Zürich

«170 Lärmklagen sind viel, das gebe ich zu»

Der Zürcher Stadtrat hat für die Besetzer des Koch-Areals neue Regeln aufgestellt. Sicherheitsvorsteher Richard Wolff hofft, dass diese schon dieses Wochenende eingehalten werden.

Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) stellte sich am Donnerstag erstmals den Fragen der Medien zum besetzten Koch-Areal.

Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) stellte sich am Donnerstag erstmals den Fragen der Medien zum besetzten Koch-Areal. Bild: Keystone

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Warum hat der Stadtrat so lange gewartet, bis er das Lärmproblem auf dem Koch-Areal angegangen ist?
Richard Wolff: Die Besetzerpolitik, die die Stadt seit 27 Jahren verfolgt, ist meist reibungslos verlaufen. Beim Koch-Areal haben wir jetzt ein Lärmproblem, das grösser ist als bei anderen Besetzungen. Das hat dazu geführt, dass sich der Stadtrat grundsätzliche Fragen stellen musste. Das braucht etwas mehr Zeit. Wir waren dann aber doch relativ schnell.

Es brauchte immerhin 170 ­Lärmklagen, die seit Anfang Jahr eingegangen sind.
Das ist viel, das gebe ich zu. Wenn man die Lärmklagen allerdings im Detail analysiert, sind drei Viertel davon von drei Personen. Es gibt auch mehrfache Klagen zum gleichen Ereignis von derselben Person. Ich möchte das aber nicht relativieren – denn jede Lärmklage ist eine zu viel.

Das sind nur Regeln für das Koch-Areal. Andernorts haben wir diese Lärmproblematik nicht.Richard Wolff, Sicherheitsvorsteher

Es gibt jetzt neue Regeln für das Koch-Areal. In Zürich sind aber 30 Liegenschaften besetzt. Was heisst das für die anderen?
Nichts. Es sind Regeln für das Koch-Areal. Andernorts haben wir diese Lärmproblematik nicht.

Die anderen müssen nur laut ­genug feiern, dann erhalten sie auch eine Sonderregelung?
Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt. Es ist eine Frage von gegenseitiger Rücksichtnahme, anderen die verdiente Nachtruhe zuzugestehen.

Ihre persönliche Nähe zum ­Besetzermilieu wird immer wieder thematisiert. Man hat auch ­gehört, dass die Polizei nicht aufs Areal dürfe, weil der Chef es verbietet. Was sagen Sie dazu?
Das hat nichts mit meiner Person zu tun. Es ist einfach so, dass wir auf Dialog setzen und nicht auf Intervention mit der Staatsgewalt. Die stadträtliche Politik, die auch meine ist, ist eine Politik der Zurückhaltung und Toleranz. Jetzt sind wir an einem anderen Punkt und hoffen, auf diesem Weg weiterzukommen.

Die Regeln gelten ab sofort. Am Wochenende sind wieder Partys angekündigt. Was ­passiert, wenn die Regeln nicht eingehalten werden?
Zunächst müssen wir von einer Übergangsregelung sprechen, denn sie haben ja zwei Wochen Zeit, um uns die Partys vorgängig zu melden. Wir appellieren aber an die Besetzer, die neuen Regeln jetzt schon einzuhalten, um ihre Bereitschaft zu zeigen.

Wenn nicht, kommt die Polizei?
Dann versuchen wir erst mal, Kontakt herzustellen. Wie genau es ablaufen wird, wissen wir nicht. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 06.10.2016, 21:10 Uhr

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