordsieger dieses Serienformats. Über fast ein Jahrzehnt galt es wie für ihn massgeschneidert. Denn Cologna konnte sprinten, schnell alleine oder im Pulk lang laufen und ganz viele Rennen in wenigen Tagen scheinbar spielerisch verkraften.

Das schnelle Sprinten aber ist ihm mittlerweile ebenso abhandengekommen wie ein knackiger Schlussspurt nach vielen Rennkilometern. Sein siebter Gesamtrang bei seiner 12. Tourteilnahme ist darum sein zweitschwächster nach seinem Tour-Debüt vor 12 Jahren. Damals wurde er 30.

Das besagt primär, was für ein herausragender Tour-Absolvent Cologna ist, und damit auch, dass der aktuelle Cologna im Vergleich mit dem vergangenen wohl immer abfällt. Es besagt aber auch, dass Cologna jüngst an Format eingebüsst hat – während seine (neuen) Konkurrenten zugleich wohl zulegen konnten.

Er kann sich nochmals zum Sieger entwickeln

Alles zusammen bedeutet, dass dieser Cologna, sofern er sprintschwach bleibt, eine Tour kaum mehr für sich wird entscheiden können. Zumal ihn in den vergangenen Jahren nach intensiven Einsätzen stets noch ein Reizhusten plagte. Darum erklärte er seine Ambitionen auf den Gesamtsieg 2016 für beendet – ehe er 2018 erneut siegte, allenfalls auch, weil nur ein Sprintrennen anstand. Trotzdem kann sich dieser weiterhin gute, aber keineswegs mehr unwiderstehliche Cologna nochmals zu einem Sieger entwickeln.

Zwar wird er regelmässig auf seine 33 Jahre angesprochen und damit auf sein fortgeschrittenes Langlaufalter. Doch mit Verlaub: Das ist sonderbar. In vielen anderen Ausdauersportarten dominieren Athleten jenseits der 30 Jahre – wie Triathlon-Weltmeister Jan Frodeno (38) oder Marathon-Weltrekordhalter Eliud Kipchoge (35). Weshalb Cologna bloss noch ein schneller Statist sein sollte, wissen die Götter.

Optimismus für die Spiele 2022

Seine sportliche Zukunft ist im Gegenteil absehbar: Er wird sich noch gezielter auf einzelne Rennen vorbereiten, um weitere Glanzmomente einfangen zu können – und damit ganz auf Schlüsseleinsätze hinzielen.

Selbst mit dieser Fokussierung muss aber jede Facette stimmen. Er braucht zum Siegglück etwa auch ein Streckenprofil, das mit harten Aufstiegen versehen ist, damit er seine Stärken ausspielen kann.

Weil die Loipenprofile der Olympischen Spiele von 2022 diese Anforderung erfüllen, darf er trotz verhältnismässig bescheidener Tour-Ausbeute mit Optimismus vorausblicken – sofern er in seinem finalen Athletenabschnitt die Lust an der Arbeit aufrechterhalten kann. Schliesslich nährt sie sich schon auch von Zwischenerfolgen.


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Erstellt: 06.01.2020, 08:00 Uhr

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