Küsnacht

Streit um Nachbars Balkon führt bis vors Bundesgericht

Ein Hausbesitzer in Küsnacht will im Hinterhof einen Balkonturm bauen. Der Nachbar findet das daneben und zieht bis vors Bundesgericht – vergeblich.

Der geplante Bau eines Balkons hat zwei Nachbarn aus Küsnacht im Streit bis vor die höchste richterliche Instanz in der Schweiz geführt.

Der geplante Bau eines Balkons hat zwei Nachbarn aus Küsnacht im Streit bis vor die höchste richterliche Instanz in der Schweiz geführt. Bild: Keystone

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Vor rund hundert Jahren war die Welt noch anders. Vielleicht mochten sich damals die Nachbarn einer Liegenschaft an der Küsnachter Seestrasse noch besser. Zumindest hielten sie es nicht für problematisch, ihre Häuser geschlossen aneinander zu bauen – so nahe, dass diese von der Strasse her betrachtet wie ein einheitliches Gebäude mit zwei symmetrischen Hälften wirken.

Die beiden heutigen Eigentümer hingegen hätten vermutlich lieber nichts mehr miteinander zu tun. Seit zweieinhalb Jahren bekriegen sie sich vor Gericht. Es geht um einen vorgelagerten Balkonturm, den der eine auf der Hinterseite seines Hausteils bauen möchte. Im Gegensatz zur Front sind die Fassaden der beiden Häuser auf der von der Strasse abgewandten Seite nicht symmetrisch. Sie liegen nicht auf der gleichen Linie – so, wie im übrigen auch die beiden Hauseigentümer nicht. Die eine Haushälfte ragt weiter in den Garten hinaus als die andere.

Nun möchte der Besitzer des weiter zurück versetzten Hausteils vor seiner Liegenschaft den besagten Balkonturm erstellen. Er würde diesen seinem Nachbarn seitlich vor das Haus setzen, was diesem nicht passt.

Störende Grills und Raucher

Deshalb ist es zum Streit gekommen, der die Parteien bis ans Bundesgericht führte. Der Kläger moniert in erster Linie, der Abstand von 2,5 Metern zu seiner Liegenschaft sei ungenügend. Er sieht seine Privatsphäre beeinträchtigt, wenn die Balkone so nah an sein Haus herangebaut werden.

Die Metallkonstruktion mit drei übereinanderliegenden Balkonen, die 3,9 Meter lang und 2,1 Meter breit sind, würden zudem seinem Hausteil zu viel Licht wegnehmen. Betroffen wären – auf drei Stockwerken – jeweils die Küche sowie ein Eckzimmer. Auch werde es lärmiger, weil sich die Anwohner öfter draussen aufhalten würden als heute. Der Turm ist nämlich als Ersatz für zwei bestehende kleinere Balkone im Ober- und Dachgeschoss gedacht, die heute gemäss dem Kläger nicht oft benutzt werden.

Die neuen Balkone, befürchtet er überdies, würden nicht nur zu mehr Schatten und mehr Lärm führen, sondern auch stärkere Gerüche mit sich bringen – etwa von Grills und Rauchern. Der Eigentümer, der die Balkone für seine Mieter erstellen will, solle diese besser in den Garten schicken, wo sie ihn weniger behelligen würden.

Die Vorinstanzen, also das Baurekursgericht und das Verwaltungsgericht, entschieden aber gegen den Beschwerdeführer. Ihrer Sicht hat sich nun auch das Bundesgericht angeschlossen, das diese Woche sein Urteil publiziert hat. Der Garten sei keine gleichwertige Alternative, heisst es darin. Die gemeinsame Nutzung eines Gartens durch mehrere Mieter sei zudem erfahrungsgemäss konfliktträchtig, schreibt das Bundesgericht weiter – sieht es doch anhand des vorliegenden Falls wieder einmal, welche Streitigkeiten allein schon Balkone auslösen können.

Nur etwas mehr Schatten

Die Richter halten zwar fest, dass der geplante Balkonturm die Wohnsituation des Nachbarn verschlechtere, allerdings nicht in erheblichem Masse. Die Mieter würden sich schliesslich nicht dauernd auf den Balkonen aufhalten und Lärm verursachen. Und da die Balkone mit dünnen Böden und feingliedrigen und lichtdurchlässigen Geländern ausgestattet seien, werde es auch nicht sehr viel schattiger.

Das Gericht hat die Beschwerde somit abgewiesen und der Balkonturm kann nun erstellt werden. Offen bleibt nur noch, ob dieser zu neuen Streitigkeiten führt, sobald er genutzt wird.

Erstellt: 14.03.2018, 15:09 Uhr

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