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Kolumne StadtverbesserinStoppt das Littering im Velochörbli!

Unsere Kolumnistin nimmt den Abfall in ihrem Velochörbli langsam persönlich – und stellt ein paar Regeln auf.

Kolumne Stadtverbesserer.
Kolumne Stadtverbesserer.
Illustration: Ruedi Widmer

Nach den ersten Monaten als Redaktorin beim «Landboten» war ich letzten November bereit für den nächsten Integrationsschritt: ein eigenes Velo. Im Internet stiess ich auf ein äusserst elegantes, hellblaues Damenrad mit weissem Sattel, schwarzem Chörbli und allem Drum und Dran. Hinter dem Inserat steckte überraschenderweise eine Redaktionskollegin. Das muss Schicksal sein, dachte ich, und nach harten Verhandlungen – ich wollte mehr zahlen, sie weniger bezahlt bekommen – kaufte ich es ihr ab. Alles war gut.

Doch dann kam der Sommer. Und das Chörbli erwies sich zunehmend als Hypothek. Offenbar gibt es viele, die ein Chörbli nicht von einem Kübel unterscheiden können. Mehr als einmal fand ich nach einem Wochenende am Bahnhof eine mehr oder weniger leere Bierdose oder eine zerknüllte Zigarettenschachtel darin. An der Rudolfstrasse wie auch an der Stadthausstrasse – und dort nicht nur auf der Trottoirseite – musste das Velo schon als Mülleimer herhalten. Littering ist immer ärgerlich, doch im eigenen Chörbli bekommt es eine persönliche Dimension.

Wer vernünftig genug für Mineralwasser ist, sollte auch mit dem Konzept eines Mülleimers vertraut sein.

Die Stadtverbesserin

In solchen Fällen suche ich sonst nach einer Erklärung, die mich nicht allzu sehr aufregt. Ich stelle mir etwa vor, dass es jugendliche Gedankenlosigkeit oder betrunkene Geistesverwirrung war. Vielleicht sahen die Schuldigen im Dunkeln nicht gut genug und mussten auf den letzten Zug hetzen? Oder sie schwatzten hier bei meinem Velo, stellten das Bier kurz ab und vergassen es dann? Doch all diese Erklärungen taugten nichts, als ich kürzlich über Mittag eine halb volle Flasche Mineralwasser im Chörbli fand.

Wer vernünftig genug für Mineralwasser ist, sollte auch mit dem Konzept eines Mülleimers vertraut sein. Aber vielleicht tue ich dem Spender auch unrecht. Vielleicht war die Flasche als freundliche, wenn auch nicht corona-konforme Aufforderung gedacht, bei dieser Hitze genug zu trinken. Ich würde es gerne glauben.

Wenn mein Chörbli schon als Gemeingut betrachtet wird, möchte ich wenigstens einige Regeln aufstellen: Es dürfen nur ungeöffnete Flaschen und Bierdosen deponiert werden. Willkommen sind auch Blumen (Vasenpflicht!) und Bücher. Bei allen Waren ist ein «Zum Mitnehmen»-Schild zwingend. Bis auf weiteres auch ein wenn nötig angebundenes Fläschchen mit Desinfektionsmittel. Nicht abgeholte Waren werden mitgenommen – oder entsorgt.