Zürichsee

Alles andere als ein «Schoggi-Job»

Nach Vermissten tauchen, Schiffsführer kontrollieren und bei Wind und Wetter draussen sein: Am Wochenende feiert die Kantonspolizei das 50-Jahr-Jubiläum ihrer Seepolizei.

Das Steuer im Griff: Gruppenchef Stefan Mathiuet kennt alle Ecken des Zürichsees.

Das Steuer im Griff: Gruppenchef Stefan Mathiuet kennt alle Ecken des Zürichsees. Bild: Kurt Heuberger

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Gut gebräunt steht Stefan Mathiuet am Steuer des Bootes der Seepolizei des Kantons Zürich. «Das fällt den Kapo-Kollegen natürlich auf, wenn wir uns an Sitzungen treffen», sagt der Gruppenchef. Seit 20 Jahren ist er nun schon dabei. Und das sehr gern. Aber der Eindruck täusche, der Posten bei der Seepolizei sei alles andere als ein «Schoggi-Job». «Ja, wir sind häufig draussen. Aber eben bei jedem Wetter, auch wenns stürmt und hagelt», ergänzt Dienstchef Daniel Möckli.

Die zusätzliche Ausbildung dauert bis zu fünf Jahre. Dazu gehört etwa die wichtige Taucherausbildung, die in den Wintermonaten absolviert wird. Im Winter sind die Seepolizisten häufig auch an Land tätig – als reguläre Kantonspolizisten. Sie helfen bei Verkehrskontrollen oder Unfällen. Von gemütlichem Bootfahren und Sich-Bräunen-lassen könne keine Rede sein. Die beiden Polizisten würden sich nicht mehr anders entscheiden. «Wer gerne draussen und in der Natur ist, ist bei der Seepolizei an der richtigen Stelle», sagt Dienstchef Möckli.

Hilfe der Seerettungsdienste

29 Polizistinnen und Polizisten zählt der Standort Oberrieden. Zusätzlich ist ein ziviler Mechaniker angestellt. Der Betrieb ist rund um die Uhr gewährleistet. Bei grösseren Unfällen ist die Seepolizei aber auf die Seerettungsdienste angewiesen. «Wir können nicht mit mehr als drei Booten gleichzeitig auf den See», erklärt Daniel Möckli. Tüftler sind bei der Seepolizei willkommen. Viele Geräte, wie etwa der neuste Sonar, der zur Ortung von Gegenständen dient, sind nicht für die Boote der Seepolizei gebaut worden. Die Polizisten brauchen deshalb einige Versuche, um herauszufinden, wie die Geräte am besten genutzt werden können. So wie bei dem Kameraboot, das einen Blick bis in 300 Meter Tiefe erlaubt. Es ist ein unscheinbares Boot, die Kamera steckt in einer alten Taucherflasche, drei U-Boot-Scheinwerfer dienen als Beleuchtung. Doch trotz des scheinbar simplen Aufbaus: Die Seepolizei und ihr Boot werden immer wieder von anderen Polizeien um Hilfe gebeten. Sei es im süddeutschen Raum oder auf dem Vierwaldstättersee.

Der Gruppenchef hat bei der Seepolizei einiges erlebt. Stolz ist Stefan Mathiuet auf den Moment, als er in einem Weiher im Kanton Zürich ein Messer fand. Es handelte sich um die Waffe, mit der ein damals 16-Jähriger an der Street-Parade 2007 einen 18-Jährigen erstochen hatte. Zwar hatte der Beschuldigte das Delikt zugegeben, doch der Fund der Tatwaffe überführte ihn definitiv.

