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Wie weiter in der Bundesliga?Trotz Vorsicht beklagt der 1. FC Köln drei positive Corona-Fälle

Beim Bundesligisten werden zwei Spieler und ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Bei der Frage, was das für die Fortsetzung der Saison bedeutet, sind sich alle uneins.

Hinter verschlossenen Türen: Drei Personen beim 1. FC Köln müssen nach einem positiven Corona-Test in Quarantäne.
Hinter verschlossenen Türen: Drei Personen beim 1. FC Köln müssen nach einem positiven Corona-Test in Quarantäne.
Foto: Federico Gambarini/Keystone

Die Saison in der Bundesliga war Anfang März gerade unterbrochen worden, da hatte der erste positive Corona-Test der Liga grosse Aufregung zur Folge. Luca Kilian vom SC Paderborn hatte sich mit dem Virus infiziert, und beim Tabellenletzten setzten die Verantwortlichen umgehend einen Krisenstab ein, so erzählte es damals der inzwischen beurlaubte Sportgeschäftsführer Martin Przondziono: «Bis spät in die Nacht sassen wir im Büro und haben versucht, herauszufinden, wer in den letzten zehn Tagen Kontakt zu Luca hatte.» Um festzulegen, welche Profis sich in Quarantäne begeben sollten, fragten sie ab, «wer Luca die Hand gegeben hat, wer länger mit ihm gesprochen hat, wer mit ihm gegessen hat». Es habe sich angefühlt «wie im Thriller», sagte der Manager.

Nun, etwas weniger als zwei Monate später, gab der 1. FC Köln am Freitag drei positive Corona-Tests bekannt. Namen nennt der Club zur Wahrung der Privatsphäre nicht, es handele sich um zwei Spieler und einen Mitarbeiter – übereinstimmenden Medienberichten zufolge um einen Physiotherapeuten. Auch in Köln wurde danach viel telefoniert, man stimmte sich mit dem für die Fälle zuständigen Gesundheitsamt der Stadt ab. Doch an einen Thriller hat sich deshalb am Geissbockheim zunächst keiner der Verantwortlichen erinnert gefühlt, im Gegenteil: Niemand ausser den Dreien, die nach Angaben des FC jeweils keine Krankheitssymptome zeigen, muss in Quarantäne.

Die Liga verteidigt ihr Konzept

«Das Gruppentraining kann fortgesetzt werden», gab der Club schnell bekannt. Und FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle sprach von einem «positiven Signal». Er sieht die Fälle als Beleg dafür, dass das Hygienekonzept der Deutschen Fussball Liga (DFL) funktioniert. Wehrle sagte dem TV-Sender Sky: «Es zeigt, dass wir sehr zuversichtlich sein können, dass wir auf Basis dieses Konzepts in den Spielbetrieb gehen können.» Das Gesundheitsamt habe das Konzept als «tragfähig» bewertet.

Während in den Niederlanden und in Frankreich die Saisons aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen wurden, sind nirgendwo sonst in Europa die Pläne so konkret wie in Deutschland, mit Spielen ohne Zuschauer und unter Sicherheitsvorkehrungen die Saison fortzusetzen. Wenn sich am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten trifft, soll klar sein, wann die ausstehenden neun Spieltage ausgetragen werden können. Die ersten Clubs, Paderborn und Leipzig, haben bereits angekündigt, in der kommenden Woche vom Training in Einzelgruppen wieder ins Mannschaftstraining zu wechseln und damit ein kleines Stück näher zur Normalität zurückzukehren. Voraussetzung dafür seien allerdings zwei Corona-Tests des gesamten Kaders ohne Positivfall.

Für den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, in den vergangenen Wochen als notorischer Kritiker der Liga in Erscheinung getreten, war deshalb klar, was die drei Positivfälle in Köln in der ersten Test-Runde für die Neustart-Pläne bedeuten müssten: «Es ist voll unverantwortlich, dass die Spieler weiter trainieren», twitterte er. «Sie müssten in Quarantäne, wie wir es vom Bürger verlangen.» Die Spieler würden gefährdet, schrieb er weiter, und: «Das Konzept floppt.»

Bei der DFL sieht man das jedoch ganz anders. Tim Meyer, Arzt der Nationalmannschaft und Vorsitzender der «Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb» der Liga, sagte laut Mitteilung des 1. FC Köln: «Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und reduziert.» Und: «Wir sind überzeugt, dass wir den Spielern mit unserem Konzept die Ausübung ihres Berufs unter bestmöglichem Infektionsschutz ermöglichen können.»

