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Pensionskasse der Stadt WinterthurStadtrat will bald über Anschluss der Pensionskasse entscheiden

Mit den Börsen ist bis Ende September auch der Deckungsgrad der städtischen Pensionskasse gestiegen. Im Präsidium der Kasse kommt es zu einem Wechsel.

Die Pensionskasse der Stadt Winterthur hat das Kapital der städtischen Angestellten vermehrt in Aktien investiert – und davon vorerst profitiert.
Die Pensionskasse der Stadt Winterthur hat das Kapital der städtischen Angestellten vermehrt in Aktien investiert – und davon vorerst profitiert.
Foto: Heinz Diener

Aktuell verzeichnen die Börsen sinkende Kurse. Die Corona-Krise ist zurück. Viele Anlegerinnen und Anleger sind unsicher, was das für die Wirtschaft bedeutet, und halten sich zurück. Zudem sorgt der offene Ausgang der Wahlen in den USA für Unsicherheit.

Die Pensionskasse der Stadt Winterthur blickt derweil auf bessere Zeiten zurück. Ende September waren die Anlagen der Stiftung 2,2 Prozent mehr wert als noch Ende Juni. Der Deckungsgrad der Kasse stieg gemäss Mitteilung um 1,9 Prozent auf 94 Prozent. Der Deckungsgrad zeigt, ob eine Kasse zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre finanziellen Versprechen gegenüber Angestellten und Pensionären erfüllen kann.

Die Verluste wettgemacht

In den ersten drei Monaten des Jahres war der Deckungsgrad der Pensionskasse wegen der Corona-Krise eingebrochen. Anschliessend erholten sich die Börsen jedoch wieder und damit die Aktien- und Immobilienanlagen und auch die meisten anderen Anlagen, in welche die städtische Pensionskasse das Geld ihrer Versicherten investiert hat.

«Wir konnten unsere Kosten weiter reduzieren.»

Marianne Fassbind, Stiftungsratspräsidentin der Pensionskasse der Stadt Winterthur

Bis Ende September machte die Pensionskasse die Anfang Jahr erlittenen Verluste wett. Dabei schnitt sie leicht besser ab als die anderen Schweizer Vorsorgeeinrichtungen. Gemäss dem Pensionskassenmonitor von Swisscanto sank der Deckungsgrad von vergleichbaren Kassen seit Ende 2019 um durchschnittlich 2,4 Prozent. Derjenige der Pensionskasse der Stadt Winterthur nahm um 0,2 Prozent zu.

Von 20 auf 24 Prozent

Die Pensionskasse der Stadt Winterthur profitiere von der seit Mitte 2019 umgesetzten neuen Anlagestrategie, sagt Stiftungsratspräsidentin Marianne Fassbind. «Wir konnten unsere Kosten weiter reduzieren.» Der Anteil an Aktienanlagen wurde damals von 20 auf 24 Prozent erhöht. Weil die Börsen 2019 boomten, verzeichnete die Kasse 2019 eine Nettorendite von fast 11 Prozent.

«Nach wie vor ist unsere Aktienquote tiefer als bei anderen Vorsorgeeinrichtungen», sagt Fassbind. Die Quote könne erhöht werden, wenn die Risikofähigkeit der städtischen Kasse besser sei. Dazu könne die Stadt einen Beitrag leisten, indem sie ihre Pensionskasse mit den dafür zurückgestellten Mitteln ausfinanziere.

Eben dies hatte der Grosse Gemeinderat im März 2019 verweigert. Eine Koalition von SVP, FDP, GLP und EVP lehnte die vom Stadtrat beantragte Einmaleinlage von 144 Millionen Franken ab und verlangte, zuerst den Anschluss der Kasse an eine andere Vorsorgeeinrichtung zu prüfen. Daraufhin hob die Pensionskasse die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bezahlten Sanierungsbeiträge an.

Marco Bollmann wird neu Präsident

Ende Jahr wird die unabhängige Wirtschaftsfachfrau Fassbind ihr Amt als Präsidentin des Stiftungsrats abgeben und neu Vizepräsidentin sein. Fassbind ist vom Stadtrat als Vertreterin der Arbeitgeberin – der Stadt – ins Gremium gewählt. Nachfolger wird der bisherige Vizepräsident Marco Bollmann. Dieser arbeitet bei der Stadtpolizei und vertritt im Stiftungsrat die Arbeitnehmer.

«Ich glaube, wir konnten einen Teil des verloren gegangenen Vertrauens zurückgewinnen.»

Marianne Fassbind, Stiftungsratspräsidentin der Pensionskasse der Stadt Winterthur

Der Wechsel ist so vorgesehen, weil die Präsidentin oder der Präsident bei Pattsituationen jeweils den Stichentscheid fällt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer stellen im Stiftungsrat je vier Vertreterinnen und Vertreter. Wie viele Male sie einen Stichentscheid fällen musste, sagt Fassbind nicht, das sei vertraulich. Seit ihrem Amtsantritt Anfang 2019 habe der Stiftungsrat aber meist einvernehmlich entschieden.

Mit Arbeit und Erfolg zufrieden

Die zwei Jahre als Präsidentin seien von vielen Veränderungen im Stiftungsrat und in der Anlagekommission geprägt gewesen, sagt Fassbind. Den unverhofften Rücktritt von Kerstin Windhövel kommentiert sie nach wie vor nicht. Mit der Arbeit des Stiftungsrats und mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Kasse ist Fassbind zufrieden. «Ich glaube, wir konnten einen Teil des verloren gegangenen Vertrauens zurückgewinnen.»

Im laufenden Jahr habe neben der Corona-Krise die vom Gemeinderat verlangte öffentliche Ausschreibung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pensionskasse viel Kraft gekostet, sagt Fassbind. Auch die Pensionskasse der Stadt Winterthur hat ein Angebot ausgearbeitet und eingereicht. Der Stiftungsrat ist der Ansicht, dass ein Anschluss an eine grössere Vorsorgeeinrichtung keine Vorteile bringt.

Auswertung der Angebote läuft

Die Frist, innert der Schweizer Pensionskassen eine Offerte für die Übernahme der Angestellten und Pensionäre der Stadt Winterthur einreichen konnten, endete Anfang Oktober. Wer den Zuschlag erhält, entscheide der Stadtrat «wenn möglich noch in diesem Jahr», sagt Stadtschreiber Ansgar Simon. Zur Zahl der eingegangenen Offerten äussert er sich nicht.

Derzeit laufe die Auswertung der Angebote, sagt Simon. Dabei werde die Stadt von einer externen Firma unterstützt, der Allvisa AG aus Zürich. Erhält eine externe Vorsorgeeinrichtung den Zuschlag für die Übernahme der Versicherten, ist eine Urabstimmung der Angestellten der Stadt vorgeschrieben. Auch diese müssen einem Anschluss zustimmen.

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