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«Trumps Entscheid trifft den Tourismus mit voller Wucht»

Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus, sieht eine schwierige Zeit auf seine Branche zukommen, plant aber auch schon für die Zeit nach Corona.

«Wir stellen die Gesundheit der Bevölkerung über unsere wirtschaftlichen Interessen»: Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus.
«Wir stellen die Gesundheit der Bevölkerung über unsere wirtschaftlichen Interessen»: Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus.

US-Präsident Donald Trump hat entschieden, den Reiseverkehr aus Europa vorübergehend auszusetzen. Was heisst das für den Schweizer Tourismus?

Der Einreisestopp für Europäer nach Amerika lässt vermuten, dass vor allem die US-Hotellerie betroffen ist. Das ist natürlich ein Trugschluss. Umgekehrt ist es nämlich so, dass unsere amerikanischen Gäste nicht in die Schweiz kommen werden. Sie wissen, dass ihre Rückreise gefährdet oder zumindest mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist. Die Massnahmen der Regierung Trump treffen uns mitten in der Buchungssaison und somit mit voller Wucht. Denn die Reisezeit der US-Touristen beginnt im Mai und Juni.

Lässt sich der Schaden für die hiesige Branche bereits abschätzen?

Wir verzeichnen bereits eine steigende Zahl von Stornierungen. Die Furcht vor dem Reisen ist weltweit aufgekommen, seitdem das Coronavirus in China ausgebrochen ist. Extrem ist der Rückgang beim Geschäftstourismus, also bei Aufenthalten in der Schweiz für Kongresse, Sitzungen, Messen und Seminare. Und jetzt ist eben auch der Freizeittourismus betroffen. Die USA sind für den Schweizer Tourismus nach Deutschland der zweitwichtigste Markt mit knapp 2,5 Millionen Logiernächten pro Jahr. Kommt hinzu, dass die Amerikaner beliebte Gäste sind.

Warum?

Im Vergleich zu Touristen aus anderen Ländern bleiben die Amerikaner länger, sind ausgabefreudiger und begeisterungsfähiger für die Schweiz. Sie reisen gern mit dem Zug durch die Schweiz, gehen in die Berge und mögen gutes Essen.

«Es scheint mir jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Schweizer dazu zu bringen, ihnen unbekannte Landesteile zu entdecken.»

Wo sieht Schweiz Tourismus Möglichkeiten, etwas gegen den drohenden Einbruch zu unternehmen?

Die Tourismusbranche ist zwar ein bedeutender Wirtschaftszweig der Schweiz. Aber es ist klar, dass wir die Gesundheit der Bevölkerung über unsere wirtschaftlichen Interessen stellen. Wir befolgen deshalb ohne Wenn und Aber die Vorgaben der Eidgenossenschaft. Das Einzige, was wir jetzt tun können, ist: Wir bereiten uns intensiv für die Zeit nach dem Virus vor. Wir bereiten ein Wiederbelebungsprogramm vor und haben einen Massnahmenplan erarbeitet.

Ab wann rechnen Sie mit einer Entspannung der Situation?

Der Zeitpunkt ist in der Tat entscheidend. Aufgrund der ersten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Virus wissen wir, dass mit einem Zyklus von acht bis zwölf Wochen gerechnet werden muss. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir in den kommenden zwei bis drei Wochen in Asien wieder Marketingkampagnen lancieren und mit Reiseveranstaltern wie Medien sprechen können. Für Europa rechnen wir ab diesem Zeitpunkt mit einer achtwöchigen Verzögerung, für die USA mit weiteren zwei Monaten.

Was sieht der Massnahmenplan konkret vor?

Wir haben vor, im Heimmarkt mit anderen Branchen etwas Spezielles auf die Beine zu stellen. Konkret geht es darum, den Schweizerinnen und Schweizern die Schweiz schmackhafter zu machen. Es scheint mir jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Schweizer dazu zu bringen, ihnen unbekannte Landesteile zu entdecken.

Haben Sie Hinweise aus Ihren Büros in New York und San Francisco, ob die USA auch einen Reisestopp für ihre Bürger nach Europa empfehlen?

Wie alle anderen auch, erfahren unsere Mitarbeiter in den USA von solchen Entscheiden aus den Nachrichten oder vom Twitter-Kanal des US-Präsidenten. Nein, bislang wissen wir nichts von einer solchen Massnahme.

Gibt es Forderungen von Schweiz Tourismus an den Staat?

Wir unterstützen die Forderungen der touristischen Leitverbände voll und ganz. Diese verlangen unter anderem Erleichterungen bei der Kurzarbeit, Sofortmassnahmen bei Liquiditätshilfen sowie unbürokratische zinslose Darlehen, damit der Schock abgefedert werden kann.

Wie macht sich der Ausbruch des Coronavirus bei Schweiz Tourismus selbst bemerkbar?

Wir führen seit sieben Wochen Krisensitzungen durch. Bedauerlicherweise mussten wir quasi zusehen, wie sich das Coronavirus weltweit ausbreitet. Zuerst wurde in unseren vier Büros in China, Hongkong und Taiwan vorübergehend nur noch von zu Hause aus gearbeitet, weil die Angestellten dort nicht mehr zur Arbeit erscheinen durften. Dasselbe galt dann auch für die Niederlassung in Südkorea.

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