Zürich

52 Apotheken haben die Lizenz zum Piksen

Seit September dürfen Zürcher Apotheker impfen. Am nationalen Impftag bot sich gestern Gelegenheit für eine erste Bilanz – und einen Anti-Grippe-Strip.

Dank der Neuerung soll die Impfquote erhöht werden.

Dank der Neuerung soll die Impfquote erhöht werden. Bild: Marc Dahinden

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Oben ohne lassen sich Politiker beim Fischen (Wladimir Putin) oder Joggen (Barack Obama) ablichten – oder wie Thomas Heiniger beim Impfen gegen die Grippe. Der Zürcher Gesundheitsdirektor hatte sich gestern von den Apothekern einspannen lassen, weil sie erstmals an einem nationalen Impftag selber zur Spritze greifen durften.

«Ein kleiner Piks für den Gesundheitsdirektor – ein grosser Schritt für die Apotheken», kündigte der Zürcher Apothekerverband (AVKZ) das Ereignis an, das nicht etwa auf dem Mond stattfand, sondern in einem Nebenraum im Obergeschoss der Apotheke Paradeplatz in Zürich.

Die Kameras waren bereit, als um 12.35 Uhr mit AVKZ-Präsident Lorenz Schmid der höchste Apotheker des Kantons zur Nadel griff und nach einem kurzen Patientengespräch Thomas Heiniger dazu aufforderte, den Ärmel seines Hemdes hochzukrempeln. Weit kam er jedoch nicht – das Hemd war zu eng. Und so musste Heiniger seinen Oberkörper entblössen. Den topfitten Läufer schien dies allerdings genauso wenig zu stören wie der anschliessende Piks. Es war schliesslich nicht sein erstes Mal. «Ich lasse mich jedes Jahr impfen», sagte Heiniger. Und zählte zwei stichhaltige Gründe auf: «Erstens um mich selbst zu schützen, zweitens als Akt der Solidarität», damit sich die Krankheiten nicht weiter ausbreiten können.

Neue Dienstleistung

Die neue Dienstleistung der Apotheken soll denn auch dazu beitragen, die Impfquote in der Schweiz zu erhöhen. Im Kanton Zürich ist die Praxis seit dem 1. September erlaubt – nach einem sechsjährigen Gang durch behördliche und politische Instanzen. Mittlerweile verfügen 52 der 220 Apotheken über eine Bewilligung, 7 Gesuche sind pendent. Vor einem Monat waren es 25 Bewilligungen und 5 Gesuche. Lorenz Schmid geht davon aus, dass sich die Zahl im nächsten Jahr noch einmal verdoppeln wird. In seiner Apotheke behandelt er täglich 10 bis 20 Patienten.

Daniel Hugentobler, verantwortlich für Qualität und Recht beim Apothekerverband, sieht mehrere Gründe für den Anstieg. «Für viele unserer Kunden ist der Service ein Bedürfnis, weil sie keinen Hausarzt haben oder dort zunächst einen Termin vereinbaren müssen. Bei uns können sie ohne ärztliche Verordnung spontan vorbeikommen – sogar abends oder samstags.»

«Nicht gewinnbringend»

Die Impfung ist schnell erledigt. Von der medizinischen Befragung bis zum Stich vergehen selten mehr als 20 Minuten. Den Preis können die Anbieter selber festlegen. Gemäss Hugentobler liegt er meistens zwischen 35 und 45 Franken. «Jedenfalls nicht höher als beim Arzt.»

Laut Lorenz Schmid ist das Angebot jedoch nicht gewinnbringend. Grund seien die Ausgaben für Impfmittel sowie die hohen Investitionen . Die Schulung koste 3500 bis 4000 Franken. Hinzu kämen Material und Infrastruktur. Wer die Lizenz zum Impfen erlangen will, muss einen Raum einrichten, der visuell und akustisch vom Laden getrennt ist. Zur Einrichtung gehören neben Liege und Lavabo ein Notfallkoffer, ein Sauerstoffgerät und weitere medizinische Hilfsmittel. «Diese Aufwände sind ein Grund, weshalb einige Apotheken noch zögern», sagt Schmid.

Bald gegen Masern?

Durch die Pionierarbeit in Zürich haben auch die Kantone Bern, Solothurn, Freiburg und Neuenburg nachgezogen. Letzterer erlaubt seinen Apothekern gar die Impfung gegen Masern. Im Kanton Zürich ist das Angebot beschränkt auf Impfungen gegen Grippe, Zeckenbiss sowie Hepatitis A und B. «Man wollte in einer ersten Phase mit diesen Impfungen Erfahrungen sammeln», sagt Daniel Hugentobler. «Es ist aber unser Ziel – und auch jenes des Bundesamtes für Gesundheit –, dass wir zusätzlich die Masern bekämpfen können.» (Landbote)

Erstellt: 07.11.2015, 10:53 Uhr

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