Zürich

Beim Essen an die Umwelt denken

Unsere Ernährung verursacht einen grossen Teil der Umweltbelastung. Mit dem Projekt «Zürich isst» will die Stadt darauf aufmerksam machen und die breite Bevölkerung dazu anregen, ihre Essgewohnheiten zu überdenken.

Auf der «essbaren Terrasse» im Amtshaus an der Lindenhofstrasse in Zürich werden Lebensmittel verarbeitet und serviert. Der Grünabfall wird an Ort und Stelle kompostiert und der entstandene Humus unmittelbar wieder eingesetzt.

Auf der «essbaren Terrasse» im Amtshaus an der Lindenhofstrasse in Zürich werden Lebensmittel verarbeitet und serviert. Der Grünabfall wird an Ort und Stelle kompostiert und der entstandene Humus unmittelbar wieder eingesetzt. Bild: pd / Lukas Handschin

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Wer die Umwelt schonen will, nimmt sich vielleicht vor, das Auto häufiger in der Garage stehen zu lassen, weniger Strom zu verbrauchen und im Winter die Heizung runterzudrehen. Nachhaltige Ernährung ist wohl bei den wenigsten der erste Gedanke. Dabei ist diese für einen Drittel der Umweltbelastung verantwortlich. Bei der Produktion und beim Transport entstehen Emissionen, riesige Landflächen und Unmengen von Wasser werden verbraucht. Je nachdem, was wir einkaufen und essen, hinterlassen wir einen grösseren oder kleineren ökologischen Fussabdruck. Die Stadt Zürich will bis im Jahr 2050 den CO2-Ausstoss von heute 5,2 Tonnen auf eine Tonne reduzieren. Dieses Ziel soll auch durch ökologische Lebensmittelbeschaffung erreicht werden. Das Beschaffungsleitbild der Stadt gibt etwa vor, dass beim Einkauf für Alters- und Pflegezentren sowie die zwei Stadtspitäler Triemli und Waid mindestens fünf Prozent der Lebensmittel aus biologischem Anbau stammen müssen. Aktuell werden sieben Prozent erreicht. Wert auf Nachhaltigkeit legt die Stadt auch bei der Belieferung der Schulen, Horte und Personalcafeterias. Letztere bieten beispielsweise seit 2012 das «Menü Plus» an. Es besteht aus regionalen Zutaten und verursacht weniger als die Hälfte der Treibhausgase von vergleichbaren Mahlzeiten.

Über 200 Aktivitäten

Damit auch die breite Bevölkerung ihre Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten überdenkt, wurde vor einem Jahr das Projekt «Zürich isst» lanciert. Im nächsten Monat wird es umgesetzt. Den ganzen September soll sich in der Stadt alles um das Thema Ernährung drehen. Geplant sind über 200 Veranstaltungen und Aktivitäten. Unter anderem zeigt eine Ausstellung, wie man intelligent einkauft; ein Workshop erklärt, wie man kreativ mit Vorräten kocht; an einer Führung durch den Schülergarten Aemtler erleben Interessierte, was Zürich an Wildkräutern, essbaren Blüten und Heilpflanzen zu bieten hat – und auf der «essbaren Terrasse» der Personalcafeteria im Amtshaus an der Lindenhofstrasse 19 in Zürich wird gezeigt, wie die dort gewonnenen Lebensmittel verarbeitet und serviert werden. Der Grünabfall wird vor Ort kompostiert und der entstandene Humus unmittelbar wieder eingesetzt.

Weniger Fleisch

Angeregt worden ist «Zürich isst» von der Stiftung Mercator Schweiz. Sie engagiert sich für Projekte in den Bereichen Wissenschaft, Kinder und Jugendliche sowie Menschen und Umwelt. Die Stiftung finanziert den Erlebnismonat und organisiert ihn zusammen mit dem Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich. Am Projekt beteiligen sich nebst den städtischen Dienstabteilungen über 100 Partnerorganisationen: Restaurants, Lebensmittelproduzenten, Gewerbetreibende sowie Organisationen aus den Bereichen Wissenschaft, Kultur und Jugend. Die breite Abstützung soll helfen, dass sich nicht nur jene Gedanken über ihre Ernährung machen, die ohnehin auf diesem Gebiet sensibilisiert sind. «Viele denken, das Umweltproblem sei ein Problem der anderen», sagt Co-Gesamtprojektleiterin Sonja Gehrig vom Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich. «Dabei wäre es wichtig, dass jede und jeder sein Konsumverhalten überdenkt und verändert.» Wer weniger Fleisch esse und saisonale Produkte aus der Region einkaufe, leiste bereits einen wertvollen Beitrag.

Ein Drittel landet im Abfall

Entscheidend für die Klimabilanz ist aber auch, was wir nicht essen. In der Schweiz landet ein Drittel der Lebensmittel im Abfall. 45 Prozent davon stammen aus den Haushalten. «Hier besteht ebenfalls grosses Potenzial», sagt Sonja Gehrig. Wer zum Beispiel vor dem Einkaufen einen Blick in den Kühlschrank wirft, kauft eher gezielt und weniger ein. «Zudem empfiehlt es sich, nicht mit einem Hungergefühl seine Einkäufe zu tätigen.» Das Projekt «Zürich isst» soll den Zürcherinnen und Zürchern aber nicht den Spass am Essen verderben. Die Veranstalter versprechen, dass beim Blick über den eigenen Tellerrand hinaus der Genuss nicht zu kurz kommen werde.

«Zürich isst»: Offiziell startet das Programm am 2. September. Informationen zu Veranstaltungen und Aktivitäten auf: www.zuerich-isst.ch.

Erstellt: 16.08.2015, 21:15 Uhr

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