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EroberungsrateTesla «räubert» bei den Deutschen

Interne Tesla-Zahlen zeigen, dass in Europa auffällig viele Fahrer von deutschen Marken und aus günstigeren Segmenten auf den Elektrobestseller Model 3 umsteigen. Die meisten fuhren einen VW Golf.

Das Model 3 von Tesla setzt den deutschen Herstellern zu: Vor allem VW-Golf-Fahrer wechseln zur US-Elektroautomarke.
Das Model 3 von Tesla setzt den deutschen Herstellern zu: Vor allem VW-Golf-Fahrer wechseln zur US-Elektroautomarke.
Foto: Tesla
Lancierung in der Corona-Krise: Die neuste Generation des VW Golf kommt noch nicht richtig auf Touren.
Lancierung in der Corona-Krise: Die neuste Generation des VW Golf kommt noch nicht richtig auf Touren.
Volkswagen
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Noch vor zwei Jahren hätte man die Vorstellung, dass ein Tesla den VW Golf bei den Verkaufszahlen bedrängen könnte, mit einem müden Lächeln abgetan. Ein Irrtum. Mit dem Model 3 hat Tesla geschafft, was die europäische Autoindustrie verschlafen hat – die Demokratisierung der Elektromobilität. In der Schweiz schaffte es das Model 3 zum Jahresende 2019 mit 5028 immatrikulierten Fahrzeugen auf den sensationellen vierten Platz der Schweizer Verkaufscharts – direkt hinter dem jahrzehntelangen Bestseller VW Golf mit 6596 Fahrzeugen, der seinerseits dem VW Tiguan (7018) und dem Skoda Octavia (9280) den Vortritt lassen musste.

Ende Mai hat das Model 3 von Tesla den Golf überholt: Mit 1235 Verkäufen liegen die Amerikaner laut der Statistik von Auto Schweiz auf Platz 5. Der VW Golf, dessen achte Generation mitten in der Corona-Krise lanciert wurde, kann sich mit 1092 Fahrzeugen gerade noch in den Top 10 halten.

Vom VW Golf zum Model 3

Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Hoch des Tesla Model 3 und der Baisse des VW Golf wurde bis anhin nicht thematisiert. Doch aus internen Tesla-Unterlagen, die uns vorliegen, geht hervor, dass in erster Linie deutsche Hersteller Kunden an das Model 3 verlieren. Und sowohl in Europa als auch in der Schweiz steigen vor allem VW-Golf-Fahrer auf den US-Stromer um.

Das erstaunt. Denn startet der neue Golf 8 bei einem Einstandspreis von 29’450 Franken, so ist das Model 3 mit mindestens 44’990 Franken beim Einstiegspreis über 15’000 Franken teuer. Tesla geht davon aus, dass sich die Kunden nicht mehr von einem niedrigen Einstiegspreis beeinflussen lassen, sondern die gesamten Unterhaltskosten in ihre Kaufentscheidung einbeziehen. Beim Model 3 mit Standardreichweite berechnen die Amerikaner über 5 Jahre und eine Laufleistung von 75’000 Kilometern alleine bei den Benzinkosten Einsparungen von 10’800 Franken. Zudem können Elektroautos vor allem wegen erheblich niedrigerer Wartungskosten (keine Ölwechsel, keine verschlissenen Abgasanlagen, deutlich längere Bremsen-Standzeiten) punkten. Natürlich geht Tesla auch davon aus, dass die Kunden in den vergangenen zwei Jahren zunehmend Umweltaspekte in ihre Kaufentscheidung miteinbezogen haben.

Auf den Eroberungsplätzen zwei bis fünf folgen dem VW Golf in der Schweiz BMW 1er (ab 31’800 Franken), BMW 3er (ab 44’900 Franken), der einzige Stromer Renault Zoe (ab 24’800 Franken) und der Audi A3 (ab 34’720 Franken). Auch in der Europa-Statistik liegt der Golf auf Platz 1, dahinter folgen mit BMW 3er, Audi A3, BMW 5er und Audi A4 ausschliesslich deutsche Autos.

Aufstieg in höhere Preisklasse

Wer dachte, europäische Tesla-Model-3-Fahrer sind überwiegend von anderen Elektroautos oder Hybridfahrzeugen auf die US-Elektrolimousine umgestiegen, lag falsch: Die meisten Kunden fuhren vorher ein Auto mit Verbrennungsmotor. «Nur gerade drei Fahrer der Top 20 der eingetauschten Fahrzeuge waren bereits vorher mit einem Elektrofahrzeug unterwegs», heisst es bei den Amerikanern. Und auch beim Kaufpreis bestätigt sich der Trend: Fast die Hälfte der Neukunden der sogenannten Top-20-Trade-in-Vehicles gibt laut den internen Tesla-Zahlen (Erhebungszeitraum zwischen Februar 2019 und Februar 2020) bei der Anschaffung erheblich mehr für ihr Model 3 aus als für ihr vorheriges Auto.