Kantonspolizei

Dem E-Auto der Kapo fährt keiner davon

Die Kantonspolizei Zürich hat ihren ersten elektrisch betriebenen Streifenwagen. Ein Audi E-Tron. Gegenüber dem Tesla hat er zwei entscheidende Vorteile.

Der neue Audi E-Tron der Kantonspolizei Zürich.

Der neue Audi E-Tron der Kantonspolizei Zürich. Bild: Marc Dahinden

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Die Stadtpolizei Basel war vorgeprescht und hatte sich zum Gespött gemacht. Der stolz angekündigte «Polizei-Tesla» kam monatelang nicht zum Einsatz und war das Sujet vieler Fasnachts-Schnitzelbänke. Die Kantonspolizei Zürich will es besser machen. Das Elektrofahrzeug, das sie am Donnerstagmorgen vorgestellt hat, sei das Resultat einer gründlichen Evaluation und Teil einer langjährigen Mobilitätsstrategie, sagt Oberst Thomas Würgler. Der Kommandant der Kantonspolizei war für den Medientermin zum Verkehrspolizei-Stützpunkt in Winterthur-Rosenberg gekommen.

Knapp 100000 Franken kostet der Audi e-tron 55 Quattro ab Werk und ist damit deutlich teurer als der Standard-Streifenwagen, der BMW 5. Dafür verfügt er über Vierradantrieb, ein irres Drehmoment von 664 Newtonmeter und das Äquivalent von über 400 PS. So schnell fährt da kein Ganove davon. Dazu kommen viele technische Finessen. So hat der Elektro-SUV keine Rückspiegel, sondern Kameras, die das Bild auf kleine Displays in der Tür übertragen.

Polizei-Ausstattung selbst eingebaut

Die polizeispezifische Ausstattung hat die Polizei selbst eingebaut. Bild: mad

Gegen einen Tesla als Polizeiwagen sprachen vor allem zwei Gründe. Erstens überträgt dieser standardmässig alles, was im Innenraum gesprochen wird, an die amerikanische Zentrale. Aus Datenschutzgründen ein No-Go. Und zweitens fehlt der sogenannte CAN-Bus, ein standardisierter Anschluss, über den sonst fast alle Personenwagen verfügen. Darüber steuert die Polizei zum Beispiel den Blaulichtbalken auf dem Dach oder die Punktematrix im Kofferraumfenster an. Die Polizei-Ausstattung, inklusive Funksystem und allen Kofferraumausbauten hat die Polizei selbst vorgenommen.

«Wir werden sicher schon nach einem Jahr erste Erkenntnisse darüber haben, wie sich das Fahrzeug bewährt»Roger Büherer, Chef der Logistikabteilung der Kantonspolizei Zürich

Der Audi ist ein Testfahrzeug. Drei Dinge, will die Kantonspolizei herausfinden: Wie teuer ist das Elektrofahrzeug im Betrieb? Wie bewährt es sich im Polizeialltag? Und wie lange ist die Lebensdauer der Batterie. Die Erwartung für einen Streifenwagen sind 400'000 Kilometer über eine Einsatzdauer von etwa zehn Jahren. So lange wird es aber nicht dauern, bis die Polizei über weitere Elektrofahrzeuge entscheidet. «Wir werden sicher schon nach einem Jahr erste Erkenntnisse darüber haben, wie sich das Fahrzeug bewährt», sagt Roger Bührer, Chef der Logistikabteilung.

Vor allem auf der Autobahn anzutreffen

In Winterthur wird man den Elektro-SUV selten sehen. Er kommt am Standpunkt Urdorf zum Einsatz, weil es dort viel Autobahn abzudecken gilt und die Polizei möglichst viele Fahrkilometer abspulen kann. Die Reichweite gibt Audi mit etwas über 400 Kilometer an; ein voller Ladezyklus dauert 4 bis 5 Stunden.

Von den rund 650 Autos der Kantonspolizei sind aktuell bereits über 80 mit alternativen Antrieben unterwegs, darunter viele Hybrid-Fahrzeuge und rund 23 mit Erdgas. Bis Ende Jahr soll der Anteil alternativer Antriebe bis auf 18 Prozent steigen, sagt Bührer. Elektrofahrzeuge setzt die Kantonspolizei seit 2015 ein - bei der Personalgewinnung, für Personentransporte und auf dem Flughafengelände. Nun schafft es erstmals ein E-Auto in die Königsklasse: als vollwertiges Patrouillenfahrzeug.

Erstellt: 16.01.2020, 12:30 Uhr

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