In Köln wird erneut getestet

Die DFL geht in ihrem Konzept davon aus, dass durch eine Vielzahl an Vorsichtsmassnahmen die Spieler nicht zur Gruppe der «Kontaktpersonen der Kategorie I» gehören. Die definiert das Robert-Koch-Institut als solche, die «mindestens 15-minütigen Face-to-face-Kontakt» haben, etwa in Form eines Gesprächs, und die zum Beispiel in einem gemeinsamen Haushalt leben. Für Personen der Kategorie I wird Quarantäne als Massnahme empfohlen, wenn sie mit einem Infizierten Kontakt hatten. «Nach diesen eindeutigen Kriterien gehen wir davon aus, dass durch die Massnahmen im Trainingsbetrieb in Gruppen kein Spieler eine Kontaktperson der Kategorie I zu einem anderen Spieler ist», sagte der Kölner Mannschaftsarzt Paul Klein in einem Interview, das der FC am Samstag auf seiner Webseite veröffentlichte.

Demnach ist also das derzeit noch praktizierte Training unter Einhaltung strenger Vorsichtsmassnahmen von grosser Bedeutung: Wie alle anderen Bundesligisten trainieren die Kölner bislang nur in Gruppen, zuletzt mit jeweils zwölf Spielern. Zweikämpfe sind dabei verboten, der Sicherheitsabstand soll gewahrt werden. Würden diese Massnahmen nicht effektiv sein, so ist die Argumentation der Kölner zu verstehen, dann hätten sich wohl mehr als zwei Spieler angesteckt.

Sollte die DFL allerdings am Mittwoch die Genehmigung bekommen, den Spielbetrieb wiederaufzunehmen, werden in absehbarer Zeit nicht nur Paderborn und Leipzig das Mannschaftstraining wieder aufnehmen wollen, in dem sich die Profis auch wieder in Zweikämpfen nahekommen sollen – genau wie in den Spielen. Auch in Köln sei dies Thema der nächsten Gespräche mit dem Gesundheitsamt, sagte Geschäftsführer Wehrle. Und das DFL-Konzept sieht auch in Zukunft vor, dass nach einem Positivtest nicht die ganze Mannschaft in Quarantäne muss. Andernfalls wäre ein regulärer Spielbetrieb kaum umsetzbar. Vielmehr gibt es die Empfehlung an die Clubs, sie sollten «frühzeitig für ein ausreichend grosses Kader im Saisonfinale sorgen». Um dafür gewappnet zu sein, wenn sich weitere Spieler anstecken.

Am Samstagnachmittag wurde bekannt, dass bei Bayer Leverkusen, Werder Bremen und Eintracht Frankfurt keine Corona-Tests positiv waren. Auch bei Borussia Dortmund soll es laut Ruhr Nachrichten keine positiven Befunde geben. In Köln wird am Montag zum zweiten Mal getestet. Nur wer nachweislich nicht infiziert ist, darf danach trainieren – zunächst weiterhin in Gruppen. Doch es wird dann auch um die Frage gehen, ob alle Spieler das überhaupt wollen.

«Erst Gesundheit, dann Fussball»

Denn so hält der Mittelfeldspieler Birger Verstraete die getroffenen Massnahmen für leichtsinnig und kritisiert seinen Verein. «Wir sollten vorerst nicht unter Quarantäne gestellt werden, und das ist ein bisschen bizarr», sagte der Belgier dem TV-Sender «VTM»

Birger Verstraete denkt, dass sich das Virus in seinem Verein weiter verbreitet habe.
Birger Verstraete denkt, dass sich das Virus in seinem Verein weiter verbreitet habe.
Foto: Getty Images

«Der Physiotherapeut hat mich und andere Spieler wochenlang behandelt. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Fitnessstudio ein Duo gebildet.» Es sei daher «nicht ganz richtig», dass kein anderer aus dem Team der Kölner mit den Betroffenen in Kontakt gekommen sei. Der 26-Jährige rechnet mit weiteren Infektionen. «Ich denke auch daran, dass sich das Virus verbreitet hat», sagte Verstraete. Es liege nicht an ihm, zu entscheiden, wie es in der Bundesliga weitergehe – «aber ich kann sagen, dass mir der Sinn nicht nach Fussball steht».

Die Gesundheit seiner Familie und seiner Freundin seien für ihn «von größter Bedeutung». Dies würden auch viele andere Spieler so sehen. «Fussball ist nicht das Wichtigste», betonte der Belgier. Er könne sich vorstellen, dass viele Profis bei einer anonymen Befragung für einen Abbruch der Spielzeit votieren würden. «Erst Gesundheit, dann Fussball», sagte Verstraete.

3 Kommentare
    erich schweizer

    Es wird interessant sein dass diese positiv getesteten Spieler keine Probleme haben werden mit dem Virus. 91 Prozent aller Angesteckten spüren fast nichts, haben praktisch keine Symptome. Fussballspieler haben ein gutes Immunsystem und sind alle jünger als 40 Jahre, es besteht also keine Todesgefahr. Der Weg zum Trainingsgelände oder Stadion ist viel gefährlicher als dieses Virus.

    Trotzdem ist es zu begrüssen dass kein Risiko eingegangen wird und die Spieler extrem abgeschirmt und immer wieder getestet werden, in ein paar Monaten wird man darüber natürlich dann lachen.