Thalwil

Taekwondo-Lehrer zu Haftstrafe verurteilt

Der Leiter einer Taekwondo-Schule in Thalwil soll gemäss Anklage zwei seiner Schülerinnen missbraucht haben. Er bestreitet vor Gericht alle Vorwürfe. Doch das Gericht verurteilt ihn zu 30 Monaten Gefängnis.

In dieser, mittlerweile Konkurs gegangenen Taekwondo-Schule in Thalwil soll sich der Kampfsportlehrer an den Mädchen vergangen haben.

In dieser, mittlerweile Konkurs gegangenen Taekwondo-Schule in Thalwil soll sich der Kampfsportlehrer an den Mädchen vergangen haben. Bild: Archiv Moritz Hager

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Der 48-jährige ehemalige Trainer des Schweizer Taekwondo-Nationalkaders steht unter Druck. Vor über zehn Jahren hat er wegen sexueller Nötigung zweier 18- und 20-jähriger Sportlerinnen seinen Job verloren und wurde zu 20 Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt. Nun soll er in seiner Schule in Thalwil ein Mädchen mehrmals belästigt haben­. Unter dem Vorwand, ihm Spezialunterricht zu geben, soll er gemäss Anklage dem Mädchen seinen Penis in den Mund geschoben haben. Dieses musste demnach die Augen geschlossen halten, ihm wurde gesagt, es handle sich um Finger. Nachdem die Schülerin bemerkt habe, dass es eben keine Finger waren, habe das Mädchen alles seinen Eltern erzählt.

170 Briefe an Eltern

Die Staatsanwaltschaft verschickte daraufhin 170 Briefe an Eltern anderer Schülerinnen mit der Frage nach möglichen Missbräuchen. Ein weiteres Mädchen meldete sich mit einer sehr ähn­lichen Geschichte. Dabei habe der Meister ihr die Augen verbunden und sie aufgefordert, zu erraten, welchen Finger er ihr in ihre Hand lege. Die Schülerin habe gemerkt, dass er ihr den Penis entgegenstrecke.

Am Dienstag stand der grossgewachsene Koreaner vor Gericht in Horgen. Die Vorwürfe streitet er entrüstet ab. Er könne sich diese­ nicht erklären. Ein Spiel, bei dem er die Schüler mit einem Finger an der Stirn berührt habe, habe es gegeben. Es seien aber immer andere Schülerinnen und Schüler dabei gewesen. Nie habe er Einzelunterricht gegeben. Auch seien in der Viertelstunde vor Beginn des Unterrichts immer Eltern und andere Schüler anwesend gewesen.

Möglicherweise hingen die Vor­würfe mit Bestrafungen zusammen, die er gegen die beiden Mädchen ausgesprochen hatte. Schon aus medizinischen Gründen sei es ihm nicht möglich gewe­sen, die Mädchen zu missbrauchen. So sei er seit zehn Jahren impotent, zu einer Erektion sei er nicht fähig.

Und wie er am Prozess sagt, habe­ er zwischen Februar und ­April 2017 selber keinen Unterricht erteilt. Dies nach einem Auto­unfall im Sommer 2016. Nach fehlgeschlagener Therapie für den verletzten Ellbogen sei er in der Zeit arbeitsunfähig gewesen. Das Arztzeugnis faxt die Verteidigung dem Gericht in der Mittagspause.

Der Verteidiger fordert einen Freispruch und eine hohe Entschädigung für die schon 390 Tage währende Haft. Er betont, dass sein Mandant freiwillig aus Südkorea in die Schweiz zurückgekehrt war, obwohl er den schlimmen Vorwurf kannte. Seine Existenz sei zerstört.

Kein Taekwondo mehr

Die Staatsanwaltschaft plädiert auf eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten und einen Landesverweis von 15 Jahren. Die Mädchen hätten unabhängig voneinander von sehr ähnlichem Vorgehen berich­tet. Eine Absprache sei nicht möglich gewesen. Es sei auch kaum denkbar, dass sich so junge Mädchen so detaillierte Geschichten ausdenken würden.

Mit Taekwondo wird unabhängig vom Ausgang des Verfahrens Schluss sein für den Beschuldigten. Der zweifache Weltmeister will nach Südkorea zurück, auch bei einem Freispruch. Eine dritte Chance rechnet sich der 48-Jährige offenbar nicht mehr aus.

Das Gericht folgt dem Antrag der Staatsanwalt. Der Landes­ver­weis wird auf sieben Jahre festgesetzt. Zur unbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten kommt ein Tätigkeitsverbot, insbeson­dere als Taekwondo-Lehrer für Kinder und Jugendliche. Die Richter haben­ keinen Zweifel an den Aussagen der beiden Mädchen.

Es sei seltsam, dass der 48-Jährige erst an der Verhandlung sein Arztzeugnis vorlege. Ein Beweis, dass er nicht in der Schule war, sei es jedenfalls nicht. Der Beschuldigte reagiert heftig auf das Urteil, will widersprechen. Ein Weiterzug ans Obergericht ist sehr wahrscheinlich. (landbote.ch)

Erstellt: 22.05.2018, 21:03 Uhr

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