SNOWBOARD

In der Ferne lockt Pyeongchang

Der Seemer Snowboarder Kalle Koblet steht mitten in seiner ersten kompletten Weltcupsaison. Derzeit trainiert er in den USA.

Ambitioniert: Will Kalle Koblet seine Ziele erreichen, muss er einiges investieren (hier beim Krafttraining im Skills-Park in Winterthur).

Ambitioniert: Will Kalle Koblet seine Ziele erreichen, muss er einiges investieren (hier beim Krafttraining im Skills-Park in Winterthur). Bild: zvg

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24 Stunden dauerte die Reise von Winterthur nach Copper Moun­tain. Via Washington lan­dete das Schweizer Snowboardcross-Team in Denver. Von dort gings weiter im Mietwagen. «Ich war froh, musste ich nicht fahren», erzählt der 19-jährige Kalle Koblet. Die Strassen waren voll Schnee, «und ein paar dieser riesigen Trucks kamen nicht vom Fleck.»Am Montagabend traf die ­Gruppe endlich in Copper Mountain ein. Diese Woche werden ­Koblet sowie Jérôme Lymann und Tim Watter, seine Kollegen im Schweizer Pro Team, in diesem Skigebiet in Colorado trainieren. Am nächsten Montag folgt der Flug nach Salt Lake City. Dort in der Nähe, im Solitude Mountain Resort, treten die Snowboardcrosser von Donnerstag bis Sonntag zu ihrem nächsten Weltcupevent an.

Zufrieden mit Weltcupstart

Den Saisonstart Mitte Dezem­ber im Montafon hatte Koblet als einziger Schweizer bestritten. Denn Lymann verspürte eine Gehirnerschütterung, die er sich letzte Saison eingefangen hatte, und Watter hatte kurz vor dem Weltcupauftakt einen Rippenbruch ­erlitten. So kams, dass der Winterthurer nur ein Rennen, das Einzel, bestreiten durfte und sich im Teamwettkampf mit der Rolle des Vorfahrers begnügen musste. «Weil ich ja kein Team hatte …»

Das erste Weltcuprennen der Sai­son verlief nicht gleich gut wie im Jahr davor, als Koblet im Montafon mit dem 15. Platz eine hervorragende Premiere auf dieser höchsten Stufe gelungen war. ­Seinen siebten Weltcupeinsatz schloss er auf Rang 21 ab. «Eigentlich schon okay» seien diese Klassierung und die Leistung gewesen, blickt er zurück. «Ich hatte starke Gegner im ersten Heat, konnte bis kurz vor dem Ziel angreifen und bin dann als Laufdritter knapp rausgefallen.»

Zwei Titelkämpfe

Im vergangenen Winter hatte er zwar an fast allen Weltcuprennen (bis auf jene in Russland und Spanien) teilgenommen. Jedes Mal aber war er auf Einladung vertreten gewesen. Diesmal nun wurde festgelegt, dass er die volle Weltcupsaison mitfahren kann. Koblet veränderte sein Aufbautraining. Lymann und er engagierten Gregor Hagmann, der sich auch um Skirennfahrer Patrick Küng und die Alpin-Boarderin Julie Zogg kümmert, als Konditionstrainer. «Es hat sich gelohnt», ist der junge Winterthurer überzeugt.

Sein Ziel im Weltcup ist es, die ersten zwei Heats zu überstehen und in den Halbfinal vorzustossen. «Wenn ich dann mal so weit bin, ist auch der Sprung in den ­Final möglich», bemerkt Koblet. In seinem Plan steht die WM im März in der Sierra Nevada (Spanien). «Dort starten können und ein gutes Resultat herausfahren», nimmt er sich vor.

Ein letztes Mal kann er an der Junio­ren-WM antreten. Vom 18. bis 21. Februar wird diese in Kli­novec (Tschechien) ausgetragen. «Sieg oder aufs Podest» nennt er unmissverständlich sein Vor­haben. Vor einem Jahr musste er sich in Slowenien mit dem 25. Platz begnügen. Dafür trumpfte er einen Tag darauf zusammen mit Lymann im Team­event gross auf: Das Duo des SC Flumserberg ­gewann Gold.

Wie ein Fernstudium

Im kommenden Sommer wird er die KV-Lehre an der United School of Sports abschliessen. Bis dahin gilt es jedoch, noch einiges zu erledigen. «Ich muss bis im März zwei Arbeiten schreiben», erklärt Koblet. Bis zu jenem Termin wird er wegen des Sports ­allerdings nie mehr in der Schule gewesen sein. Und Prüfungen, die anfallen, er­ledigt er via Internet. «Ich muss ­alles selber machen und lernen, ohne den Unterricht besucht zu haben», sagt Koblet. «Das ist manchmal schon schwierig. Aber andererseits ist es natürlich sehr cool, dass ich so etwas überhaupt machen kann», schätzt er sein Privileg als Weltcup-Athlet.

Ab Sommer zeichnet sich ab, dass er in die Spitzensportler-RS aufgenommen wird. Diese erstreckt sich über zwei Jahre. «Dazwi­schen werde ich mich als Profisportler versuchen», betont Koblet.

Ebenfalls ab Sommer könnte er sich, falls alles ideal verläuft, auf einen Karrierehöhepunkt vorbereiten: auf die Olympischen ­Spiele 2018 in Südkorea. Er gehe davon aus, dass er im Weltcup zweimal in den Top 16 klassiert sein müsse, um die Olympialimite zu erfüllen, meint Kalle Koblet. «Das wäre zu machen, denke ich.»

Gelegenheiten, sich für Pyeongchang zu qualifizieren, gibt es in der laufenden sowie zu Beginn der nächsten Saison. «Natürlich wäre es viel besser, wenn ich die nötigen Resultate schon in diesem Winter erreiche. Dann könnte ich mich später auf den Olympia-Aufbau konzentrieren», hofft Koblet. Das Solitude Mountain Resort stellt die nächste Selektions­chance dar. Die weiteren stehen in Bulgarien, Deutschland, Russland, Spanien und zum Abschluss in Veysonnaz an. ()

Erstellt: 11.01.2017, 21:04 Uhr

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