Erlenbach

Statt 25 kostete diese Villa nur noch 13 Millionen

Innert sechs Jahren hat sich der Preis für eine Erlenbacher Luxusvilla fast halbiert. Ein finanziell in Not geratener Banker hat die Liegenschaft zuerst für 25 Millionen Franken zu verkaufen versucht – vergeblich.

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Über Geld redet man nicht gerne – wenn mans nicht mehr hat, erst recht nicht. Jahrelang hat ein ehemaliger Spitzenmann der Bank Vontobel unter grösster Diskretion versucht, seine Luxusvilla in Erlenbach zu verkaufen. Der einstige Investmentbanker brauchte offenbar Geld, wollte aber nicht, dass dies in der Öffentlichkeit die Runde machte.

Als sein Immobilienmakler die Liegenschaft 2013 im Internet anpries, verpflanzte dieser deshalb die Villa kurzerhand in die steuergünstigere Nachbargemeinde Küsnacht. Potenzielle Kunden sowie Neugierige wurden dadurch in die Irre geführt. Aus pragmatischen Gründen sei diese Massnahme notwendig gewesen, da der Verkäufer anonym bleiben wollte, sagte der zuständige Makler damals gegenüber dieser Zeitung, als sie auf das Ablenkungsmanöver aufmerksam geworden war. 

Umbauten sind im Gang

Genützt hat die falsche Fährte nichts: Die Villa blieb jahrelang ein Ladenhüter. Und nun, da sie doch noch verkauft worden ist, kommen sie und ihr ehemaliger Besitzer trotzdem wieder in die Schlagzeilen. So will das Finanzportal «Inside Paradeplatz» erfahren haben, dass die Liegenschaft für 13 Millionen Franken den Besitzer gewechselt hat. Das klingt nach viel Geld. Gemessen an den 25 Millionen Franken, die der ehemalige Eigentümer vor sechs Jahren im Inserat verlangte, ist der Verkaufspreis aber bescheiden. Überprüfen lässt er sich nicht.

Nachweisbar ist hingegen, dass die Liegenschaft tatsächlich den Besitzer gewechselt hat. Das Grundbuchamt von Küsnacht, das auch für die Gemeinde Erlenbach zuständig ist, bestätigt auf Anfrage, dass seit August 2018 ein neuer Eigen­tümer auf die Liegenschaft eingetragen ist. Es handelt sich um die Atlantik Immobilien AG mit Sitz im Engadin. Sie lässt die Millionenvilla derzeit umbauen, wie ein Augenschein zeigt. Die von aussen wie ein Bunker abgeschirmte Liegenschaft erhält eine neue Umgebungsmauer. Gemäss Baugesuch, das im vergangenen Sommer publiziert wurde, sind überdies ein neues Vordach sowie Arbeiten an der Fassade und der Pergola vorgesehen. Die Liegenschaft wirkt bewohnt: Weisser Rauch steigt auf, was belegt, dass die Villa kräftig beheizt wird.

Villa unter dem Hammer

Kräftig eingeheizt worden war auch dem ehemaligen Eigentümer. Während der Banker zunächst jahrelang aus eigenen Stücken versuchte, seine Bleibe zu verkaufen, schritten 2017 die Behörden ein. Das Betreibungsamt lud im Juli 2017 zur öffentlichen Versteigerung des Grundstücks im Restaurant Löwen in Meilen. Ersteigern wollte die Liegenschaft damals aber niemand. Gemäss «Inside Paradeplatz» war der Mindestpreis auf 17 Millionen festgesetzt worden – so hoch sei die Villa mit Hypothekarkrediten und Darlehen belehnt gewesen.

Wie es zu dieser Verschuldung kam, ist nicht bekannt. Der einstige Investmentbanker hatte 2001 Vontobel verlassen – zwar unfreiwillig und mit etlichen Nebengeräuschen, aber gemäss Medienberichten mit einer Abfindung von Aktien in der Höhe von rund 30 Millionen Franken. Einen Teil davon steckte er in den Jahren 2002 und 2003 in den Bau seiner Traumvilla hoch über Erlenbach. Das Terrassenhaus mit eine Wohnfläche von 600 Quadratmeter verfügt über neun Zimmer, fünf Bäder, einen Indoor-Pool, eine Sauna und einen grossen Garten mit einem 180-Grad-Panoramablick über den Zürichsee.

All dies gehört nun der Atlantik Immobilien AG. Sie erstand die Villa, nachdem das Haus nach der erfolglosen Zwangsversteigerung noch einmal in Wirtschafts- und Finanzzeitungen im In- und Ausland ausgeschrieben worden war. Stimmen die Gerüchte über den Verkaufspreis, wonach die Firma nur noch die Hälfte der vor sechs Jahren geforderten Summe bezahlen musste, hat sie wahrlich ein Schnäppchen gemacht.

Erstellt: 05.02.2019, 19:24 Uhr

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