Volksinitiative

Kritik an Jägern als «Unsinn» abgeschmettert

Jagdgegner schrecken offenbar vor wilden Behauptungen nicht zurück. Etwa «es funktioniert im Allgemeinen nicht», dass Jäger wegen angefahrener Wildtiere ausrücken. Der Chef der Jagdverwaltung widerspricht vehement.

Mehr als zehnmal täglich rücken Jäger im Kanton Zürich aus, um nach Wild zu suchen, das bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde.

Mehr als zehnmal täglich rücken Jäger im Kanton Zürich aus, um nach Wild zu suchen, das bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde. Bild: Keystone

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Es ist dunkle Nacht. Mit dem Auto fährt man durch ein Waldstück, als unvermittelt ein Reh auf die Strasse springt. Zwar steht man noch auf die Bremse, die Kollision lässt sich aber nicht verhindern. Der dumpfe Knall des Aufschlags wird sich im Hirn festbrennen. Das Reh entschwindet im Wald. Mit zittrigen Fingern klaubt man das Handy aus der Tasche und wählt die Nummer der Kantonspolizei.

Rund 15 Minuten später ist ein Jäger vor Ort. Er wird umgehend den spezialisierten Jagdhundeführer mit seinem Spürhund alarmieren, welcher sich auf die Suche nach dem verletzten Tier macht und dieses erlöst.Das will niemand erleben. Und trotzdem geschieht es auf Zürcher Kantonsgebiet rund 3800 Mal pro Jahr, dass Wildtiere durch den Verkehr sterben.

Die Jäger im Kanton Zürich zählen das Einsammeln verletzter und toter Tiere zu ihren gemeinnützigen Arbeiten. Im Abstimmungskampf gegen die Initiative «Wildhüter statt Jäger» werfen sie unter anderem diese Leistung in die Waagschale. Mehr als zehnmal täglich, meist nachts, würden die Jäger dafür ausrücken, sagte Christian Jaques, Präsident von Jagd Zürich, gestern in dieser Zeitung.

Dem widersprach Marianne Trüb Klingler im Interview. Sie ist ehemalige SP-Kantonsrätin und Miturheberin der Initiative. «Es funktioniert im Allgemeinen eben nicht», sagte sie. Ein schwerer Vorwurf an die Jäger.

Sie sagte weiter, der Chef der kantonalen Jagdverwaltung habe die Jäger in Briefen mehrfach gerügt, weil sie zu wenig ausrücken, wenn Tiere verletzt seien. Dieser Chef ist Urs Philipp. «Was Frau Trüb behauptet, ist Unsinn», sagte er gestern auf Anfrage. Der Kanton Zürich verfüge schweizweit über eines der besten Systeme, was die Alarmierung bei Wildunfällen betreffe.

Pikettliste für ganzen Kanton

Die Jagdgesellschaften müssen laut Philipp eine Pikettliste führen. Darauf sind pro Gebiet jederzeit mindestens drei Jäger eingetragen. Die Liste wird zwei Mal pro Tag elektronisch an die kantonale Verkehrsleitzentrale weitergeleitet. Kommt es zu einem Unfall mit einem Wildtier, meldet sich der Autofahrer bei der Kantonspolizei.

Mit Hilfe einer Karte und der Liste alarmieren die Polizisten in der Einsatzzentrale den zuständigen Jäger. Erreiche man im betreffenden Gebiet ausnahmsweise niemanden, werde der erste Name auf der Liste des Nachbarreviers kontaktiert.

«In aller Regel ist innert 15 Minuten ein Jäger auf dem Platz und kümmert sich, wenn nötig um die Nachsuche des verletzten Tieres», sagt Philipp. Im Extremfall könne es auch einmal 45 Minuten dauern. Ihm sei kein Fall bekannt, in dem dies nicht geklappt habe.

Dass kein Jäger beim zuständigen Revier erreicht wird, scheint hingegen in seltenen Fällen vorzukommen. Das habe er in Briefen schon moniert. Es sei ja nicht die Idee, dass Jäger eines Nachbarreviers ausrücken müssten.

Seit zehn Jahren werde jeder Fall elektronisch erfasst. Das gehe von einer Karte, über die Uhrzeit, zum Namen des ausgerückten Jägers bis zur Frage, ob ein Fangschuss nötig war. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 10.08.2018, 18:29 Uhr

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