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Flüge im Lockdown abgesagtStudent fährt in 48 Tagen von Schottland nach Griechenland

Weil er mit dem Flugzeug nicht mehr nach Hause kam, packte ein griechischer Student in Aberdeen seine Siebensachen aufs Velo und fuhr 4100 Kilometer nach Athen.

Wenn er Glück hatte, konnte Kleon Papadimitriou auf seiner grossen Reise bei Verwandten oder Freunden übernachten und kam so zu einer Dusche und einem bequemen Schlafplatz.
Wenn er Glück hatte, konnte Kleon Papadimitriou auf seiner grossen Reise bei Verwandten oder Freunden übernachten und kam so zu einer Dusche und einem bequemen Schlafplatz.
Foto: Kleon Papadimitriou/Instagram kleon.vs.lockdown

Als Europa im März von der ersten Corona-Welle erfasst wurde, flogen viele Austauschstudenten schnellstmöglich in ihre Heimatländer zurück. Nicht so der griechische Student Kleon Papadimitriou. Der 20-Jährige wollte unbedingt noch alle seine Fächer an der Universität Aberdeen abschliessen und verzögerte deshalb seine Rückreise nach Hause.

Als er Ende März doch noch nach Athen zurückfliegen wollte, war es bereits zu spät, drei seiner gebuchten Flüge wurden ersatzlos gestrichen, Papadimitriou sass in Schottland fest.

Anstatt auf das Ende des Lockdown zu warten, begann der junge Grieche, seine Rückreise auf eigene Faust zu planen: per Velo. 4100 Kilometer lang ist die Strecke von Aberdeen nach Athen, inklusive zweier Bootsfahrten. Was seine Eltern für eine Schnapsidee hielten, verfolgte Papadimitriou immer ernsthafter, bis er sich Mitte Mai tatsächlich mit Mini-Zelt, Schlafsack, Büchsenproviant und einem Routenplan auf den Weg nach Hause machte.

Am ersten Tag gab er sein Vorhaben fast wieder auf. «Meine Eltern wussten nicht, wo ich war, ich wusste nicht, wo ich übernachten sollte», erzählte er der «New York Times». «Ich fing an zu weinen.» Ein Pizzalieferant half ihm schliesslich weiter, er konnte seine Eltern anrufen und sich verpflegen. In den nächsten Tagen kämpfte er sich durch Regen, Schnee und Hagel, musste mehrmals einen platten Reifen flicken und war auf holprigen Feldwegen unterwegs.

Obwohl er seinen Plan mehrmals bereute, fuhr er weiter und erreichte östlich von Leeds die anvisierte Fähre nach Holland wenige Minuten vor der Abfahrt, wie er auf seinem Instagram-Konto strahlend erzählt.

Von Holland aus fuhr er dem Rhein entlang nach Deutschland und schliesslich bis Stuttgart, wo er erstmals seit Jahren wieder seine Grossmutter besuchte. Eine Woche lang erholte er sich dort und genoss nach den Entbehrungen der langen Fahrt richtiges Essen und das Schlafen in einem Bett.

Seine Weiterfahrt führte ihn via Chiemsee und Österreich nach Italien, wo er die Adriaküste hinunterfuhr. Unterwegs schlief er meistens in seinem kleinen Zelt, in Feldern oder am Waldrand und ernährte sich von seinen Büchsenvorräten oder Brot.

Er erhielt aber auch Angebote von Bekannten, die ihn für eine Nacht aufnahmen. Mit einer App konnten seine Eltern stets sehen, wo er sich gerade befindet, und nach jeder Etappe schrieb er ihnen abends eine Nachricht, bevor er den nächsten Tag plante.

Von Italien setzte er per Fähre nach Griechenland über, wo er bereits von seinen Eltern erwartet wurde – mit dem Velo. Nach einem negativen Corona-Test fuhren sie zu dritt weiter nach Athen, wo Papadimitriou 48 Tage nach seiner Abfahrt in Aberdeen ankam. Erwartet wurde er nicht nur von Verwandten, sondern auch von Fremden, die seine Reise im Internet verfolgt hatten und den abenteuerlustigen Studenten nun bejubelten.

Erst im Nachhinein kann er die Herausforderung seines Europa-Trips richtig einschätzen. «Mir dämmert jetzt erst, was für eine grosse Leistung das war», sagt der 20-Jährige zu CNN. «Ich habe viel über mich selbst gelernt, über meine Grenzen, über meine Stärken und Schwächen. Und ich hoffe, dass meine Reise mindestens eine weitere Person dazu inspiriert hat, aus ihrer Komfortzone herauszugehen und etwas Neues, etwas Grosses auszuprobieren.»

Bei Papadimitriou war das zumindest der Fall, wie er sagt. Er sei ein eher introvertierter Typ, und die Fahrt quer durch unbekanntes Gebiet habe ihn sehr gefordert. «Hätte ich mich nicht überwunden, hätte ich keinen Platz zum Übernachten gehabt oder kein Wasser», sagt er. «Die Reise zwang mich, Interaktionen mit fremden Menschen zu haben und von mir aus die Hand auszustrecken.»

Papadimitriou kann selber kaum glauben, was er alles geschafft hat. Hätte man ihn vor einigen Monaten gefragt, ob er eine solche Fahrt machen könne, hätte er abgewunken. «Nun habe ich mehr Vertrauen in mich selbst und in meine Fähigkeiten», sagt er. Und er freut sich bereits auf sein nächstes grosses Abenteuer, wie er sagt.

anf

8 Kommentare
    Dom Wettstein

    Nette Geschichte, leider etwas lieblos aufgemacht. Früher ist man mit Ross und Wagen gereist und es war nicht weniger anstregend.