Zürich

Zürich plant mit «Marina Tiefenbrunnen» einen Hafen für alle

Am Rand der Stadt Zürich soll mit der «Marina Tiefenbrunnen» ein neuer Zugang zum See entstehen. Es wird der erste Hafen der Stadt sein, der auch für die breite Öffentlichkeit konzipiert ist.

Der Blick auf die geplante Hafenanlage und die 150 Meter lange Mole im Zürcher Seebecken.

Der Blick auf die geplante Hafenanlage und die 150 Meter lange Mole im Zürcher Seebecken. Bild: Visualisierung: Stadt Zürich, Amt für Hochbauten

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Das Herzstück des Hafens bildet die 150 Meter lange und 17 Meter breite Mole. Mit der Mole werde ein attraktiver Ort im See geschaffen, sagte Stadtrat André Odermatt (SP) am Freitag vor den Medien. «Das Wasser unter den Füssen und den Himmel über dem Kopf», schwärmte er. Am Ende der Mole, die mit einer 90 Meter langen zweiseitigen Bankreihe bestückt ist, entsteht eine Buvette, eine kleine Snack-Bar.

Direkt vor der Mole an Land kommt das Wassersportzentrum zu stehen. Das viergeschossige Gebäude enthält unter anderem ein Restaurant, Garderoben, Trocknungs-, Lager- und Schulungsräume sowie eine Werkstatt.

Jeremy Hoskyn vom Amt für Hochbauten, Vorsitzender des Preisgerichts, bezeichnete das Projekt der beiden Zürcher Teams Waldrap GmbH und Pechmann Landschaftsarchitekten GmbH, die sich aus insgesamt 78 Bewerbungen durchgesetzt haben, als «sehr praktisch und funktional». Es sei stark aus der Nutzung heraus entwickelt und einfach konstruiert worden. Er lobte die klaren Strukturen und die Nüchternheit.

Platz für 550 Boote

Der Hafen soll 400 Wasser- und 150 Trockenplätze für Boote bieten. Es sind jedoch keine neuen Plätze, sondern ein 1:1-Ersatz von bestehenden, wie Odermatt erklärte. Die Stadt wolle das untere Seebecken «deutlich entlasten» und Bootsplätze nach Tiefenbrunnen verlagern. Damit werden Nutzungskonflikte entschärft und ein Auftrag des Leitbilds Seebecken von Stadt und Kanton erfüllt.

Laut Regierungsrat Markus Kägi (SVP) werden rund 300 Bojen im Seebecken aufgelöst - auch aus ökologischen Gründen. «Die Ketten der Bojen machen den Seeboden kaputt.» Er versprach, dass die Miete für die neuen Bootsplätze sozialverträglich sein soll. Deshalb gibt es eine Gewinnbeschränkung und die Segelclubs sowie die restlichen Bootsplätze profitieren von tieferen Konzessionsgebühren.

Hafen für knapp 40 Millionen Franken

Die Stadt hat zusammen mit dem Zürcher Segel Club, dem Zürcher Yacht Club, der Versicherungsgesellschaft Mobiliar und der Baufirma Kibag bereits im vergangenen Jahr als Trägerschaft eine Aktiengesellschaft gegründet. Diese soll die «Marina Tiefenbrunnen» finanzieren, planen, bauen und auch betreiben.

Dank der Zusammenarbeit mit diesen privaten Partnern konnte das Grossprojekt überhaupt wieder an die Hand genommen werden. Denn die Stadt Zürich hatte 2013 ihre Pläne für die neue Hafenanlage auf Eis legen müssen, weil diese «nicht finanzierbar» schienen. Sie rechnete damals mit Kosten von rund 90 Millionen Franken, was laut Kägi nicht zumutbar gewesen wäre.

Die neuen Zielkosten betragen 38 Millionen Franken – für Kägi «eine verträgliche Lösung». Die Stadt, die Segelclubs, die Mobiliar und die Kibag sollen je 25 Prozent beisteuern. Das Projekt wurde vor allem viel billiger, da die Mole neu schwimmend konzipiert wurde. «Dadurch wurden die Anlagekosten um mehr als die Hälfte reduziert», sagte Hoskyn.

Als nächste Schritte folgen nun das raumplanerische Verfahren und die Erarbeitung eines Gestaltungsplans, bevor dann der Gemeinderat über diesen, die Beteiligung der Stadt sowie den Baurechtsvertrag entscheiden muss. Das Parlament wird sich voraussichtlich 2020 damit befassen. Läuft alles nach Plan, können die ersten Boote ab 2023 eingewassert werden.

Projekt in zwei Phasen aufgeteilt

Während die erste Phase vor allem die Infrastruktur Wassersport verbessert, soll dann in einer zweiten Phase ab 2025 das Gebiet Tiefenbrunnen aufgewertet werden. Geplant ist, dass die Wasserschutzpolizei Zürich auf dem Areal umzieht. Die so gewonnene Fläche wird für einen erweiterten Park genutzt. «Der teilweise bereits existierende Park wird von 3000 auf 10'000 Quadratmeter vergrössert», sagte Hoskyn.

Spätestens dann wird aus dem laut Odermatt heute eher unattraktiven Areal mit «industriell-verstelltem Charakter» ein attraktiver Ort für die Öffentlichkeit mit Hafen-Atmosphäre entstehen. (mst/sda)

Erstellt: 13.07.2018, 14:34 Uhr

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