Mordprozess Küsnacht

Staatsanwalt fordert 16 Jahre als Höchststrafe

Tag 3 im Tötungsprozess in Meilen: Die Plädoyers der Anwälte der Opferfamilie und des mutmasslichen Opfers der Sexualdelikte waren emotional. Der Staatsanwalt präsentierte aufgrund der schwierigen Einschätzung des Tötungsdelikts einen ganzen Strauss von Strafen.

Am dritten Prozesstag vor dem Meilemer Bezirksgericht verlas der Staatsanwalt sein Plädoyer: Er fordert 16 Jahre Gefängnis für den Angeklagten.

Am dritten Prozesstag vor dem Meilemer Bezirksgericht verlas der Staatsanwalt sein Plädoyer: Er fordert 16 Jahre Gefängnis für den Angeklagten.

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Die Urteilsfindung dürfte den Richtern einiges Kopfzerbrechen bereiten. Der Staatsanwalt stellte in seinem Plädoyer am Donnersatg drei verschiedene Varianten vor, je nachdem wie man die Tötung eines jungen Briten in einer Küsnachter Villa beurteilt. Dabei variiert das Strafmass zwischen 10 und 16 Jahren Freiheitsstrafe für den 31-Jährigen Beschuldigten. Die Anklage hat der Staatsanwalt um vorsätzliche Tötung ergänzt. Diese Möglichkeit will sich das Gericht offenlassen.

Zuvor standen nur eine fahrlässige oder eine eventualvorsätzliche Tötung im Raum. Beides, weil der Täter sich auf eine drogeninduzierte Psychose im Moment der Tat beruft. So gälte er als schuldunfähig. Der Staatsanwalt ist aber überzeugt, dass der Mann genau wusste, was vor allem die Droge Ketamin bei ihm auslöst.

Ausschweifender Lebensstil

Die geforderten Strafen würden übrigens nur darum so hoch ausfallen, weil die Anklage auch davon ausgeht, dass der 31-Jährige seine Ex-Freundin vergewaltigt und sexuell genötigt hat. Diese Delikte machen mehr als die Hälfte der Strafe aus. Allein für die qualifizierte Vergewaltigung fordert der Staatsanwalt sechs Jahre. Das mutmassliche Opfer habe glaubhaft und lebensnah die Übergriffe geschildert.

Zudem existiert eine SMS, in der sich der 31-Jährige entschuldigt hat, so der Staatsanwalt. Dem Beschuldigten hält der Vertreter der Anklage vor, eine „egoistisch-kindlich-hedonistische“ Einstellung zum Leben zu haben. Die Familie habe diese noch gefördert. So kam der Vater für den ausschweifenden Lebensstil des zum Tatzeitpunkt immerhin 29-Jährigen auf, indem er ihm den Mietzins von 4000 Franken für eine 120 Quadratmeter grosse Wohnung zahlte und nebenbei noch 5000 Franken pro Monat überwies. Es ist anzunehmen, dass er sich den exzessiven Drogenkonsum nur dank des Geldes seines Vaters leisten konnte.

Erstaunliche Wandlung

Am Donnerstag äusserten sich auch die Anwälte der Privatkläger. Die Anwältin der Geschwister und der Mutter des getöteten jungen Mannes wies auf einen seltsamen Zufall hin. Der Beschuldigte habe stets beteuert, dass er in Notwehr gehandelt habe. Im Herbst 2015 hat seine Ex-Freundin dem Staatsanwalt von den Vorgängen in einem Londoner Hotelzimmer berichtet sowie von Momenten, in denen der Beschuldigte auf Ibiza psychotische Schübe erlebt hatte. Nur vier Tage danach erinnerte sich der 31-Jährige im Gespräch mit einem Psychiater an die psychotischen Episoden, hervorgerufen durch die Drogen.

Eindrücklich schilderte die Anwältin dann, was in der Küsnachter Villa passiert war. Ihrer Meinung nach, stiess der Beschuldigte sein Opfer auf einen Glastisch. Danach sei der junge Mann nicht mehr auf die Beine gekommen und vom Täter geschlagen und gewürgt worden. Dazu habe dieser mehrere Gegenstände in dem grossen Raum zusammentragen müssen, bevor er sie gegen den wehrlosen Freund einsetzte.

Staatsanwalt glaubt Ex-Freundin mehr

Bei der ersten Einvernahme habe der 31-Jährige zudem gesagt, sich nach anfänglichen Fluchtgedanken umentschieden zu haben um „das unter uns zu klären“. Der Vertreter des Vaters des Opfers betonte, dass sich der Beschuldigte an vieles aus der Tatnacht klar erinnern kann, was nicht zum Drogenrausch passe. Der Anwalt der Ex-Freundin sagte, dass sie versucht hatte, den Deutschen von den Drogen wegzubringen und ihn sehr geliebt habe. Darum hätte sie lange mit ihrer Anzeige zugewartet. Bezüglich den Delikten sei sie glaubhaft, während seine Aussagen nicht überzeugten. Am Freitag werden die beiden Verteidiger ihre Plädoyers halten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.03.2017, 16:53 Uhr

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