Stäfa

Blitz lässt es am Zürichsee krachen

Am Mittwoch gab es in Stäfa einen lauten Knall, der die Fenster erzittern liess. Ein Blitz war in den Zürichsee eingeschlagen. Das kommt gar nicht so selten vor – und ist für Schwimmer gefährlich.

Immer wieder schlagen Blitze in den Zürichsee ein: Diese Aufnahme gelang ZSZ-Fotograf André Springer am 9. Juni 2009.

Immer wieder schlagen Blitze in den Zürichsee ein: Diese Aufnahme gelang ZSZ-Fotograf André Springer am 9. Juni 2009. Bild: André Springer

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Ein heftiger Knall hat am Mittwochnachmittag viele Stäfnerinnen und Stäfner aufhorchen lassen. Auch in den Büros der Redaktion der «Zürichsee-Zeitung» war der Knall nicht zu überhören, die Fensterscheiben zitterten.

Doch was war der Grund? Für einmal kann die Schuld am Lärm nicht der Schweizer Luftwaffe in die Schuhe geschoben werden. Es war nachweislich kein Düsenjet, der einen Überschallknall produziert hatte.

Diesmal war es Mutter Natur. Zum Zeitpunkt des Knalls zog ein Gewitter über den Zürichsee. Wie dem Blitzortungs-Dienst von Kachelmannwetter.com zu entnehmen ist schlug ein Blitz aus dieser Gewitterzelle exakt um 16.39 Uhr unmittelbar vor Stäfa in den See sein. Der Blitz erzeugte gemäss dem Online-Ortungsdienst eine Stromstärke von 4400 Ampere.

Auch wenn er einen ohrenbetäubenden Lärm verursachte: Der Stäfner Blitz zählt in seiner Kategorie noch eher zu den «Leichtgewichten». Erdblitze können in extremer Form Stromstärken von bis zu 300 000 Ampere erreichen. Genauso eindrücklich ist die Stromspannung, die sie erzeugen. «Sie beträgt 500 000 bis 1 Mio. Volt», sagt André Moser vom Eidgenössischen Starkstrominspektorat (Esti) in Fehraltorf.

Blitze sind genauso spektakulär wie gefährlich – das zeigt diese Zusammenstellung von Blitzeinschlägen. Quelle: Youtube

Zum Vergleich: Sogenannte Lichtbögen, also Entladungen, die hin und wieder aus Hochspannungs-Freileitungen austreten, haben eine Spannung von etwa 380 000 Volt. «Ein Blitz setzt also eine enorme Energie frei – allerdings nur für den Bruchteil einer Sekunde», sagt Moser.

Zürichsee ist eine «Blitzregion»

Blitze erreichen etwa ein Zehntel bis ein Drittel der Lichtgeschwindigkeit. Im Blitzkanal, also der von Auge sichtbaren Entladung, wird die Luft schlagartig auf bis zu 30 000 Grad erhitzt. Die heisse Luft um den Blitzkanal dehnt sich explosionsartig aus – dadurch entsteht letztlich der Donner. Das erklärt auch, warum Blitze beim Einschlag so gefährlich sind. Sie zersplittern Baumstämme, setzen Dächer in Brand und können Menschen und Tiere verletzen oder sogar töten.

In der Schweiz werden pro Jahr zwischen 300 000 und 500 000 Blitze (Erd- und Wolkenblitze) registriert – je nach Anzahl und Häufigkeit von Gewittern. Das heisst: Pro Quadratkilometer Fläche sind das zwischen 8 und 12 Blitze. Berücksichtigt man nur die tatsächlich am Boden einschlagenden Blitze, dann dürfte die Zahl gemäss dem Wetterdienst Meteoschweiz bei rund 150 000 liegen. Der «blitzreichste» Monat ist der Juli.

Das Gewitter- und damit auch das Blitzrisiko ist aber je nach Region unterschiedlich. Das zeigen die langjährigen Statistiken von Meteoschweiz. So werden im Bereich der klassischen «Gewitterschienen», also entlang von Jura und Voralpen, im Durchschnitt die meisten Blitze registriert. Die Zürichseeregion, speziell das linke Seeufer und das Linthgebiet, liegt in der Voralpen-Gewitterschiene. Die Gefahr von Blitzschlägen ist hier also gegenüber dem Mittelland erhöht.

Die Grafik zeigt die Anzahl Blitzeinschläge pro Jahr und Quadratkilometer in der Schweiz für die Periode 2000-2010. Quelle: Meteoschweiz

Wie oft Blitze in den Zürichsee einschlagen, darüber wird keine Statistik geführt. Es dürfte aber relativ häufig vorkommen – und zwar einfach deshalb, weil häufig Gewitter über den See ziehen.

Vor allem für Schwimmer kann das gefährlich werden. Es reicht bereits aus, wenn ein Blitz in der Nähe eines Schwimmers niedergeht. Da die Wasseroberfläche ein guter Spannungsteiler ist, breitet sich der Strom gleichmässig aus. Die Folgen sind gemäss der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) fatal: Bei Schwimmern und Tauchern könne die Schockwelle Verkrampfungen, Bewusstlosigkeit und Schock auslösen, die dann zum Ertrinken führen. Umso verständlicher ist es, dass in den «Badis» rund um den See die Bademeister ihre Gäste regelmässig dazu auffordern, das Wasser zu verlassen, wenn ein Gewitter naht.

3,9 Mio. Franken Schaden im letzten Jahr

Die angerichteten Schäden durch Blitzschlag sind beträchtlich. Gemäss den Zahlen der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) gab es 2015 kantonsweit 240 Einschläge. Die Schadenssumme betrug 3,9 Mio. Franken. «Das letzte Jahr war bezogen auf die Schadenssumme aussergewöhnlich», sagt Christoph Lienert von der Medienstelle der GVZ. Im langjährigen Durchschnitt schlägt der Blitz im Kanton Zürich 330 Mal in Gebäude ein und verursacht Schäden von 1,8 Mio. Franken.

Die massivsten Schäden entstehen gemäss Lienert bei direkten Einschlägen in Häuser. Dachstöcke und im schlimmsten Fall ganze Gebäude können so niederbrennen. Nicht zu unterschätzen seien aber auch die Schäden durch indirekte Einschläge, also wenn ein Blitz Strom- oder Elektroleitungen trifft. Dann können in umliegenden Häusern elektrische Installationen, sowie zum Hausrat gehörende Geräte wie Fernseher oder Computer beschädigt werden. (landbote.ch)

Erstellt: 16.06.2016, 15:33 Uhr

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