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Kommentar zu MassentestsTesten muss sich lohnen

Der Bundesrat sollte sich nicht länger über offene Terrassen in Graubünden ärgern. Kantone, die die Pandemie im Griff haben, sollten das Corona-Regime lockern dürfen.

Die Verpflegung auf den Skipisten kann in den meisten Kantonen nicht an Terrassentischen eingenommen werden.
Die Verpflegung auf den Skipisten kann in den meisten Kantonen nicht an Terrassentischen eingenommen werden.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Der Tourismuskanton Graubünden profiliert sich zurzeit mit seiner offensiven Teststrategie und offenen Restaurantterrassen. Während im Unterland Take-away-Verpflegung nicht an Ort und Stelle sitzend verzehrt werden darf, können die Gäste in Bündner Skigebieten auf der Sonnenterrasse Gerstensuppe schlürfen.

Dieser Zustand verstösst zwar gegen Bundesvorgaben, aber die Bündner sehen sich trotzdem im Recht. Sie haben mit häufigen Corona-Tests in Schulen und Firmen das Infektionsgeschehen in den Griff bekommen.

Dass die Bündner für ihre erfolgreiche Testoffensive nun als Belohnung die Legalisierung ihrer Terrassenbewirtung fordern, ist verständlich. Der Bundesrat kann zwar zu Recht darauf verweisen, dass für alle Kantone die gleichen Regeln gelten, und das Begehren abweisen. Für den Bundesrat bietet der Bündner Weg jedoch auch eine Chance.

Für den Bundesrat bietet der Bündner Weg auch eine Chance.

Wenn der Bundesrat etwa die Öffnung der Restaurants von der Testhäufigkeit, den Fallzahlen (Inzidenz) und dem Reproduktionswert eines Kantons abhängig macht, verhindert er eine unkoordinierte Öffnungskaskade wie im letzten Sommer. Diese führte zum Kontrollverlust und zur wuchtigen zweiten Welle im Herbst. Gleichzeitig honoriert er die Bemühungen jener Kantone, die das Infektionsgeschehen entschlossen eindämmen.

Eine solche regionale Öffnungsstrategie hat aber in der kleinteiligen Schweiz ihre Grenzen. Wenn aus einem Kanton mit schlechten Kennzahlen und geschlossenen Restaurants massenweise Gäste in vorbildliche Kantone fahren, macht das wenig Sinn. Deshalb müssen sämtliche Öffnungsschritte von strengen Schutzkonzepten begleitet werden. Abstände zwischen den Restauranttischen und Maskenpflicht fürs Personal müssen weiterhin strikt eingehalten werden. Mit überfüllten Terrassen, auf denen Gäste dicht gedrängt zusammensitzen, mündet sonst das Frühlingserwachen rasch wieder in steigende Fallzahlen und eine dritte Welle.

23 Kommentare
    Sacha Meier

    Testen lohnt sich in der Schweiz nicht, da die Nachteile für den einzelnen Bürger überwiegen. Wer ohne Symptome nur schon die staatsfinanzierte Variante wählen will, muss ein Testzentrum in seinem Wohnsitzkanton ausfindig machen, das solche Tests anbietet. Dann kommt der Formularkrieg samt sorgfältiger Prüfung, um sicherzustellen, dass niemand illegal diese wertvolle staatliche Leistung in Anspruch nimmt. Etwa aus einem fremden Kanton, oder zum Antritt einer privaten Flugreise mit Testpflicht. Wäre ja ungeheuerlich. Dazu muss auch die Motivation erforscht und abgeklärt werden. Wird man dann endlich aufgeboten und ist ein Superspreader, hat man schon längst ein Dutzend Menschen infiziert. Ist man nur normalsterblich positiv, gibts die Verfügung des Kantonsarztes für die Isolation. Natürlich mit Strafandrohung gemäss Covid19-Gesetz. Wenn man nicht EO-berechtigt ist, gibt es auch keinen Lohn. Sonst geht der Formalkrieg bei der EO weiter - eben für 80% Lohn. Ist man in einem Beruf mit Personalknappheit, oder Fachkräftemangel tätig - etwa im Gesundheitswesen, oder Bau - muss man trotzdem zur Arbeit, solange man arbeitsfähig ist. Wird man erwischt, gibts auch noch ein Strafverfahren samt Vorstrafe und saftigen Gebühren. Fazit: Die Schweiz kann Pandemie nicht und wird es nie können (sic). Wir können ja immer sagen, dass wir in einem freiheitlichen, lobbyistisch-demokratischen System leben und nicht in einer asiatischen Präsidialdemokratie, oder gar einer Diktatur.