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Schulstandorte im Flaachtal«Trump», «Salamitaktik», «verfälscht»: Der Ton wird schärfer

Wenige Tage vor der Gemeindeversammlung wird der Umgangston zwischen den Gegnern der Schulschliessungen und der Schulpflege rauer. Doch es geht auch um viel.

Die Anlage der Primarschule in Dorf: Geht es nach der Schulpflege Flaachtal, soll dieser Schulstandort geschlossen werden.
Die Anlage der Primarschule in Dorf: Geht es nach der Schulpflege Flaachtal, soll dieser Schulstandort geschlossen werden.
Foto: Madeleine Schoder

Die Schulpflege Flaachtal will drei der fünf Schulhäuser im Tal schliessen und die restlichen zwei Standorte in Buch am Irchel und Flaach ausbauen. Die Interessengemeinschaft (IG) «Lass die Schulen im Dorf» kritisiert die geplanten Schliessungen massiv. Doch auch die Kritiker müssen Kritik einstecken: Sowohl der IG-Alternativvorschlag zu den Schulschliessungen als auch die IG-Kostenschätzungen zum Ausbau der zwei Standorte provozieren Widerspruch.

Der Vorschlag der IG besteht darin, die Klassen künftig anders zu bilden. Damit sollen die vom kantonalen Volksschulamt geforderten Einsparungen bei den Stellenprozenten für Lehrpersonen erzielt werden – ohne ein einziges Schulhaus schliessen zu müssen. Schulpflege und Schulleiterin bezeichnen den Vorschlag aber als unrealistisch, als in der Wirklichkeit nicht praktikabel. Und bei den geschätzten Kosten für die Ausbauten in Buch und Flaach von 6 bis 8 Millionen Franken behauptet die IG, dass diese bis zu doppelt so hoch ausfallen könnten.

«Ohne genaue Basis»

Wie die Schulpflege zu ihrer Kostenberechnung gelangt sei, auf welchen Zahlen und Annahmen diese Berechnung beruhe, sei unklar: «Die Schulpflege konnte bisher nie darlegen, dass sie bereits Berechnungen angestellt hat», sagt IG-Sprecher Markus Döbeli. Das Einzige, was sie präsentiert habe, sei eine einfache Grobkostenschätzung «ohne genaue Basis». Obwohl sie eigentlich, so Döbeli weiter, «fundierte Zahlen mit einer gewissen Toleranzmarge vorweisen sollte, wenn sie einen Projektierungskredit bewilligen lassen will».

«Diese Vergleiche stehen im luftleeren Raum und dienen nur der populären Vereinfachung.»

Markus Döbeli, IG-Sprecher

Über diesen Kredit in der Höhe von 210’000 Franken stimmt die Schulgemeindeversammlung am 25. November ab. Zur Plausibilisierung des Kredits ziehe die Schulpflege zwar fertige Schulbauprojekte mit tieferen Kosten als Vergleich hinzu, fährt Döbeli fort. Aber: «Diese Vergleiche stehen im luftleeren Raum und dienen nur der populären Vereinfachung von komplexen Sachverhalten», behauptet Döbeli.

Kosten schrittweise schärfen

Was sagt die Schulpflege zu dieser happigen Kritik? Zweck des Projektierungskredits sei es ja genau, die geschätzten Kosten zu schärfen, antwortet Schulpflegepräsident Daniel Heuer. Zudem werde der externe Baufachmann Peter Bosshard an der Versammlung nächste Woche weitere Ausführungen dazu machen.

Doch auch der Bericht zur Gemeindeversammlung enthält bereits Aussagen dazu. So seien für beide Baustandorte in Buch und Flaach Aufträge mit Kostenangaben an mehrere Architekten vorgesehen. Weiter soll ein Kostenplaner die Kosten für die verschiedenen Lösungen errechnen. All dies diene als Grundlage für den Baukredit, über den Ende 2021 an der Urne abgestimmt wird. Dieser werde eine Genauigkeit von plus/minus 15 Prozent erreichen. Und nach einem Ja an der Urne würde das Bauprojekt weiter ausgearbeitet «und ein Kostenvoranschlag mit plus/minus 10 Prozent Genauigkeit erstellt».

«Salamitaktik»

Markus Döbeli kontert aus Sicht der IG: «Eine schrittweise Erarbeitung der Baukosten ist eine Salamitaktik, bei welcher die Gemeindeversammlung keine Einsicht in die Planung erhält.» Stattdessen werde die Versammlung dann «vor vollendete Tatsachen gestellt, zum Beispiel mit viel höheren Baukosten als geplant».

«Schulhausschliessungen sind grundsätzlich nicht populär.»

Daniel Heuer, Schulpflegepräsident

Daniel Heuer von der Schulpflege widerspricht: Man habe die Planungstiefe und die Summe des Projektierungskredits «bewusst tief gehalten». Die spätere Urnenabstimmung über den Baukredit sei mit Risiken behaftet – so könne dieser «durchaus auch abgelehnt werden». Denn: «Schulhausschliessungen sind grundsätzlich nicht populär.» Mit diesem bewusst schrittweisen Vorgehen sei bei einer Ablehnung «viel weniger Geld verloren».

«Keine pfannenfertige Alternative»

Bei Kritik an der IG reagiert Markus Döbeli defensiv: «Wir sind nicht die Schulpflege.» Die IG könne «nicht eine pfannenfertige Alternative präsentieren». Was die IG von der Schulbehörde verlangt, das kann sie selber also auch nicht liefern. Man wolle, so Döbeli weiter, die Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass es mehrere Alternativen gebe und dass die Schulpflege diese «nicht präsentieren will». Die Behörde gehe alternativlos davon aus, dass eine Verkleinerung der Klassenzahl «automatisch Schulschliessungen nach sich ziehen müssen».

«Wie in den USA»

Doch auch der von der Schulpflege beauftragte Baufachmann Peter Bosshard widerspricht Aussagen der IG, die auf einem neuen Flugblatt abgedruckt sind. «Das kommt mir vor wie in den USA: irgendetwas in die Luft und auf die Verunsicherung der Leute setzen, sodass diese den Projektierungskredit möglichst ablehnen.»

«Es sind noch keine Bauprojekte vorhanden, deshalb können sie auch nicht vorenthalten werden.»

Peter Bosshard, Baufachmann

Zur IG-Aussage, wonach die Schulpflege auf einen regulären Planungsprozess verzichten wolle, sagt Bosshard: «Das ist nicht so.» Im Bericht zur Gemeindeversammlung würden die Schritte und Kostengenauigkeiten erwähnt. «Also alle regulären Schritte, einfach nicht gleich am Anfang, um nicht zu viel Planungskosten in den Sand zu setzen vor der Urnenabstimmung.» Eine weitere Behauptung der IG: Der Bevölkerung würden die ausgearbeiteten Bauprojekte vorenthalten. «Das stimmt nicht», so Bosshard. Denn Bauprojekte seien noch keine vorhanden, «deshalb können sie auch nicht vorenthalten werden». Ideen und Bedürfnisse seien vorhanden.

«Die Grafik à la IG (Trump) ist massiv verfälscht.»

Peter Bosshard, Baufachmann

Weiter wirft Bosshard der IG vor, auf dem Flugblatt verschiedene Dinge miteinander zu vermischen. Auch finde man in der Weisung sehr wohl Erklärungen – «wenn man will». Ja er spricht sogar davon, dass eine Grafik der IG zu den Schulräumen «à la Trump massiv verfälscht» sei.