Ein versunkener Mercedes

Die Arbeit bei der Seepolizei kann hart sein. Ertrinkt ein Schwimmer oder landet ein Auto im Wasser, müssen die Seepolizisten tauchen. Nicht immer sind sie dabei schnell genug. Stefan Mathiuet war dabei, als ein Mercedes von der Fähre vor Meilen in den See fiel. Der Fahrer rettete sich. «Wir sahen, wo das Auto im See aufgeprallt war, die Spuren auf dem Boden waren sichtbar. Aber wir kamen nicht bis zum Auto hin», erzählt er. Auf 46 Metern Tiefe lag der Wagen, die Taucher gehen in der Regel höchstens bis 40 Meter runter. Erst das Kameraboot brachte den Standort ans Licht.

Arm oder Ast?

Die Arbeitsbedingungen sind nicht immer die einfachsten. Die Sicht im Zürichsee sei ja noch verhältnismässig gut, aber in gewissen Gewässern sehe man die Hand vor den Augen nicht, erzählt Mathiuet. «Da bin ich auch schon an Grenzen gestossen», sagt er. Einmal sei ihm nicht mehr klar gewesen, ob er gerade einen Ast oder einen Arm ertastet.

Neben schwierigen Momenten gibt es natürlich auch schöne bei der Seepolizei. «Auf dem See gilt der Freizeitmodus», sagt Daniel Möckli. Die Kapitäne seien selten genervt, wenn sie kontrolliert würden, im Vergleich zu vielen Autofahrern. «Häufig halten wir danach noch einen Schwatz», sagt Stefan Mathiuet. Auch die 2014 eingeführte 0,5-Promille-Grenze habe an der entspannten Stimmung wenig geändert.

Wenn die Seepolizisten strenger werden müssen, geht es meistens um zu schnelles Fahren. Gemächlich steuert Mathiuet das Schiff aus dem Bootshaus, um das zu demonstrieren. Nach 300 Metern dürfen die Motorbootfahrer Gas geben, erklärt er. Geübte Fahrer hätten Hilfsmittel am Ufer, um die Distanz einzuschätzen. «Wenn die Pappeln dort auf der Höhe der Kirche in Thalwil sind, bin ich weit genug draussen», sagt der Gruppenchef. Oder wenn die Herrliberger Kirche genau am Horizont steht. Für die Laien gebe es immer noch GPS, meint Mathiuet. Eine Ausrede für verfrühtes Gasgeben gibt es nicht.

An schönen Wochenenden ist auf dem See viel los. Die beiden Seepolizisten stört das nicht. Die Kitesurfer, die seit dem 1. März legal über den Zürichsee flitzen, empfindet der Dienstchef als Bereicherung. Die Zeiten seien vorbei, als sich nur Privilegierte ein Boot leisten konnten und den See als ihren eigenen betrachteten. «Der See ist für alle da», sagt Daniel Möckli. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.06.2015, 17:41 Uhr

Seepolizei

Das läuft am 50-Jahr-Jubiläum

Am Wochenende wollen die Seepolizisten der Bevölkerung ihr Können demonstrieren. Am Samstag und am Sonntag ist der Standort Oberrieden für alle geöffnet. Anlass ist das 50-Jahr-Jubiläum der Seepolizei. Gleichzeitig wird auch die Einsatzzentrale in Oberrieden 40-jährig. Die Einsatzzentrale wird am Wochenende praktisch zum Museum umfunktioniert. In der Werkstatt präsentieren die Polizisten ihre Instrumente und die Art der Arbeitseinsätze. Im Theorieraum warten alte Unterwasserkameras und Druckkammern, die für Klaustrophobe ungeeignet sind, auf die Besucher. Draussen macht die Seepolizei diverse Vorführungen, darunter die Bergung eines Fahrzeugs oder einen Tauchereinsatz vom Heli aus. Die Seepolizei bittet die Besucher, nicht mit dem Auto anzureisen, die Parkplatzzahl ist beschränkt. Von Herrliberg her wird ein Schiffshuttle angeboten. (paj)

Samstag, 13. Juni, 10–18 Uhr, Sonntag, 14. Juni, 10–17 Uhr, Seestrasse 87, Oberrieden.

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