Analyse

Barbara Schmid-Federer – am linken Rand der CVP

Die Familienpolitikerin Barbara Schmid-Federer hat sich mit Vorstössen zu Cybermobbing einen Namen gemacht.

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Wo steht Barbara Schmid- Federer innerhalb der Partei?
Barbara Schmid-Federer steht für eine sozialliberale, urbane Politik ein. Vom linken Rand der CVP eckt sie auch mal in der Partei an. So beantragte sie, die CVP-In­itia­ti­ve zur Abschaffung der Heiratsstrafe zurückzuziehen wegen des umstrittenen Passus, der die Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau definiert. Entgegen der Parteilinie spricht sie sich gegen eine zweite Gotthardröhre und für die Legalisierung von Hanf aus. Als Spross einer katholischen Politikerfamilie – ihr Ururgrossvater war Bundesrat Josef Zemp, ihr Bruder ist Abt von Einsiedeln – fühlt sie sich in der CVP aber am richtigen Ort, da es die einzige Partei sei, die sich für Familien einsetze.

Welche Politerfahrung bringt sie mit und wie ist sie politisch vernetzt?
2007 zog Schmid-Federer als CVP-Bezirkspräsidentin unerwartet in den Nationalrat ein, ohne vorher in Gemeinde- oder Kantonsrat Erfahrungen gesammelt zu haben. Seither hat sie sich gut vernetzt und als Co-Präsidentin der parlamentarischen Gruppe Familienpolitik, der Gruppe Sucht, Prävention, Jugendpolitik und als Präsidentin des kantonalen Roten Kreuzes Schlüsselpositionen übernommen.

Wie kommt die Kandidatin bei den anderen Parteien an?
Die Familienpolitikerin, die sich für Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bildung, Flüchtlinge und öffentliche Stillzonen einsetzt, kann auf Stimmen der Linken und Grünen zählen. Unterstützt wird sie auch von der BDP. Ihre Nähe zum linken Lager kostet sie aber den Rückhalt in traditionell bürgerlichen Gruppierungen wie dem Hauseigentümerverband und dem Gewerbeverband. Beide nennen die Männedörfler Unternehmerin nicht auf der Liste ihrer Wahlempfehlungen für den Nationalrat, geschweige denn für den Ständerat.

Ist die Politikerin volksnah?
Zwar zeigt sie Emotionen, wenn es um Bereiche geht, die sie persönlich bewegen, wie Frauen-, Familien- und Flüchtlingsthemen. Oft wirkt sie allerdings etwas distanziert. Zudem mag die Sachpolitikerin die politische Selbstinszenierung nicht. Sie hat beispielsweise dar­auf verzichten, am FDP-Wahlkampf-Sportturnier teilzunehmen.

Welches Kernanliegen vertritt die 49-Jährige?
Nach acht Jahren im Nationalrat schreibt sich Schmid-Federer nicht mehr hauptsächlich den Kampf gegen die Gefahren für Kinder im Internet auf die Fahne, sondern auch die Alterspolitik. Dabei setzt sie sich für pflegende Angehörige, die Palliativmedizin und die Rentenreform ein.

Was hat die Nationalrätin bisher politisch bewegt?
Dass Cybermobbing politisch zum Thema wurde, ist zu einem grossen Teil ihr zu verdanken. Heute laufen mehrere Bundesprogramme, die auf ihre In­itia­ti­ve zurückzuführen sind. Ebenso gab sie vor Jahren den Anstoss zur aktuellen Debatte um den Vaterschaftsurlaub.

Welche Interessenbindungen hat sie?
Barbara Schmid-Federer führt zusammen mit ihrem Mann die Toppharm-Apotheke am Paradeplatz, wo sie auch im Verwaltungsrat sitzt. Zudem ist sie Verwaltungsrätin bei Radio Zürisee. Die Präsidentin des kantonalen Roten Kreuzes ist Stiftungsrätin der Schweizerischen Greina-Stiftung zur Erhaltung der alpinen Fliessgewässer und Mitglied in Frauenorganisationen wie der Alliance F (Bund Schweizerischer Frauenorganisationen), der KMU-Frauen Zürich und der Zürcher Frauenzentrale.

Wie steht es um die Wahl­chancen der Kandidatin?
Als Vertreterin einer kleinen Partei hat Schmid-Federer lediglich Aussenseiterchancen. Allerdings könnte sie vom Frauenbonus profitieren, da sämtliche Vertreter grösserer Parteien männlich sind. Zudem steht sie für eine lösungsorientierte Politik über die Parteigrenzen hinweg und hat keine Probleme, für einen Kompromiss auch mal von der Parteilinie abzuweichen. Dennoch gehört Schmid-Federer nicht zu den bekanntesten Politikerinnen im Kanton und wird mit ihrem Ständeratswahlkampf wohl eher ihren Nationalratssitz sichern als die Kammer wechseln. Zu bedenken ist allerdings, dass sie es gewohnt ist, diejenigen Lügen zu strafen, die ihre Wahlchancen kleinreden: 2007 hatte niemand mit ihr gerechnet und auch 2011 gingen viele davon aus, dass es sie treffen werde, wenn die CVP in Zürich einen Sitz verlöre. Beide Male kam es anders.

Wie viel eigenes Geld steckt die Kandidatin in den Wahlkampf?
Schmid-Federer will sich nicht auf eine Zahl festlegen. Die Sammlung von Geldern laufe noch. Daher wisse sie nicht, welche Summe sie am Ende des Wahlkampfs investiert haben werde. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 21.09.2015, 16:59 Uhr

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