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Gesunkene FallzahlenStreicht der Bund Schweden von der Risikoliste?

Für seinen Sonderweg in der Corona-Krise erntete Schweden international viel Kritik. Nun sind die Zahlen rückläufig – und die Quarantänepflicht für Rückreisende könnte aufgehoben werden.

Keine Spur von Social Distancing: Szenen vor einem Restaurant im schwedischen Gotland.
Keine Spur von Social Distancing: Szenen vor einem Restaurant im schwedischen Gotland.
Getty Images

Pietro Vernazza würde «bedenkenlos» Ferien in Schweden machen. Das sagte der Infektiologe und Chefarzt am Spital St. Gallen in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Er stellte fest, dass die Corona-Todesfallzahlen im Land mittlerweile «fast linear» zurückgehen. «Schweden dürfte gar nicht mehr auf der Quarantäneliste des Bundes stehen», so Vernazza. Aufgrund seiner Fallzahlen liege das Land inzwischen unterhalb der vom Bund festgelegten Grenze für Risikoländer.

Tatsächlich verzeichnete Schweden in den letzten zwei Wochen rund 57 Neuansteckungen pro 100’000 Einwohner und lag damit unter der vom Bund definierten Grenze von 60 Neuinfektionen. Ob dies dazu führt, dass Schweden von der Quarantäneliste gestrichen wird, wollte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf Anfrage noch nicht sagen: «Die aktualisierte Liste wird noch diese Woche publiziert; vorher können wir uns dazu nicht äussern.»

Diese Faktoren sind entscheidend

Neben zu hoher Fallzahlen können noch zwei weitere Faktoren dazu führen, dass ein Staat auf der Risikoliste landet. Dies ist möglich, wenn die verfügbaren Informationen aus einem Staat keine verlässliche Einschätzung der Risikolage erlauben und wenn gleichzeitig Hinweise auf ein erhöhtes Übertragungsrisiko bestehen. Oder wenn wiederholt infizierte Personen in die Schweiz eingereist sind, die sich in einem bestimmten Staat oder Gebiet aufgehalten haben.

Wie das BAG bestätigt, gaben im Fall von Schweden jedoch die Fallzahlen den Ausschlag – und keiner der beiden anderen Faktoren. Reisende, die aus einem Staat mit hohem Infektionsrisiko zurückkehren, müssen nach der Heimkehr zehn Tage in Quarantäne. Sie sind verpflichtet, sich innert zwei Tagen bei den kantonalen Behörden zu melden. Diese sind dafür zuständig, die Einhaltung der Quarantänemassnahmen zu überwachen. Zu diesem Zweck führen sie Stichprobekontrollen durch.

Wer die Quarantänepflicht missachtet, kann mit einer Busse von bis zu 10’000 Franken bestraft werden. Derzeit stehen 29 Länder auf der Liste, neben Schweden etwa auch die USA, Israel, Südafrika Serbien oder der Kosovo. Die Länderliste wird regelmässig aktualisiert.