Fluglärm

Bürgerliche wollen Fluglärm-Index neu definieren

Am Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) soll geschräubelt werden, damit sich sowohl der Flughafen als auch die Gemeinden moderat entwickeln könnten. Dies verlangt die bürgerliche Mehrheit im Kantonsrat. Sie hat ein Postulat am Montag mit 97 zu 70 Stimmen überwiesen.

Der ZFI soll «weiterentwickelt» werden – das möchte die bürgerliche Mehrheit im Zürcher Kantonsrat.

Der ZFI soll «weiterentwickelt» werden – das möchte die bürgerliche Mehrheit im Zürcher Kantonsrat. Bild: Keystone

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Die Verfasser des Vorstosses halten die aktuelle Situation für paradox: Der im Jahr 2008 geschaffene ZFI werde wegen des Bevölkerungswachstums in der Flughafenregion überschritten – gleichzeitig werde dieses Wachstum in der kantonalen Raumplanung gewünscht. Der ZFI soll deshalb «weiterenwickelt» werden.

Mit diesem Weiterentwickeln soll ein «glaubwürdiger Index» geschaffen werden, sagte Kathrin Wydler (CVP, Wallisellen). Der ZFI soll nicht abgeschafft, sondern verbessert werden, meinte auch Barbara Franzen (FDP, Niederweningen). Denn das Messinstrument habe heute gravierende Fehler.

Christian Lucek (SVP, Dänikon) verwies darauf, dass die vielen Neuzuzüger im Bewusstsein des Fluglärms in die Region ziehen und den ZFI dennoch belasten würden. Dieser «Geburtsfehler» des Indexes müsse nun korrigiert werden. Von «allzu offensichtlichen Konstruktionsmängeln» sprach auch Daniel Sommer (EVP, Affoltern am Albis).

Dies sieht die Regierung ebenfalls so: Es könne nicht sein, «dass wir wegen einer erwünschten Entwicklung in der Region über den ZFI den Flughafen in seinem Handlungsspielraum abwürgen», sagte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP). Es sei an der Zeit, über den Inhalt des ZFI nachzudenken.

Linke sieht Gesundheit gefährdet

Nicht das Bevölkerungswachstum sei primär daran schuld, dass der ZFI-Wert überschritten werde, meinte hingegen Robert Brunner (Grüne, Steinmaur). Relevant seien vor allem die nächtlichen Flüge, welche die Anwohner aufweckten und deshalb gesundheitsrelevant seien. Statt den ZFI durch blosse Zahlenschieberei zu beeinflussen, könnte auch darauf hingewirkt werden, dass der Fluglärm in der Nacht auf ein Minimum reduziert werde, ergänzte Thomas Forrer (Grüne, Erlenbach).

Und für Ruedi Lais (SP, Walliselllen) stellte sich die grundsätzliche Frage, «wie viel uns die Gesundheit der Anwohner und der Umwelt wert» sei. Trotz Verdichtung müsse die Bevölkerung gesund leben können.

Mit der am Montag beschlossenen Überweisung des Postulats erhält die Regierung nun wie gewünscht Zeit, um über den ZFI nachzudenken: Sie muss innerhalb von zwei Jahren einen entsprechenden Bericht vorlegen. (mst/sda)

Erstellt: 17.09.2018, 12:01 Uhr

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