Zürich

Streit um Corbusier-Pavillon schwelt weiter

Seit Jahren tobt ein Konflikt um einen Pavillon, den der berühmte Architekt Le Corbusier am Zürichhorn gebaut hat. Innenarchitektin Heidi Weber hat nun gegen die Stadt Zürich geklagt – ohne Erfolg.

Heidi Weber, hier auf einem Bild von 1973, nahm den Pavillon in den sechziger Jahren zusammen mit Le Corbusier in Angriff.

Heidi Weber, hier auf einem Bild von 1973, nahm den Pavillon in den sechziger Jahren zusammen mit Le Corbusier in Angriff. Bild: Keystone

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Ein offener Brief an Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) sowie eine Anzeige wegen Ehrverletzung gegen den Zürcher Kulturdirektor Peter Haerle: Der Streit zwischen Innenarchitektin Heidi Weber und der Stadt Zürich um den von Le Corbusier entworfenen Pavillon im Seefeld hat schon viele Wendungen genommen. Hinzu kommt nun ein neues Kapitel: Von der Öffentlichkeit unbeachtet, ist Weber im September ans Verwaltungsgericht gelangt, um ihre Forderungen im Zusammenhang mit dem Pavillon durchzusetzen.

Die Vorgeschichte des Konflikts zwischen der Stadt und Weber reicht weit zurück. Der Bau aus den 60er-Jahren ist der letzte des berühmten Architekten Le Corbusier. Er wurde von Heidi Weber initiiert und finanziert und befindet sich an der Höschgasse – auf einem Grundstück, das der Stadt gehört. Diese stellte die Parzelle für 50 Jahre im Baurecht zur Verfügung. 2014 fiel der Pavillon, in dem Weber ein Corbusier-Museum gegründet hatte, zurück an die Stadt – mitsamt den Exponaten, die als Dauerleihgabe gedacht waren.

Entscheiden soll ein Zivilgericht

Spätestens da begannen die Probleme. Der Konflikt gipfelte darin, dass Heidi Weber vor eineinhalb Jahren Dutzende Werke von Le Corbusier aus dem Museum abtransportieren liess. Die heute 90-Jährige fühlt sich nämlich von der Stadt hintergangen. Diese habe sich nicht an die Zusagen gehalten, die sie ihr gegenüber gemacht habe. Die Stadt hatte ihr nachweislich versprochen, dass sie das Museum in eine öffentlich-rechtliche Stiftung umwandeln wolle.

In ihrem offenen Brief an die Stadtpräsidentin kritisierte Weber im Januar, dass dies nicht geschehen ist. Die Stadt verwies jedoch darauf, dass eine Stiftung aufgrund der Änderung des Gemeindegesetzes nicht mehr möglich sei und stattdessen ein Verein als Trägerschaft gegründet werde.

Die Innenarchitektin hatte ausserdem von der Stadt verlangt, dass der Pavillon weiterhin «Heidi Weber Haus von Le Corbusier» genannt wird. Die Stadt ging darauf nicht ein. Auf die Verdienste von Heidi Weber rund um den Pavillon soll jedoch künftig eine Tafel beim Eingang hinweisen.

Die von ihr bemängelten Punkte hat Weber nun beim Verwaltungsgericht eingeklagt. Doch dieses fühlt sich nicht zuständig. Das geht aus dem Urteil hervor, das diese Woche publiziert wurde. Streitigkeiten im Zusammenhang mit Baurechten seien vor Zivilgerichten auszutragen, heisst es darin. Dies auch dann, wenn die öffentliche Hand involviert sei.

Hin und Her um Strafanzeige

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Unklar ist, ob Heidi Weber es weiterziehen wird. Man wolle das Urteil zuerst genau studieren, sagt ihr Rechtsvertreter Kuno Fischer auf Anfrage. Die Stadt hat indessen ihre eigenen Pläne vorangetrieben: Im Mai startete sie eine öffentliche Ausschreibung, um die neue Trägerschaft des Museums zu bestimmen. Mittels superprovisorischer Verfügung versuchte Heidi Weber, das Verfahren im letzten Moment zu stoppen.

Ohne Erfolg: Das Verwaltungsgericht lehnte es im September ab, der Stadt Zürich den Abschluss einer Leistungsvereinbarung mit einem Betreiber für das Museum zu verbieten. Schon wenig später präsentierte die städtische Kulturabteilung eine Siegerin des Wettbewerbs: Der «Pavillon Le Corbusier», wie ihn die Stadt nennt, soll ab 2019 vom Museum für Gestaltung geführt werden. Entstehen soll eine Dauerausstellung über Le Corbusier mit Fotos von René Burri. Auch Wechselausstellungen sind vorgesehen. Bis es soweit ist, wird der Pavillon saniert.

Bleibt noch die Anzeige gegen den städtischen Kulturchef Peter Haerle. Es geht darum, dass dieser in einem Radiointerview Äusserungen gemacht hat, die Weber als ehrverletzend empfindet. Wird im Kanton Zürich gegen Staatsangestellte eine Anzeige im Zusammenhang mit ihrer Arbeit eingereicht, muss das Obergericht der Staatsanwaltschaft die Ermächtigung erteilen, dass diese aktiv werden darf.

Das Obergericht entschied sich gegen diesen Schritt, worauf Heidi Weber ans Bundesgericht gelangte. Dieses entschied zu ihren Gunsten und wies die Staatsanwaltschaft zu einer Strafuntersuchung an. Die jüngste Wende in der Affäre: Die Staatsanwaltschaft hat auf eine Untersuchung verzichtet, weil sie den Tatbestand als offensichtlich nicht erfüllt erachtet. Dagegen wiederum hat Heidi Weber eine Beschwerde beim Obergericht eingereicht – Fortsetzung folgt.

Erstellt: 13.12.2017, 19:08 Uhr

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