Zürich

Roger Köppel verzichtet

Der Wahlgang um den zweiten Zürcher Ständeratssitz wird zum Duell zwischen Ruedi Noser (FDP) und Marionna Schlatter (Grüne).

Er verzichtet: Roger Köppel zieht sich aus dem Rennen um den zweiten Zürcher Ständeratssitz zurück.

Er verzichtet: Roger Köppel zieht sich aus dem Rennen um den zweiten Zürcher Ständeratssitz zurück. Bild: Keystone

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Die SVP machte es spannend mit ihrem Ständeratskandidaten Roger Köppel: Nachdem Ruedi Noser (FDP) schon am Wahlsonntag gesagt hatte, er trete zum zweiten Ständerats-Wahlgang nochmals an und Marionna Schlatter (Grüne) tags darauf folgte, zog sich der SVP-Kantonalvorstand am Donnerstagabend zur Beratung ins Walliseller Restaurant «Doktorhaus» zurück.

Gegen 22 Uhr gab Kantonalparteipräsident Patrick Walder dann bekannt: «Der Parteivorstand empfiehlt der Delegiertenversammlung, beim zweiten Wahlgang nicht mehr anzutreten.» Köppel sagte, er unterstütze diesen Antrag: «Die grüne Kommunistin Marionna Schlatter stellt das grössere Übel dar als Noser.» Definitiv über den Vorschlag des Kantonalvorstands entscheiden wird die SVP-Delegiertenversammlung am 29. Oktober.

Klar hinter Noser

Köppel hatte bei den Ständeratswahlen am Sonntag mit 107 528 Stimmen das drittbeste Resultat erzielt. Er lag allerdings klar hinter Noser: Der bisherige FDP-Ständerat kam auf 141 700 Stimmen, verfehlte das absolute Mehr jedoch. Knapp hinter Köppel rangiert Schlatter mit 95 142 Stimmen. SP-Ständerat Daniel Jositsch schaffte die Wiederwahl bereits im ersten Wahlgang mit 216 679 Stimmen.

Nach dem Rückzug von Tiana Moser (GLP) und im Zuge der grünen Welle, die die Wahlen prägte, wittern die Grünen nun ihre Chance. Schlatter hofft auf Stimmenzuwachs aus dem GLP-Lager. Auch der Frauenbonus könnte ihr im Jahr des Frauenstreiks zugutekommen. Eine rot-grüne Doppelvertretung Zürichs im Ständerat ist damit in Reichweite gerückt, auch wenn Noser weiterhin als Favorit gilt.

Den bürgerlichen Sitz retten

Kein Wunder, dass der Druck aus dem bürgerlichen Lager auf die SVP in den letzten Tagen anstieg: FDP-Kantonalparteipräsident Hans-Jakob Boesch hatte Köppel bereits am Sonntag aufgefordert, seine Kandidatur aufzugeben. Schliesslich gelte es, den bürgerlichen Ständeratssitz zu retten. Die CVP-Kantonalparteipräsidentin Nicole Barandun, die sich als Sechstplatzierte nach dem ersten Wahlgang aus dem Ständeratswahlkampf zurückzog, legte Köppel am Montag nahe, es ihr gleichzutun. Ansonsten stiegen die Wahlchancen der Kandidatin der Grünen. Der Kanton Zürich brauche aber wenigstens einen wirtschaftsfreundlichen Standesvertreter.

Auch der Kantonale Gewerbeverband (KGV), in dessen Vorstand namhafte Politiker von SVP, FDP und CVP sitzen, bekräftigte in einem Communiqué seine Unterstützung für Noser im zweiten Wahlgang. Im ersten Wahlgang hatte er sich für Noser und Barandun ausgesprochen. «Es gilt nun, alle wirtschaftsfreundlichen Kräfte zu bündeln und Ruedi Noser gemeinsam zur Wiederwahl zu verhelfen», argumentiert der KGV. «Eine links-grüne Zürcher Doppelvertretung im Ständerat kann sich unser Wirtschaftskanton schlicht nicht leisten.»

Das sagt Roger Köppel (SVP) nach der Bekanntgabe seines Verzichts gegenüber der Nachrichten Agentur Keystone-sda. Video: keystone-sda

Der SVP- und FDP-nahe Hauseigentümerverband Kanton Zürich wünschte sich ebenfalls eine Einigung auf einen einzigen bürgerlichen Kandidaten. Welcher es sein sollte, liess er allerdings offen.

Ein rot-grünes Zürcher Duo im Stöckli gab es noch nie

Die Aufregung im bürgerlichen Lager ist historisch verständlich. Seit der Gründung des Bundesstaats Schweiz im Jahr 1848 waren die Zürcher Ständeratssitze zumeist bürgerlich besetzt. Eine rot-grüne Zürcher Standesvertretung wäre ein Novum. Jositsch ist erst der fünfte Zürcher SP-Ständerat überhaupt. Und dass SP-Ständeräte den Kanton Zürich im Stöckli zusammen mit Politikern links der FDP vertraten, gab es noch seltener: Emilie Lieberherr, letztes Zürcher SP-Ständeratsmitglied vor Jositsch und von 1978 bis 1983 im Amt, sass 1978/79 neben Albin Heimann (parteilos, vorher LdU).

Emil Klöti, Zürcher SP-Ständerat von 1930 bis 1955, sass im Stöckli zwei Jahre lang neben Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler, ebenfalls LdU. Die vormalige Grüne Verena Diener (GLP) schliesslich teilte die Zürcher Standesvertretung von 2007 bis 2015 mit Felix Gutzwiller (FDP).

Ob sich zu SP-Ständerat Jositsch nun erneut ein Bürgerlicher oder die Grüne Schlatter gesellt, entscheidet das Stimmvolk am 17. November. Frau Schlatter wäre übrigens die sechste Zürcher Ständerätin.

Erstellt: 24.10.2019, 20:35 Uhr

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